Keine Frage, auch ich bekomme die Wut, wenn ich solche Berichte lese oder, wie in diesem “Panorama”-Beitrag, am TV gezeigt bekomme, wie (wohl nicht nur in unserem Land) mit arbeitslosen Menschen umgegangen wird. Es macht den Zielkonflikt überdeutlich: Einerseits wollen wir Missbrauch vermeiden, andererseits bestehen wir zu recht darauf, dass unsere Privatsphäre respektiert und geschützt wird. Natürlich muss das für alle Menschen gelten. Wenn Arbeitslose auf diese Art und Weise drangsaliert werden, entspricht das aber doch wohl sehr genau den Vorstellungen, die manche Politiker und, wie wir seit der Diskussion über die “spätrömische Dekadenz” spätestens wissen, auch viele Bürger haben.
Entweder die Behörden haben die Möglichkeit, uns zu bespitzeln und so Missbrauchsfälle aufzudecken, oder wir leben weiter in dem Bewusstsein, dass es Missbrauch zwar gibt, dieser aber aufgrund unseres freiheitlichen Rechtsstaates nicht wirksam bekämpft werden kann.
Mir fällt dazu (mal wieder) ein unpassender Vergleich ein: Heute beschweren sich viele darüber, dass “die” Jugendlichen vielfach den Respekt vor anderen Menschen vermissen lassen. Persönlich habe ich die junge Generation immer dafür bewundert (und beneidet), dass sie mit einem weit größeren Selbstvertrauen ausgestattet ist, als viele in meiner Generation. So unterschiedlich ist das eben.
Während meiner Schulzeit gab es die Prügelstrafe, die damals noch zum normalen Schulalltag gehörte. Vielleicht hat das ja miteinander zu tun? Ein gutes, ein richtiges Selbstbewusstsein, behaupte ich mal, war in diesem Umfeld etwas schwer zu entwickeln. Heute käme niemand mehr auf den Gedanken, aufgrund gewisser Probleme mit unseren heutigen Jugendlichen die Prügelstrafe wieder einzuführen.
Was ich damit sagen will?
Wir können von den Eltern und den Schulen Ergebnisse verlangen. Die Methoden aber, die hierfür anzuwenden sind, haben sich gefälligst an Recht und Gesetz zu orientieren! Und das gilt für Kinder und Jugendliche genauso wie für arbeitslos gewordene Menschen. Darüber sollte man immer nachdenken, wenn man vom Staat mehr Effizienz verlangt. Und übrigens auch darüber, welchen eigenen, ganz persönlichen Beitrag man dazu bereit ist zu leisten.













Ich will mal eins behaupten: wenn auf diese und ähnliche Kontrollen einfach verzichtet würde, der dann bewußt in Kauf genommenen Mißbrauch – DAS wären die viel zitierten “Peanuts”! Ich schätze mal, das würde sich im Promillebereich bewegen.
Aber alle gutwilligen Hartzer könnte ihr Mißtrauen gegenüber Arbeitsagentur und Jobcenter “runterfahren”. Aber sowas geht ja in Deutschland nicht… :bombe:
Update: ich möcht ja nich wissen, was diese “Schnüffelei” kostet…wenn das einer nicht “privat” macht.
Darauf läuft es wohl hinaus. Jeder soll den anderen bespitzeln. Dann wären wir ja wohl Orwell noch ein bisschen voraus.
Mich wundert bei all diesen Diskussionen immer wieder eine Sache:
Welche “Menge” an sogenannten ‘Mißbrauchsfällen’ gibt es denn?
Aus der Zahl der Bezieher und der Zahl der Mißbraucher ergibt sich ein Prozentwert – wobei ich eher denke, daß es ein Promille-Wert wäre – und daraus ließe sich herleiten wie notwendig eine Bekämpfung eigentlich ist und ob es überhaupt sinnvoll ist einen ganzen Aufspür-Apparat vorzuhalten – also eine schlichte Kosten-Nutzen-Rechnung ….
Da aber “der Steuerzahler” für dergleichen Unfug aufkommt besteht bei den Verantwortlichen kein Interesse zur Abwägung – sie müßten dann ja möglicherweise Stellen abbauen:
Was wiederum zur Verminderung der Bezüge der Mitarbeiter in Leitungsfunktion führen könnte, da deren Bezahlung (wesentlich) von der Zahl der ihnen unterstellten Mitarbeiter abhängt …. solange das also so bleibt wird man vergebens auf Änderung hoffen.
Was mir ebenfalls übel aufstößt ist die Wortwahl:
“Mißbrauch” wird gemeinhin mit Schwerstkriminalität verbunden – hier aber handelt es sich um geringfügige Beträge, die sicher keinen der sogenannten “Mißbraucher” zu Millionären machen …. ganz im Gegensatz zu den “Mißbrauchern” in Schlips & Kragen & weißer Weste aus Banken und Versicherungen, die Millionen verzockt haben, das Geld von den Steuerzahlern via Regierung geschenkt bekommen haben und über die schon kaum noch jemand spricht, obwohl sie bereits zu ‘business-as-usual’ zurückgekehrt sind ….
Welche Ironie!
Die schlimmsten Gauner werden von den Politikern hofiert,
die kleinen Missetäter werden kriminalisiert ….
@wvs:
Wenn ein “Hartzler” längere Zeit (ich glaub, es sind 2 Wochen) im Krankenhaus liegt – z.B. weil er sich beide Beine gebrochen hat – dem werden dann pro Tag 3€-nochwas abgezogen. Weil er sonst einen “Vermögensvorteil” hätte – im Krankenhaus gibts ja zu essen:…und das braucht er sich ja dann nicht zu kaufen! :bombe:
Wahrscheinlich haben die in der ARGE Angst, das er sich vom eingesparten einen Ferrari kauft – tja…
Dieses Land ist voll von “Kuriositäten” dieser Art – ich habe schon vor Jahren aufgegeben mich darüber zu ärgern:
Heute nehme ich es als Ergebnis unseres (staatsbürgerlichen, in Wahlen ausgedrückten) Willens hin, die “Verwaltung” schmallipppigen, blutleeren, entscheidungsunwilligen – aber mit breiter ‘Sitzfläche’ und genauem Wecker ausgestatteten – Menschen zu überlassen.
Die Kosten zwar einzeln nicht die Welt, aber insgesamt gesehen viele, viele Menschen ihren Verstand – und wenn sie in den Ruhestand gehen kosten sie weiter. Bis an ihr Lebensende.
Das ist der eigentliche “Hemmschuh” für die Fortentwicklung in diesem Land ….