Arrogant oder selbstbewusst?

Auch wenn nicht jeder die Gradwanderung zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz schafft,  ich bewundere junge Leuten für ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Darüber habe ich nie in einem auch nur ansatzweise vergleichbaren Maße verfügt. Bestimmt rührte meine Bewunderung daher.

Ein starkes Selbstbewusstsein hilft sehr, sich in der heutigen Welt zu behaupten — nicht nur im Job, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Allerdings frage ich mich manchmal schon, ob das Selbstbewusstsein, das mir mitunter begegnet, wirklich so uneingeschränkt positiv zu sehen ist.

Es kommt mir so vor, als würde die Zahl derer, die in Diskussionen die Meinungsführerschaft für sich beansprucht, immer schneller wachsen. Vielleicht wächst sie aber auch nur in dem Maße, in dem ich mich persönlich bereit bin zurückzunehmen? Jedenfalls ertappe ich mich immer häufiger dabei, mich trotz anderer Meinung nicht mehr in die Diskussion einzuschalten. Dann stelle ich fest, dass manchmal eine Lösung herauskommt, die meiner Meinung nahe kommt. Oftmals ist es auch so, dass sehr viel Zeit durch Diskussionen “verplempert” wird und das Ergebnis mich persönlich doch nicht überzeugt.

Früher hätte ich, streitbar wie ich war, für meine Vorstellung gekämpft, obwohl das überflüssig gewesen sein dürfte. Das klingt vielleicht wie das Statement eines Desillusionierten. Vielleicht hat mein Verhalten aber mehr mit dem Zugewinn an Lebenserfahrung zu tun. Und – wie gesagt – es gibt ja auch immer mehr Leute, die unbedingt ihren Punkt machen wollen. Sollen sie ruhig!

Eben habe ich ein Interview mit der britischen Soulsängerin Joss Stone gelesen, das mich zu diesem Beitrag inspiriert hat. Sie hat sich mit ihrer Plattenfirma (EMI) angelegt, weil sie bei ihrem letzten Album partout auf kommerzielle Titel verzichtet hat. Sie fand, es gehe darum, Mumm zu haben und argumentierte, dass viele Menschen nur von Verkaufszahlen, Geld oder Ruhm angetrieben würden. Sie appelliert: “Vergesst all die Meinungen anderer Menschen!” 

Sie hat sich, was wohl in dieser Branche auch keine Selbstverständlichkeit ist, durchgesetzt, als der EMI-Chef sie während eines Abendessens persönlich darum bat, ihre Haare wieder blond zu färben (So wurde sie bekannt!). Sie sagte zu und färbte sich ihr Haar pink.

Dazu braucht es viel Selbstbewusstsein.

Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    An den lieben Hooorst: Ooch – der Button zum “DICK”schreiben is weg, wie schade. jetzt kann ich nur kursiv, grummel.

    Zum Thema: “Sie sagte zu und färbte sich ihr Haar pink.
    Dazu braucht es viel Selbstbewusstsein. “

    Schlechter Geschmack und/oder Farbenblindheit kann bei pink :klo: auch nich schaden… :-) :rodler:

  2. ap meint:

    Man sieht, dass du a) die Frau nicht kennst und b) mit Farben nicht viel am Hut hast. Über Geschmack sollte man, wie du vielleicht auch schon gehört hast, nicht streiten.

  3. JürgenHugo meint:

    Über pink aber auch nich…

  4. ap meint:
  5. Kiri meint:

    Wuhu, Titten beim ersten Treffer :taumel:

    Ich sehe übrigens bei vielen Leuten in meiner Altersklasse keinerlei Selbstbewusstsein. Die lassen mit sich umspringen wie sonstwas und es stört sie nicht mal mehr sonderlich.

  6. JürgenHugo meint:

    @Horst: wenn ICH dir ´n Link gib, dann wirst DU pink – aber im Gesicht… :-) da hier aber “eventüll” Jugendliche (und bestimmt Damen wie Kiri) mitlesen, werde ich darauf verzichten. Nur einen winzkleinen Hinweis kriegst du: die Mädels bei meinem Link wären nicht allein und sie hätten weniger an… :-)

  7. ap meint:

    @JürgenHugo: Lass mal stecken. Ich bin nicht vergnügungssüchtig.