Westerwelles Souveränität oder Anzug allein reicht nicht

Zickenalarm! Die 5. Macht im Staate scheint sich gegen Westerwelle verschworen zu haben. Kein gutes Haar lässt die Presse an ihm. Es riecht allenthalben nach Kampagne. Und was tut Westerwelle? Er zickt rum. Das wiederum kommt in der Öffentlichkeit nicht gut an und führt dazu, dass seine Sympathiewerte immer schlechter werden. Und die sind ja bekanntlich schon jetzt nicht gut. Er schafft nicht annähernd die Sympathiewerte seiner Vorgänger. Und das in diesem Amt. Das erklärt vielleicht ein bisschen die Dünnhäutigkeit, mit der Westerwelle auf die Kritik dieser Tage reagiert. Aber das wird ihm nicht helfen, im Gegenteil.

Sprüche, die Guido Westerwelle als Oppositionspolitiker häufig “abgesondert” hat, stoßen jetzt vielen unangenehm auf und zwar durchaus nicht nur politischen Gegnern. Aber er tut so, als ficht ihn die Kritik nicht an. Dabei merkt wirklich jeder an seinen Reaktionen, dass das Gegenteil der Fall ist:

Westerwelle geht davon aus, dass die Kritik sich auch daran entzündet, dass er als Außenminister sich für deutsche Unternehmen einsetzt. In anderen Ländern sei es ganz selbstverständlich, dass sich der Außenminister für die heimische Wirtschaft engagiere, in Deutschland müsse man sich erst daran gewöhnen, sagte er der «Wirtschaftswoche» (Montag). «Der linke Zeitgeist hält Geschäftemachen für fragwürdig. Die Gesellschaft muss sich daran gewöhnen, dass das künftig anders ist.»
Quelle: FDP: Westerwelle-Kritik «durchsichtiges Spektakel» – sueddeutsche.de

Natürlich! Der linke Zeitgeist ist es. Er verstellt uns der Blick auf das Wesentliche. Und das ist Geldverdienen. Das ist die kleine liberale Welt des Guido Westerwelle und seiner Mitstreiter.

Herr Westerwelle sollte sich allmählich eingestehen, dass die Wahl seiner Partei in die Regierung von vielen Menschen als Fehler erkannt wurde. Jedenfalls, wenn man die Umfragen der letzten Zeit anschaut. Die Große Koalition als Entsatz für diese Chaotenkoalition, die sich nie einig ist und die für unser Land noch weniger erreicht als es die Große Koalition vermochte? Was für ein Armutszeugnis!

Mit der Einsicht der politischen Gegner muss Westerwelle nicht rechnen. Derweil sorgen die Medien dafür, dass das Feuer der öffentlichen Meinung lodert. Hexenjagd ist angesagt. Mal sehen, wie das weitergeht.

Lästerwelle über Westerwelle.

Hier ein paar Kostproben der jüngsten Zeit:

Sicher, der FDP-Chef hat sich in den ersten Wochen und Monaten seiner Amtszeit streberhaft bemüht, nichts falsch zu machen, Tritt zu fassen, Eindruck zu schinden, eine Verwandlung zu vollziehen, vom oppositionellen Angreifer zum Staatsmann. Seine Antrittsbesuche in Polen wie in Israel, das alles hat er entsprechend glanzlos aber fehlerfrei absolviert. Ein wenig nervös schien er, aber gefasst.
Quelle: Kritik an Westerwelle: Völlig losgelöst! – Politik | STERN.DE

Außenpolitik ist keine Kunst, sondern ein Handwerk, das man erlernen kann. Allerdings kostet dies Kraft, Konzentration und den ernsthaften Willen, es lernen zu wollen. Doch Westerwelle ist nur Teilzeit-Minister, viel Kraft und Konzentration fließen in sein Amt als Vizekanzler, das er eindeutig innenpolitisch definiert, und als FDP-Vorsitzender, das naturgemäß parteipolitisch ist. So bereitet ihm der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen manchmal mehr Sorgen als der Konflikt mit Nordkorea. So liegt ihm Bielefeld näher als Brüssel. So ärgert er sich eher über Horst Seehofer als über Benjamin Netanjahu.
Quelle: Leitartikel: Minister mit halber Kraft | Frankfurter Rundschau – Meinung

Dass die Ehe- oder Lebenspartner den Außenminister begleiten, ist möglich – üblich war es in der jüngeren Vergangenheit aber nicht: Joschka Fischer wurde von seiner Frau nur zwei Mal auf offiziellen Reisen begleitet, Frank-Walter Steinmeier drei Mal. Mronz war bisher auf jeder Außenminister-Reise Westerwelles dabei. An der nächsten große Reise, sie führt im April nach Südafrika, will er nach eigenen Angaben nicht teilnehmen.
Quelle: FDP-Chef in der Kritik: Westerwelles abenteuerliche Reisen | Politik | ZEIT ONLINE

Den Außenministern fällt es schwerer als früher, den Sinn ihrer Auslandsreisen zu erklären – zu kommunizieren, wie das heute genannt wird. Westerwelle hat darunter zu leiden. Er ist der erste deutsche Außenminister neuerer Zeit, der in den Beliebtheitsskalen der Umfrageinstitute nicht ganz oben steht. Nun kommen Berichte dazu, die Beamten des Auswärtigen Dienstes seien unzufrieden, wollten die Berliner Zentrale verlassen und lieber im Ausland Dienst tun. Abermals musste etwas bestritten werden.
Quelle: Umstrittene Reisebegleiter: Westerwelles Desaster – Hintergründe – Politik – FAZ.NET

Schwerer wiegt es, dass einige FDP-Politiker behaupten, die Westerwelle-Kritiker seien schwulenfeindlich. Die Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin und der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, beschuldigen SPD-Politiker, Vorbehalte gegen Homosexuelle zu schüren, wenn sie über die Motive der Mronz-Mitreise mutmaßen. Das scheint auch Westerwelles Sicht der Dinge zu sein, zumindest widerspricht er seinen Parteikollegen nicht.
Quelle: FDP: Kritik an Westerwelle-Kritik – Sexuelle Orientierung als Pseudo-Problem – Politik – sueddeutsche.de


Kommentare

  1. Sven meint:

    Ich mag ihn nicht, ich mochte ihn vor der Wahl nicht, ich mag ihn nach der Wahl nicht und ich werde ihn auch vor der nächsten Wahl nicht mögen.

  2. ap meint:

    @Sven: Ach, Sven. Du gehörst also auch zu denen? Schäm dich. Aber wenigstens bist du nicht allein.

  3. Sven meint:

    @ap: Nö dafür Schäme ich mich nicht, ich muss nicht jeden leiden können und das liegt nicht an der Parteizugehörigkeit. Es gab auch schon FDP Politiker die ich gut fand, auch wenn ich die FDP nie wählen würde.

  4. ap meint:

    @Sven: Sehe ich auch so. Ich kenne auch einige SPD-Politiker, die ich nicht vor den Augen sehen mag. Trotzdem wähle ich die Partei (immer noch). Schande über mich.

  5. Sven meint:

    @ap: Dafür solltest du dich jetzt aber schämen ;-) Aber ich habe bis auf die letzte Wahl, auch immer SPD gewählt.

  6. JürgenHugo meint:

    Ich hab ja immer schon gesagt: “Der Guido ist ein Dödel”.

    Muß ich meine Meinung “gaanich” ändern! So! Und jetzt schalt ich den Comp aus und guck Fernsehen. Auch “So”! :-)