Ein solches Ostern hat die katholische Kirche wohl lange nicht erlebt

Die Vorwürfe sind flächendeckend. Ob sich die Ereignisse auf die Besucherzahlen der Ostergottesdienste in diesem Jahr auswirken? Gehen deshalb weniger Gläubige zur Kirche? Wahrscheinlich.

Mich macht die Erklärung Mixas wiederum sehr nachdenklich. Keiner der deutschen Bischöfe, außer vielleicht noch Kardinal Meissner aus Köln, hätte sich für Anschuldigungen besser geeignet, als Mixa. Er fiel mehrfach in der Öffentlichkeit durch kuriose und polarisierende Aussagen auf, die nicht nur mit den Missbrauchsfällen zu tun hatten. Schon deshalb fällt es mir schwer, den 8 Zeitzeugen (von denen 6 eidesstattliche Versicherungen zu ihren Fällen abgegeben haben) “einfach” zu glauben. Zu gut eignet sich Mixa zum Sündenbock. Man kennt das: Politiker fordern bereits Mixas Rücktritt.

Die Kirche muss insbesondere in diesem Fall alles daran setzen, die Vorgänge aufzuklären und dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit über das Ergebnis informiert wird. Mixa sollte, das wäre aus meiner Sicht jedenfalls wünschenswert, sein Amt ruhen lassen. Nur ticken die Uhren in der katholischen Kirche offenbar anders. Dieser Mann denkt nicht einmal daran, er beteuert vielmehr, ein “reines Herz” zu haben. Nicht auszudenken, welchen Schaden er seiner Kirche zufügt, würde er seine Unschuld nicht beweisen können. In seinem Fall muss es doch (außer den Leuten, die sich gegenüber der “Süddeutschen Zeitung geäußert” haben), noch viele weitere Zeugen geben, die Mixa entweder be- oder entlasten können. Die müssen nun zu Wort kommen. Das muss eine Untersuchung leisten wollen und können!

Mixa erteilte jeder Form von körperlicher Gewalt in Erziehung und Kirche eine Absage. "Gewalt und Priestertum sind in unserer Kirche und mit unserem Glauben unvereinbar. Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten. Deshalb habe ich zu den Vorwürfen, die aktuell gegen mich erhoben werden, ein reines Herz", sagte Mixa.
Quelle: Prügelvorwürfe gegen Bischof Mixa – ”Ich habe ein reines Herz” – Politik – sueddeutsche.de

Ich kann es mir nicht verkneifen: Ich muss einen Teil meiner Erinnerung an meine Schulzeit noch einmal ansprechen. Wir hatten einen (längst verstorbenen) Dechanten in unserer Schule, der eine große Autorität hatte. Religionsunterricht war nicht sonderlich beliebt aber Störungen, etwa derart, von der mir meine Frau in ihrer Klasse erzählt hat, gab es bei uns nicht. Vielleicht war das auch deshalb so, weil zur damaligen Zeit (Anfang bis Ende der 60er Jahre) körperliche Züchtigung noch als probates Mittel galt und auch von Pfarrern angewendet wurde. Auch ich kann ich an Beispiele erinnern. Meine Schulzeit liegt etwas vor der Zeit, zu der sich die Dinge zugetragen haben sollen, die Mixa nun zur Last gelegt werden.

Vielleicht war es so, dass Mixa sich in den 70er und 80er Jahren ähnlich verhalten hat, wie meine Religionslehrer? Ich möchte niemandem etwas schlechtes unterstellen, aber ich kaufe solche Erklärungen nicht einfach, selbst wenn sie an Eides statt abgegeben wurden.

Die Kirche sollte dafür sorgen, dass diese Vorgänge nachhaltig aufgeklärt werden und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen.


Kommentare

  1. Ich habe lange überlegt, zu dem Thema zu bloggen. Ich habe bis jetzt davon abgelassen, weil ich das Thema, das mit den weitaus schwereren Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs begonnen hat, nicht recht greifen kann.
    Fakt ist, daß die Prügelstrafe bis weit in die 60er Jahre in Schulen, Heimen/Internaten erlaubt war (in Bayern wurde sie erst 1980 aus der Verfassung gestrichen). Georg Ratzinger hat sich immerhin dazu bekannt, die Vorstellung, daß andere (namhafte) Priester in diesen Zeiten darauf verzichtet haben wollen, fällt mir schwer.

    Mir geht es gar nicht um Namen, aber ich denke für die Aufbereitung und Richtigstellung der Nachkriegsgeschichte ist es wichtig, daß diese Sachen ans Licht kommen. Ich gebe an der Stelle zu bedenken, daß einige Protagonisten der RAF theologische Wurzeln hatten…

    Wichtiger ist aber, daß die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs aufgeklärt werden. Und die gab es nicht nur in kirchlichen Einrichtungen.

  2. Horst Schulte meint:

    Das Thema beschäftigt mich schon sehr. Ich finde auch, dass man den Unterschied zwischen dem Missbrauch von Kindern und den gewalttätigen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche unterscheiden muss. Aber in der Presse wird das leider nicht oder zumindest nur unzureichend getan.

    Den Zusammenhang, den du beschreibst, habe ich noch nicht gesehen. Dass Gudrun Ensslin die Tochter eines Pfarrers war wird doch wohl nichts mit ihrer “Karriere” zu tun gehabt haben?! Oder denkst du das etwa? Wenn man diesen Gedanken konsequent fortführt, müsste man am Ende Mixa noch recht geben, der die 68er für sexuelle Übergriffe auf Kinder verantwortlich machen wollte. Ich glaube nicht, dass wir eine solche Debatte wirklich brauchen.

    Anders verhält es sich, wenn es um die Aufklärung der Vorgänge an katholischen Instituten geht. Dabei sollte die Kirche unbedingt mithelfen und nicht, wie bisher, mauern auf Teufel komm raus. (Sorry für dieses Bild).

  3. Stefanie meint:

    Hallo Herr Schulte,

    danke für den sehr interessanten Beitrag. Ich muss ihnen in fast allen Bereichen zustimmen – ich denke auch, dass die Kirche hier schnellst möglichst Licht ins Dunkle bringen sollte. Allerdings stell ich mir das auch sehr schwierig vor – wer spricht schon gerne über solang zurück liegende Untaten?
    An eine bewusste Unterstellung der 8 Zeitzeugen glaube ich allerdings nicht – dafür ist der Vorwurf einfach viel zu groß und was hätten sie davon? Wenn seine Unschuld bewiesen werden kann, dann steht man selber ja gleich ganz schlecht da….

    Gruß Stefanie

  4. Dass Gudrun Ensslin die Tochter eines Pfarrers war wird doch wohl nichts mit ihrer “Karriere” zu tun gehabt haben?! Oder denkst du das etwa? Wenn man diesen Gedanken konsequent fortführt, müsste man am Ende Mixa noch recht geben, der die 68er für sexuelle Übergriffe auf Kinder verantwortlich machen wollte.

    Ich habe mich wohl undeutlich ausgedrückt.
    Mein Gedanke ist, daß eben auch Pastorenkinder Gewalt, die nicht rein physisch ausgeübt werden musste, erfahren haben können. Wenn man die Nachkriegsjahre, die Du noch eher mitbekommen hast als ich in den 70ern Geborener, etwas näher betrachtet, müsste man die Mixa’sche Betrachtungsweise umkehren. Mit den 68ern kam das zum Ausdruck, was deren Elterngeneration verbockt hat.
    Und das hat nicht nur mit der Kirche zu tun. Aber die Kirche steht wohl auch stellvertretend für diese Zeit…