
"Meine unmittelbare Reaktion, meine ‚Betroffenheit‘ nach dem Abschuß von Buback ist schnell geschildert: Ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen. Ich habe diesen Typ oft hetzen hören. Ich weiß, daß er bei der Verfolgung, Kriminalisierung, Folterung von Linken eine herausragende Rolle spielte."
Quelle: Göttinger Mescalero – Wikipedia
Die ZDF-Reporter brachten heute Abend einen Beitrag über starke die Zunahme linksextremer Gewalttaten. Der Beitrag ist in der Mediathek nicht vorhanden – komisch. Die Sendung beginnt mit dem ebenfalls interessanten Beitrag über Pro NRW. In 2009 wurden von rechten Gewalttätern 10.000 Straftaten mehr begangen als von linken. Erbsenzählerei? Ja. Gewalt ist Gewalt und den meisten Menschen wird es wohl egal sein, welche politische Motivation sich dahinter verbirgt. Was mich allerdings stört ist die Art und Weise, wie solche Nachrichten selbst in unseren Qualitätsmedien manipuliert werden.
Wie verträgt sich die Aussage in dieser Sendung denn nun eigentlich mit den Tatsachen? Lehmann zeigt in seiner Sendung zwar dankenswerterweise, was man von den Aktivitäten der im Mai zur Wahl stehenden rechtspopulistischen Partei “Pro NRW” zu halten hat. Er formuliert allerdings in der Anmoderation des Beitrages (bewusst oder unbewusst) so, als sei die rechte Gewalt kein Problem mehr – ganz im Gegensatz zur linken Gewalt. Den Ausschnitt findet ihr in der Mediathek. Richtig ist allerdings, dass linke Gewalt stark zugenommen hat.

In Berlin und Hamburg ist die linke autonome Szene scheinbar außerordentlich aktiv. Im sogenannten Kiez werden willkürlich Autos in Brand gesetzt. Häufig sind es Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse. Sie gehören also Leuten, die man als “Bessergestellte” bezeichnen kann. Diese Vergehen werden deshalb vorwiegend im Kiez verübt, weil die linken Krawaller sich damit gegen eine zweifelhafte Praxis auf den dortigen Immobilienmärkten zur Wehr setzen wollen. Allerdings ist das schon lange ein Thema. Immer wieder wird darüber berichtet. Jetzt auch von den ZDF-Reportern. Der knappe und vor allem preiswerte Wohnraum (jedenfalls nach regionalen Gesichtspunkten) wird von Firmen aufgekauft, die Wohnungen werden renoviert bzw. in teure Lofts etc. umgebaut und dann wieder verkauft. Es gibt Projekte, die auch in dieser Sendung vorgestellt wurden, die mich ein wenig an Westerwelles spätrömische Dekadenz erinnerten, obwohl sie damit nichts zu tun haben. Ein Projekt war besonders schick. Man kann sich mit seinem Auto via Fahrstuhl in seine Wohnetage chauffieren lassen und dann vom Balkon aus (so wirkten die Parkplätze auf den verschiedenen Etagen) direkt in die Wohnung hinüberschreiten. Ehrlich gesagt, das ist wirklich was für Yuppies (gibt es die noch?) oder irgendwelche Spinner, die Geld zu viel haben. Ich kann verstehen, wenn solche Leute sich von solchen Eventimmobilien provoziert fühlen, zumal dann, wenn vielleicht ihr eigener (noch bezahlbarer) Wohnraum immer weniger wird.
Sind wir also inzwischen also so weit, dass wir unserem Sozialneid oder von mir aus unserer Verzweiflung über vorhandene gesellschaftliche Missstände mit Gewaltaktionen gegen Autos und Immobilien Ausdruck verleihen? Wann sterben die ersten Menschen? Die Links-Autonomen, die für solche Aktionen verantwortlich zeichnen sollen, erklären diese damit, dass sie zu ihren Aktionen keine Alternative mehr sehen würden.
Keine Schauspieler-Karriere für Christian Klar?
