Ich bin auch geprügelt worden

Die Behörden müssen vielen Fällen von Missbrauch in katholischen Einrichtungen nachgehen. Hoffentlich werden die Täter, sofern sie noch leben, zur Rechenschaft gezogen. Mir macht es aber Probleme, die katholische Kirche in eine Ecke gedrängt zu sehen, in die sie in meinen Augen nicht gehört. Den Grund für meine Probleme kann ich nicht so richtig erklären, aber es wird von Tag und Tag schlimmer. Meine Aversion gegen die Berichterstattung in unseren Medien wächst gleichermaßen.

Auch ich hätte eine Reihe verschiedener Gewalterfahrungen aus meiner Schulzeit zu bieten. Die waren längst verdrängt vergessen und wurden nun, durch die investigative Berichterstattung unserer Medien, wiedererweckt. Wen kann ich jetzt dafür haftbar machen? Es war eine katholische Hauptschule. Also wäre der Fall ja klar.

Soll ich mich an die Presse wenden oder selbst den Namen meiner Schule, sofern dieser in meinen sozialen Netzwerken nicht erscheint, bekannt geben? Muss ich vielleicht sogar Zeitzeugen benennen?

Obwohl ich ein schüchterner, braver Schüler war, habe ich Ohren langziehen, Ohrfeigen (mit Schmackes) und Kopfnüsse am eigenen Körper erfahren dürfen. Das war, wie sich vermutlich einige Zeitzeugen erinnern, in den 60ern Gang und Gäbe. Für Fehlverhalten setze es was. Die Prügelstrafe war noch nicht abgeschafft. Ich habe miterlebt, wie in meiner Klasse einem Jungen ein Zahn ausgeschlagen wurde – und zwar von einem Lehrer. Ein anderer Schüler wurde, auch von einem Lehrer, mit Fäusten traktiert, ein anderer mit einem Bambusrohr der Arsch verhauen. Das war alles überhaupt nicht witzig, wenngleich es sich, vor allem, wenn man es mit großem zeitlichen Abstand im Freundeskreis zum besten gibt, ein bisschen nach den “Lümmeln von der ersten Bank” anhören mag.

Wollen die Jahrgänge ihre Prügelerfahrungen jetzt an die Öffentlichkeit bringen oder sind nur die erwünscht, die in den Einrichtungen der katholischen Kirche passiert sind?

Kommentare

  1. JürgenHugo meint:

    Also – ich bin in der Schule nie gehauen worden! Obwohl ich ja noch ein klein wenig älter bin als du. Das war aber eine gemischte Schule – Jungen und Mädchen, Katholiken und Protestanten. Ein paar reformierte gabs auch. Man hat das natürlich gewußt, wer was ist – das war aber nie ein großes Thema. Der Religionsunterricht war halt getrennt.

    Aber jetzt zu was anderem: “Mir macht es aber Probleme, die katholische Kirche in eine Ecke gedrängt zu sehen, in die sie in meinen Augen nicht gehört

    Ja, lieber Horst – wer hat die denn da wohl reingedrängt? Bzw. – drängen brauchte die niemand – DIE haben sich da schön selber reingestellt! Gewalt war der Kirche noch nie fremd – Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Indianer wurden entweder bekehrt oder totgeschlagen – und so weiter. Es soll ja sogar in jüngerer Zeit noch Teufelsaustreibungen gegeben haben. Aber sonst sind das alles liebe Menschen da – sicher doch…

    Grad heute hab ich noch im Fernsehen gesehen, als so ein “höherer” Katholik im Klostergewand gesagt hat, wie furchtbar leid ihm das tut, das Kinder in Klosterschulen mißhandelt wurden. Und daß er selber da mitgeprügelt hat – das hat ihm noch mehr leid getan. Fast hätte man ihn trösten wollen , den Armen…

    Für mich sind das Verbrecher, Kriminelle. Das gehört genau so verfolgt wie Kinderpornografie. Vielleicht ist das sogar noch schlimmer, weil ein riesiger Vertrauensvorschuß mißbraucht wird.

  2. ap meint:

    Vielleicht ist das sogar noch schlimmer, weil ein riesiger Vertrauensvorschuß mißbraucht wird.

    Ich verstehe deine Meinung. Gerade auch unter diesem Aspekt. Und doch kann ich mich damit nicht abfinden. Komisch. Und ich kann es auch nicht wirklich erklären. Wahrscheinlich bin ich ein vermurkster Katholik.