Dass Margot Käßmann von ihren Ämtern zurückgetreten ist, stimmt mich traurig, weil sie ein Mensch ist, dem ich persönlich eine hohe Glaubwürdigkeit zuschreibe. Auf der anderen Seite kann ich ihre Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Die öffentliche Ausbreitung ihrer Verfehlung würden ihr und natürlich ihrem Amt schaden. Sie hat Autorität und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Das hat sie erkannt und sofort die Konsequenzen gezogen.
Schade, dass nicht auch andere Menschen, die öffentliche Ämter bekleiden, ähnlich konsequent und ehrenhaft handeln. Ich ziehe meinen Hut vor Frau Käßmann. Deutschland hat einen wichtigen Funktionsträger verloren, vor allem jedoch eine Frau, die das Zeug zum Vorbild hat. Das kann man leider nicht von vielen sagen, die heute eine herausgehobene Position in unserem Land bekleiden.












Sowas sitzt man aus – paar Sprüche: “Auch BischöfeInnen sind fehlbar”, bißchen zerknirscht tun – und gut wär´s gewesen. Die Frau Käßmann wär mir eh besoffen immer noch 3x lieber als der Guido nüchtern…
JürgenHugo(Zitieren) (Antworten)
Ich bin sehr traurig über ihren Rücktritt und kann nur hoffen, dass sie in irgendeiner anderen Form sich politisch so einbringen kann wie bisher. Meine Meinung dazu, warum diese Verfehlung so genüsslich in den Medien ausgewalzt wurde, habe ich in meinem Blog geschrieben.
eule70(Zitieren) (Antworten)
manueller Pingback: http://www.rorkvell.de/news/2010/Margot_Kaessmanns_Ruecktritt.html.de
Siegfried(Zitieren) (Antworten)
@Siegfried: Guter Artikel Siegfried! Danke für den Link. Allerdings finde ich ihre Entscheidung doch richtig. Bestimmt hätten viele Menschen ihr diesen Fehltritt nicht nachgetragen, aber sie hätte sich aufgrund ihres Naturells schwer damit getan, die Belastung aus dem Kopf zu kriegen. Umso mehr hat sie meine Bewunderung für diesen konsequenten Entschluss, an dem sich (insofern hat Schwarz vielleicht ja auch recht) viele Männer ein Beispiel nehmen könnten. Es gibt Männer, die Menschen im Suff getötet haben und dennoch in der Politik “ihren Mann” gestanden haben. Und das meine ich keineswegs bewundernd.
ap(Zitieren) (Antworten)
Noch ein interessanter Link dazu: http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/02/die-ihnen-ans-beffchen-wollen.html
Roberto J. De Lapuente beleuchtet das aus einem ganz anderen Blickwinkel, aus der Sicht eines Linken, der von Christus und von Moral Nichts hält. Der Zusammenhang mit meinem Artikel ist subtil, aber vorhanden.
Siegfried(Zitieren) (Antworten)
@Siegfried: Nee, Siegfried. Von solchen “Verschörungstheorien” halte ich rein gar nichts. Ich glaube nicht, dass bei Käßmanns Entscheidung jemand nachgeholfen hat. Außerdem finde ich es geradezu abstoßend, dass man ihre Entscheidung nun versucht in dieser Form umzudeuten. Allein das Streuen solcher Gerüchte schadet ihrer Integrität. Und das hat sie nun wirklich nicht verdient.
ap(Zitieren) (Antworten)
Nun ja, ich behaupte ja nicht, dass Lapuente Recht hat. Dazu kenne ich Frau Käßmann nicht gut genug.
