Wahrheit, Lüge, Manipulation

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RTL ist auch nichts heilig.

Herr Jauch hatte gestern (wieder) einige Opfer priesterlicher Übergriffe in der Sendung, die ihre aktuellen Erfahrungen mit der katholischen Kirche vortragen durften.

Ich stehe der Hochkonjunktur des Kirchen-Bashing kritisch gegenüber und frage mich, ob die als Opfer präsentierten Menschen wirklich Opfer sind oder, wie andere, die in solchen Sendungen auftreten, Leute mit eigenen bzw. speziellen Motiven. Nehmt mir meine Skepsis nicht übel, aber diese ist nach meiner Überzeugung angebracht – auch in diesem Fall.

Im Anschluss an diesen Beitrag kam Jauch mit einer Geschichte, die sich in den Augen der Redaktion von “Stern TV” wohl geradezu aufgezwungen hat. Der italienische Professor für Chemie, Luigi Garlaschelli, behauptet, einen Nachweis dafür erbringen zu können, dass das “Turiner Grabtuch” eine Fälschung ist. Er ist nicht der Erste, der das behauptet. Ich verweise auf den umfangreichen Artikel in der Wikipedia.

Unsere Medien haben Gefallen daran gefunden haben, die Kirche, vornehmlich die katholische, zu jagen, zu stellen und vorzuführen, wo immer es geht. Inzwischen stehen Benedikt XVI, sein Bruder, Mixa oder nun das “Turiner Grabtuch” als Bestandteile eines in seinen Grundfesten beschriebenen großen Lügengebildes da. Die Presse kritisiert Bischof Zollitsch dafür, dass er eine Entschuldigung der Deutschen Bischofskonferenz vom Blatt abliest und bestreitet aufgrund dessen, die Glaubwürdigkeit des Mannes.

Ich höre, wie Leute über meine Kirche sprechen und ihre Austritte begründen. Er sei ohnehin längst überfällig gewesen. Nur zum Teil kann ich die Empörung und Reaktion verstehen. Zumal die Vorwürfe total durcheinander gehen. Zuerst war von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen die Rede, dann von seelischen und körperlichen Misshandlungen. Längst sind diese Dinge so miteinander vermischt worden, dass man fast zwangsläufig misstrauisch wird. Mir geht das jedenfalls so!

Jeder, der vom Dorfpfarrer mal eine geknallt bekommen hat, scheint ein geeigneter Zeuge. Auch oder gerade dann, wenn die Tat 30 oder 40 Jahre zurückliegt.

Keiner von uns vermag mehr ernsthaft zu beurteilen, welche Vorwürfe an “die Kirche” berechtigt und in welchen Zusammenhang diese “einzuordnen” und zu ahnden sind. Können wir überhaupt noch unterscheiden zwischen Wahrheit und Lüge?

 

Foto: Wikipedia

Kommentare

  1. Andreas meint:

    Ich bin seit Jahrzehnten Agnostiker, tendenziell Atheist, und ich habe mich nicht an dem “Bashing” – für das ich es tatsächlich nicht halte – nicht beteiligt. Ich bin realistisch genug, zu wissen, dass es statsistisch in der Kirche ebensoviele Übergriffe geben wird, wie in anderen Teilen der Gesellschaft auch. Priester sind – auch wenn es die Kirche nicht wahrhaben will – auch nur Menschen. Vor allen Dingen mit sexuellen Gelüsten.

    Besonders schlimm an den statistisch nicht verwunderlichen Übergriffen ist für mich lediglich, dass sie gerade doch in der Organisation vorkommen, die die Moral wie eine Fahne vor sich herträgt und ihr Geld mit der Moral verdient.Und mit der Angst der Menschen vor Verfehlungen. *Und* dass dann auch noch von diesen Moralaposteln die ganzen Geschehnisse unter den Teppich gekehrt, ja sogar nachträglich verharmlost werden. Das geht gar nicht und bestätigt mich nur weiter in meinem Glauben.

    Glaube, Religion und Kirche sind drei grundverschiedene Dinge. Und ich habe mit der Kirche nichts am Hut, gehöre keiner Religion an und mein Glaube geht niemanden was an. Exakt letzteres ist das, was sich alle Katholiken, Evangelen, Moslems, Juden, Zeugen Jehovas und was es sonst noch so alles gibt, ganz dick auf die Tafel schreiben sollen. *Dann* wäre die Welt ein besserer Ort.

