Unsympathischer als die notorischen Rheinländer?

David Harnasch lebt in Berlin und Freiburg, also weit weg von Köln. Dafür bin ich echt dankbar! Nicht nur wegen seiner Kritik am Karneval, speziell am rheinischen. Möglich, dass ich von diesem Harnasch schon den einen oder anderen Text zu viel gelesen habe. Ich erinnere mich nicht, dass mal einer dabei gewesen wäre, der mir gefallen hätte.

Jetzt frage ich mich, woher Herr Harnasch den Rheinländer so gut kennen mag, dass er ihn in seinem beschissenen Beitrag als so unsympathisch beschreibt. Ich könnte mir vorstellen, dass er das eine oder andere Wort mit einem anderen erklärten Freund des Rheinländers gewechselt hat. Schließlich schreibt der auch für die “Achse des Guten”. Henryk Broder hat mal eine Weile in Köln gelebt und das scheint ihm nicht bekommen zu sein. Jedenfalls habe ich in seinen Texten so einen oder anderen Vorbehalt gegen die Stadt gelesen, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Kleine Kostprobe gefällig?

Wie hässlich Köln wirklich ist, merkt man erst, wenn man dort eine Weile nicht gewesen ist. Die Metropole der rheinischen Heiterkeit ist nämlich nicht nur hässlich, sie ist dynamisch hässlich. Das heißt, sie wird immer hässlicher. Eine Zumutung für das Auge, ein paar Straßen in Lindenthal und die Gegend rund um den Volksgarten mal ausgenommen.
Quelle: Hässlich, hässlicher, am hässlichsten – Köln am Rhein

Der Ordnung halber will ich anfügen, dass ich Broders Texte grundsätzlich schätze, auch wenn ich nur selten inhaltlich mit ihnen einverstanden bin.

Wenn ich Harnaschs “Kritik” über den dummen Karneval lese kommt mir die Galle hoch. Und das, obwohl ich den Artikel, der übrigens schon im Jahr 2009 produziert wurde (s. Abspann des Filmchens) erst heute, reichlich lange nach Karneval, zufällig in Jans Empfehlungen gefunden habe. Vielleicht hat Harnasch seine Konserve im letzten Jahr ja schon mal bei Cicero TV angebracht. Steter Tropfen höhlt bekanntermaßen den Stein.

Ich kann die verstehen, die es mit Karneval nicht so haben. Und auch die vielen Fernsehübertragungen sind einfach des Schlechten zu viel. Insbesondere diesen Teil der Kritik (an der Zahl der Fernsehübertragungen) kann ich nachvollziehen und finde ihn berechtigt. Harnasch geht allerdings in dem Moment zu weit, wenn er ganze Landsmannschaften als unsympathisch und dumm bezeichnet. Und das deshalb, weil es Menschen gibt, die am Karneval teilnehmen. Noch ärgerlicher ist, dass Harnasch sich nicht scheut, dieses Brauchtum in die braune, antisemitische Ecke zu stellen. Ihm geht es doch um den Hinweis darauf, dass im Dritten Reich auch der Karneval nicht vor dem Zugriff der Nazis sicher war, sondern ausschließlich darum, mit seinem Geschwätz die zu Munitionieren, die ähnliche Vorbehalte gegen Karneval haben. Harnasch mag seine Gründe dafür haben, Karneval nicht zu mögen. Aber er kann Köln und das Rheinland meiden und außerdem weiß er hoffentlich, wo der Aus-Knopf an seinem Fernsehgerät ist.

Ich mag übrigens keine Volksmusik. Aber ich versuche deshalb nicht, daraus eine Nähe zur  braunen Vergangenheit herzustellen.


Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    Ei wei Horst – heut hastes aber wieder. Erst die Katholiken, dann der Guido, dann die liebe Verwandtschaft und jetzt der Harnasch…

    Lies doch auch mal wo drüber weg, oder klick einfach weiter. Denk einfach: der Harnasch ist ein A* – und gut is. :-) Aber dann wärste ja nich mehr unser Horst – du mußt dir einfach über alles Gedanken machen – glaub mir, manchmal ist ein gewisses LmA-Gefühl besser… :blume:

  2. Siegfried meint:

    Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das dürfte für Hässlichkeit genauso gelten. Daher kann man davon ausgehen, dass die Rants eines Herrn Harnasch über Kölln mehr über Herrn Harnasch aussagen als über Kölln.

    q.e.d.

  3. ap meint:

    @Siegfried: Amen.

    @JürgenHugo: Jürgen, natürlich könnte ich das überlesen. Aber wozu hätte ich denn dann den Blog? :-)