Wir werden immer älter - so ein Scheiß








Du hast kürzlich mal gefragt, wie man denn etwas anderes behaupten könne als das, was in allen Medien verbreitet werde. Die Antwort ist einfach: Man will nicht lügen.
Das von dir oben gezeigte Bild ist z.B. eine Lüge. Die Balken darunter zeigen nämlich nicht die Gewalt-, sondern die Straftaten insgesamt der beiden Szenen. Wegen der Exklusivität der Propogandadelikte für Rechtsextreme ist da die Zahl naturgemäß immer drastisch höher als bei den Linksextremen: Das Hakenkreuz zu zeigen, ist eine Straftat, Hammer und Sichel (bzw. Zirkel) hingegen dürfen straffrei zur Schau gestellt werden.
Um vergleichbare Zahlen einander gegenüberzustellen, verlangen unsere Qualitätsmedien einige Rechenarbeit. Im Folgenden beziehe ich mich auf diesen Artikel in der ZEIT:
http://www.zeit.de/newsticker/2010/3/23/iptc-bdt-20100323-48-24298104xml
Das ist wohl die Zahl der Gewalttaten insgesamt.
Das ist dann wohl die Zahl der “rechten Gewaltdelikte”. Nach Adam Riese und Eva Zwerg ergibt das für die linken Gewalttaten eine Zahl von 2.085. Demnach wäre das Verhältnis der “rechten” zu den “linken” Gewalttaten eins von 1:2. Finden wir diese Information irgendwo in unseren Medien?
Horst – es ist Ostern – viele Menschen fahren in Urlaub/haben frei. Ich sitz kommod vor dem Computer – und der Horst schreibt nur “Schweres”.
Manchmal denk ich, du suchst dir die Probleme geradezu. Ich sags ganz ehrlich: ICH würd gerne in so einem Loft wohnen. Auch wenn manche das für dekadent halten würden…
@Rayson: Ist ja auch interessant, wie das Chart des ZDF überschrieben ist bzw., dass oben “Straftaten” steht und darunter “xx Gewalt”. Irreführend. Aber operiert wird mit diesen “Ungenauigkeiten” ja wirklich in allen Medien (soweit ich das sehe). Nur ändert die Statistik, egal wie man sie auch betrachtet, nichts an den Auswirkungen, die die Taten für die Betroffenen haben. Wir lesen zwar nur gelegentlich, dass “jede Nacht Autos brennen”, berichtet wird darüber aber nicht täglich, sondern nur dann, wenn das Thema durch irgendeinen Umstand wieder mal auf die Tagesordnung gehoben wurde. Wie beurteilst du also die Entwicklung? Ist das ein Hinweis auf eine generell zunehmende Gewaltbereitschaft (von mir aus der linken autonomen Szene) oder muss man sich Sorgen machen, dass die auch von mir immer beklagten soziale Schieflage in unserem Land dazu beiträgt?
@Jürgen: Du kennst mich doch. Morgen werde ich mal was über die Telekom und Toshiba schreiben – wenn ich Lust habe. Was ich da wieder erlebt habe… Tststs. :zitrone:
@Horst Schulte
Ist das ein Hinweis auf eine generell zunehmende Gewaltbereitschaft (von mir aus der linken autonomen Szene) oder muss man sich Sorgen machen, dass die auch von mir immer beklagten soziale Schieflage in unserem Land dazu beiträgt?
Die Untersuchungen, die ich zu dem Thema kenne, sprechen eine wie auch immer beschriebene “soziale Schieflage” als Ursache für Kriminalität und Gewalt weitgehend frei. Allerdings nimmt trotzdem anscheinend die Gewaltbereitschaft zu. Dafür kann es viele Gründe geben, aber so falsch liegt Heinsohn m.E. nicht.
@Rayson: apropos Heinsohn. Kennst du den Artikel?
http://www.readers-edition.de/2010/03/22/gunnar-heinsohn-und-eine-moegliche-volksverhetzung/
Nein, bis eben nicht, und das war auch gut so. Ich bin nicht scharf auf solche Mischungen aus Lügen, Unkenntnis und absurden Schlussfolgerungen.