  2. Horst Schulte meint:

    Das kann ich voll unterschreiben, Andreas. Und das, obwohl ich Mitglied in dem Verein bin. Schade nur, dass du nichts zum Umgang mit dem Thema in den Medien geschrieben hast.

  3. Andreas meint:

    Die Medien sind die Medien. Die wollen schon seit Langem nicht mehr informieren, sondern Geld verdienen. Geld verdient man aber in der Regel nicht mit aufwändig recherchierten und fundierten Artikeln oder – besonders wichtig in unserer schnelllebigen Husch-Husch-Zeit – alten Themen. In Äthopien verhungern immer noch Kinder, es werden immer noch Seerobbenbabys getötet, immer noch gibt es Überschwemmungsopfer in Indien … aber das sind alles Themen, die schon durch sind. “Die Kirche” war in der Form noch nicht da. Also wird es jetzt durchgekaut.

    Und ich bin auch der Ansicht, dass das noch gut ist. Ich glaube nicht, dass die Menschen die sich jetzt melden alles Trittbrettfahrer oder Wichtigtuer sind. Und ich finde auch dass “Irgendwann mal eine vom Pastor geschallert bekommen” nicht in Ordnung ist. Insofern verhalten sich die Medien im Moment eigentlich wie bei jedem anderen Thema auch. Das wird ausgelutscht bis nichts mehr da ist und dann ist – leider – die nächste Sau dran, die durch’s Dorf getrieben wird.

  4. Karsten meint:

    Vermutlich stehen wir alle drei da sehr dicht beieinander.
    Ich persönlich halte die katholische Kirche für einen verlogenen, intriganten Haufen, der mehr an seinen eigenen Machterhalt denkt als an die Verbreitung der Botschaft Jesu Christi. Mir ist das eigentlich egal, weil diese Botschaft sich schon so weit verbreitet und so sehr in das Bewusstsein von Milliarden geschoben hat, dass die Kirche nicht mehr nötig ist.
    Insofern sollte ich von der aktuellen Medienhatz begeistert sein, vor allem, da es zur Zeit diesen Herrn Mixa erwischt, der für mich eine der unangenehmsten Personen in dem gesamten Verein ist.
    Bin ich aber nicht. Weil es eine der immer häufiger werdenden dümmlichen Kampagnen ohne Maß und Inhalt ist, die mich sehr ärgern. Und was dieses Ärgernis angeht, unterstütze ich Deinen Beitrag sehr, Horst.

  5. Rayson meint:

    Ein sehr guter Beitrag. Ich kann auch den meisten Kommentatoren hier recht geben, obwohl ich z.B. Karstens Urteil so pauschal nicht unterschreiben würde (die römisch-katholische Kirche ist trotz aller demonstrativ herausgekehrter Hierarchie meistens auch nur das, was die Menschen vor Ort draus machen, und das ist IMHO auch ganz im Sinne Christi).

    Schlimm sind die Vertuschungsversuche, aber der “Missbrauch”, der als ein Begriff für viele verschiedene Delikte eigentlich untauglich ist, hat mehr mit Gelegenheit zu tun als mit Religion.

  6. Andreas meint:

    @rayson Aber genau da macht doch Karsten den Unterschied: er hält “die katholische Kirche für einen verlogenen, intriganten Haufen” und widerspricht damit nicht Deinem “der “Missbrauch”, der als ein Begriff für viele verschiedene Delikte eigentlich untauglich ist, hat mehr mit Gelegenheit zu tun als mit Religion” und auch nicht mit dem, was ich sage. Glaube, Religion und Kirche … drei grundverschiedene Dinge. Ich vermute sogar – und das ist jetzt wirklich nur eine Meinung und durch nichts belegt – dass viele Priester und Pastoren gar nicht richtig an das glauben, was sie predigen. “Wasser und Wein” war ja früher schon passend.

  7. Rayson meint:

    @Andreas

    Dass Karsten Glaube, Religion und Kirche trennt. ist mir klar. Aber selbst “Kirche” ist nicht das, was die Medien draus machen. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Ratzinger, nicht “Opus Dei”, nicht Kardinal Meißner, nicht die Bischöfe Meier oder Mixa, sondern das Engagement vor Ort vieler Tausender Pfarrer, Mönche, Nonnen und Laien überall auf der Welt.

    Die einen tauchen im Fernsehen auf, die anderen nicht. Das ist ein fast sicheres Indiz für wahre Bedeutung.