Aber er beleuchtet das, was aus vielen Ecken jetzt hervorkriechen wird. Und in einem Punkt hat er vielleicht sogar Recht. Ich weiss nicht, was Frau Käßmann von der Kanzel gepredigt hat. Aber sollte das in die Richtung gehen, die Lapuente andeutet, dann…
Um es mal krass übertrieben auszudrücken: Man kann von der Kanzel predigen: “Das ist der Maßstab. Ich bin Euer Vorbild, ich mache das richtig. richtet Euch nach mir”. Oder man kann predigen: “Das ist der Maßstab. Ich bin genau wie Ihr und mache Fehler. Deshalb brauche ich Vergebung. Und deshalb weiss ich, wie wichtig Gottes Maßstab ist.”
Lapuente kehrt das hervor, was Viele jetzt denken werden: Von der Kanzel predigt sie Moral, aber selber… (von seinen Verschwörungstheorien halte ich allerdings auch Nichts).
Wenn da was dran ist mit der Dissonanz zwischen eigenem Anspruch und der Wirklichkeit, wenn sie also ihre Aufgabe mit Hilfe der eigenen Autorität durch moralische Perfektion nachgehen will, dann ist ihr Rücktritt, wie Du schreibst, eine honorable richtige Entscheidung. Ich finde nur, dass es nicht ihre Aufgabe ist, ihre eigene Moralvorstellung durch ihr eigenes Vorbild zu predigen. Sie soll Christus predigen (und damit meine ich durchaus, indem sie sich politisch einmischt). Die Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit könnte den Blick wieder auf das Wesentliche richten. Und als moralisches Vorbild ist nicht sie das Wesentliche, sondern Christus.
Ich gebe allerdings zu, dass diese Sichtweise für einen Nichtchristen schwer bis gar nicht nachvollziebar ist
Siegfried(Zitieren) (Antworten)
@Siegfrid: Ich habe nun schon eine ganze Menge zum Fall Käßmann gelesen – sowohl an “offiziellen” Artikeln als auch an Leser-Kommentaren. Und merkwürdig, alle haben diesen extrem wichtigen Punkt nicht getroffen, den Sie endlich ansprechen. Nämlich den Unterschied zwischen Botschaft und Botschafter. Sosehr sich Christen darum mühen sollten, ein Vorbild zu geben, so sehr sollte man aber auch klar machen, dass sie nicht das Vorbild sind. Ich frage mich oft, warum es offenbar so schwer zu begreifen ist, dass eine Botschaft nicht automatisch dadurch diskrediert wird, dass der Überbringer der Botschaft vielleicht nicht über noch den allerletzten Zweifel erhaben ist. Das Interessante am Christentum sind nicht die Christen – sondern Christus.
alexhuber(Zitieren) (Antworten)
@alexhuber: Nun ja, dieser Punkt ist nur für Christen extrem wichtig. Für Nichtchristen, die mit Christus Nix anfangen können, ist dieser Aspekt a) irreleveant und b) unverständlich. Das sollte man berücksichtigen. Was mich aber nicht daran hindert, diesen Punkt trotzdem auf den Tisch zu legen
In einem Punkt muss ich Dich allerdings ergänzen. Es ist zwar richtig, das das _Wesentliche_ am Chritentum nicht die Christen sind, sondern Christus. Aber die Christen sind sozusagen sein Aushängeschild. Insofern gibt es schon eine Vorbildfunktion. Nur bedeutet andererseits diese Vorbildfunktion nicht die moralische Perfektion, sondern eher das offene und ehrliche Eingestehen der eigenen Fehlbarkeit und der Notwendigkeit der Vergebung. Das soll Deine Aussage nun nicht widerlegen, sondern nur in einem wichtigen Punkt ergänzen. Nicht, dass da Missverständnisse entstehen.
Siegfried(Zitieren) (Antworten)
@Siegfried: Völlig d’accord.
alexhuber(Zitieren) (Antworten)
sie hätte nicht zurücktreten sollen! eine ehrliche Erklärung abgeben und fertig. So was sollte nicht passieren, ist aber nun mal menschlich!
psychoMUELL(Zitieren) (Antworten)