Spekulationen zu Schäubles Zukunft
Der Duktus, in dem SpOn sich zu den Spekulationen um Wolfgang Schäubles gesundheitlichen Zustand und eventuellen, sich hieraus ergebenden personellen Konsequenzen äußert, ist neutral, mit etwas gutem Willen betrachtet, gegen Ende (in Richtung Wolfgang Schäubles) vielleicht sogar ein bisschen Mut zusprechend:
Wolfgang Schäuble beantwortet die Spekulationen um seine Person in diesen Tagen auf seine Weise. Hatte er sich schon vom Krankenbett aus regelmäßig in Interviews zu Wort gemeldet, startete er Anfang der Woche eine regelrechte PR-Offensive, zeigte Präsenz auf allen Kanälen. Auch die Kanzlerin stellt zufrieden fest, dass ihr Finanzminister rechtzeitig zum Höhepunkt der Griechen-Krise wieder alle Termine persönlich wahrnimmt. Das kann mal wohl sagen. Am Donnerstag beerdigte er bei einem Auftritt vor dem Handwerksverband für diese Wahlperiode ganz nebenbei die Steuerträume der FDP. Die Botschaft ist klar: Ich bin wieder da. Und Koch muss warten. Womöglich sehr lange.
Quelle: Spekulationen um Roland Koch: Schäuble-Nachfolger im Wartestand – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik
Ganz anders verhält es sich mit dem ebenfalls gestern erschienen Artikel in der Süddeutschen Zeitung:
Keiner sagt dazu etwas öffentlich, und doch spürt jeder, dass aus Schäubles privater Malaise ganz langsam ein Politikum werden könnte. Ist es ein Wunder, so lautet die Botschaft des Gesprächspartners, dass Schäuble erst für Steuersenkungen war und jetzt dagegen ist? Bei den Stimmungsschwankungen? Die Worte wirken wie ein schleichendes Gift.
Schäuble könnte das Getuschel kalt lassen – wenn es sein einziges Problem wäre. Wenn er der wäre, als den ihn die Spitzen der Koalition bei ihrer Amtsübernahme im Herbst vergangenen Jahres angepriesen hatten: als den unabhängigen, harten Hund, der nach dem Desaster der Wirtschafts- und Finanzkrise die Staatsfinanzen wieder in Ordnung bringt.
Quelle: Schäuble und die Finanzkrise – Wie aus dem falschen Jahrhundert – Politik – sueddeutsche.de
Für viele eher unerwartet kritisch geht der Spiegelfechter mit den Autoren des Artikels ins Gericht:
Den Meuchelmördern stößt dabei vor allem Schäubles ablehnende Haltung bei den Steuersenkungen auf – dem Lieblingsthema der FDP. Infam lässt sich die Süddeutsche vor den Karren spannen, macht die konspirativen Giftpfeile der Schäuble-Kritiker zu ihren eigenen, instrumentalisiert die Krankheit des Ministers und setzt damit einen neuen Tiefpunkt im Sachen journalistischer Ethik.
Quelle: Der Spiegelfechter» Blog Archive » Worte wie schleichendes Gift
Jens Berger kommt in seinem kritischen Artikel zur Süddeutschen Zeitung auf einen Punkt zu sprechen, der in der Tat mit guter Pressearbeit wenig zu tun hat und der gerade von den “alten Medien” gern den Akteuren der neuen Medien (auch Bloggern) zugeschrieben wird:
Problematisch wird es jedoch, wenn man solche Zitate als Steilvorlagen zum Transport seiner eigenen Meinung verwendet. Genau dieser Tabubruch ist es, der den Artikel der Süddeutschen wie schleichendes Gift durchzieht. Die Autoren wechseln fröhlich von indirekter Rede zu direkter und ihrer eigenen Meinung und benutzen dabei Zitate von anonymen Hinterzimmerkontakten dazu, diese zu unterstreichen. Die Autoren unternehmen noch nicht einmal den Versuch abzuwägen, oder gar neutral zu bleiben – sie kommentieren, diskreditieren und intrigieren offen gegen Wolfgang Schäuble, der ihre neoliberalen Begehrlichkeiten partout nicht erfüllen will.
Quelle: Der Spiegelfechter» Blog Archive » Worte wie schleichendes Gift

Jan
Mal grundsätzlich gefragt: Ist es denn irgendwie verwerflich, einen Minister nicht so ganz passend zu finden, wenn er im Koalitionsvertrag festgelegte Ziele offenbar nicht teilt?
Ich denke nicht, dass das allein Anlass zu Kritik geben sollte. Dass Mancher die nicht teilt und Liberalen gerne sonstwas unterstellt, steht auf einem anderen Blatt.
Horst Schulte
Dass die Liberalen an Schäuble Kritik üben ist legitim – auch aus den von dir genannten Gründen. Aber die Art, in der das hier versucht wurde, ist es nicht. Das ist eine miese, hinterfotzige Tour. Jedenfalls finde ich das.