Respektieren wir die Entscheidungen unseres Parlaments, oder stellen wir uns dumm?

Quelle: The U.S. Army
Nur dass wir uns nie willentlich und bewusst in diesen Krieg begeben haben, in dem wir uns nun befinden. Nur dass wir immer erst hinterher erfahren, warum die Situation eskaliert ist. Und dass wir inzwischen niemandem mehr glauben, der uns etwas vom Krieg erzählt.
Quelle: hr2 der tag | Glaubwürdigkeit wird am Hindukusch verloren – Deutschlands Krieg in Afghanistan on Huffduffer
Auch der verlinkte Hörfunk-Beitrag von HR2 sind beachtenswert. Nur frage ich mich, ob Korbinian richtig liegt, wenn er sagt, dass wir uns nie willentlich und bewusst in diesen Krieg begeben hätten. Deutsches Militär ist seit 2003 in Afghanistan. Für diesen ISAF-Einsatz existiert seit 2001 die erforderliche Legitimation. Das Mandat wurde erst im Februar d.Js. vom deutschen Parlament verlängert:
Am 26. Februar 2010 stimmte der Deutsche Bundestag einer Verlängerung des Afghanistan-Mandats bis Ende Februar 2011 zu. In der namentlichen Abstimmung sprachen sich 429 von 586 Abgeordneten für das neue Mandat aus, abgelehnt wurde es von 111 Parlamentariern, 46 Abgeordnete enthielten sich. Das Mandat sieht vor, dass das Bundeswehrkontingent auf bis zu 5350 Soldaten aufgestockt werden kann.
Quelle: ISAF – Wikipedia
Man kann behaupten, dass “wir” uns nie “willentlich und bewusst in diesen Krieg begeben haben”. Nur, frage ich mich, darf man das tun, wenn man im selben Atemzug davon spricht, dass “die Glaubwürdigkeit am Hindukusch verloren” wurde? Ich denke nicht, dass man das kann. Ich respektiere andere Meinungen, aber ich würde gern darauf bestehen, dass man sich vor einem Urteil ein paar Fragen stellt.
Stellen wir uns mal einen Moment vor, die Umfragen, die eindeutige Ergebnisse gegen diesen Kriegseinsatz in Afghanistan ausweisen, führten zu einer Revision der Entscheidung unseres Parlaments. Zunächst würden wir aufatmen und froh darüber sein, dass unsere Soldatinnen und Soldaten nach Hause geholt werden können und ihr Leben nicht mehr an die in den Augen vieler aussichtslose Sache verlören. Darum geht es den meisten Menschen, und das ist natürlich aller Ehren wert.
Was würde in Afghanistan passieren und welche Wirkung würde unser Abzug haben – unabhängig von dem bereits Gesagten? Wir würden die Allianz verlassen. Der Schaden für unser Ansehen in der Welt wäre nicht gering zu schätzen. Viele wird das wenig interessieren, aber dürfen wir das ignorieren? Gegen Terroristen kann man keinen Krieg führen und diesen noch weniger gewinnen. Die Aktivitäten der Alliierten, das steht zu befürchten, werden vielleicht nicht erfolgreich sein. Von einer Demokratisierung des Landes (nach westlichem Vorbild) ist längst keine Rede mehr. Was bedeutet der Abzug für die Menschen in Afghanistan. Für die, die nichts mit Terrorismus zu tun haben und die endlich (nach Jahrzehnten) in Frieden leben möchten? Ist uns das wirklich egal?
Neben dem schon erwähnten Gesichtsverlust, den ein Abzug zur Folge hätte, würde die Region erneut zu einem Rückzugsgebiet für weltweit aktive Terroristen. Wir wissen, dass auch Deutsche dort als Terroristen ausgebildet werden. Auch jetzt, obwohl die ISAF-Truppen vor Ort sind. Trotz der Präsenz in Afghanistan nehmen die Anschläge in Pakistan immer weiter zu. Haben wir eine Chance, die zunehmenden Aktivitäten der Taliban in Pakistan durch unsere Anwesenheit im Nachbarland einzudämmen? Es sieht nicht danach aus.
Man kann also verstehen, dass so viele Leute unser Engagement in Afghanistan nicht mehr für richtig halten. Der Unterschied zwischen denen, die in den Umfragen ihre Meinung gesagt haben und denen, die in Berlin zu entscheiden hatten, ist der, dass erstere die Verantwortung für ihr Handeln zu tragen haben.
Labern und Lamentieren – darin sind wir echt großartig. Ach ja, Miesmachen habe ich vergessen. Das liegt uns noch besser.
Wenn wir die Politiker wegen ihrer Entscheidungen kritisieren, sollten wir auch bedenken, dass es “zum guten Ton” einer parlamentarischen Demokratie gehört, dass man Mehrheitsentscheidungen des Parlaments respektiert. Die Medien berichten über unsere Bereitschaft in Form von Umfragen, jenen eigentlich doch selbstverständlichen und simplen Grundsatz, mal eben über Bord zu werfen. Haben wir uns das wirklich überlegt?

LexX Noel
Legitim ist nichts daran, denn von Deutschen Boden aus sollte nie wieder Krieg geführt werden.
Horst Schulte
Ich habe nicht von legitim gesprochen. Allerdings habe ich Fragen gestellt. Dein Statement bringt mich in dieser wichtigen Frage nicht weiter. Dich vermutlich aber auch nicht. Das ist die Art von Vereinfachung, die die Linke propagiert und die nicht von großem Verantwortungsbewusstsein zeugt. Vielleicht nimmst du mir ab, dass ich auch gegen Krieg bin. Egal, von welchem Boden er ausgeht. Wir haben schon so oft vor Augen geführt bekommen, wohin Kriege führen. Dennoch hätte ich gern ein paar Antworten und keine Verkürzung á la B*ld-Zeitung.
blogZicke
wenn ich Soldaten mit Waffen in ein anderes Land schicke, dann rechne ich doch mit Gewalt und Auseinandersetzung.
Wäre eine große Gruppe Pfadfinder oder technisches Hilfswerk geschickt worden, stellt sich mir die Frage, ob diese überlebt hätten
Horst Schulte
@Susanne: Genauso sehe ich das auch.