Franz Plasberg hatte in seine Sendung “Hart aber fair” keine Politiker eingeladen. Wie wohltuend! Statt des üblichen Gezänks konnte man sich von einigen Fachleuten deren Meinung und Tipps zu Gemüte führen, was die Situation für uns bedeutet oder bedeuten könnte und welche Möglichkeiten es gibt, die Risiken, soweit es irgendwie möglich ist, zu reduzieren. Ich gebe zu, dass ich glaube, soviel nicht dazu gelernt zu haben. Mir geht es nicht anders, als vielen anderen Deutschen. Angeblich haben wir ja für finanzielle Dinge dieser Art nicht die richtige Ader und gelten, so habe ich es verstanden, im internationalen Durchschnitt in diesen Fragen als ausgesprochen uninformiert. Ich für meinen Teil gebe das offen zu.
Bei Maybrit Illner ging gestern dagegen richtig die Post ab. Da saßen sie, die üblichen Verdächtigen. Volker Kauder (CDU), Heiner Geißler (CDU) und Hubertus Heil (SPD). Die stritten über die Dinge, die seit Wochen die öffentliche Debatte bestimmt haben. Uninteressant. Neues war Fehlanzeige. Die charmante Börsenfrau vom ZDF, Valerie Haller, kam nicht so richtig zum Zuge, dafür aber die Herren Prof. Joachim Starbatty (in Sandalen und Trachtenjanker) und vor allem Hedgefontmanager, Karsten Schröder. Er brachte die Herrn Geißler und Kauder aber so richtig auf die Palme. Schröder (ab Minute 41:20 der Sendung) erhob trotz der heftigen Erwiderungen seiner Kontrahenten nie die Stimme. Er blieb sachlich und ruhig.
Er sprach vom Verdrehen von Tatsachen und davon, dass die Politik ihrer Aufgabe, die Bürger aufzuklären, nicht nachkämen. Laut Schröder sind die Hedgefonds durchaus nicht grundsätzlich gegen die angestrebten Regulierungen. Schröder kritisierte massiv die Verbote von Leerverkäufen und berief sich auf die diesbezüglich kritischen Äußerungen der Regulierungsbehörden der USA und Großbritanniens und die Reaktionen der Märkte. Er vertrat die Meinung, dass die Krisen der jüngsten Zeit durch die nun getroffenen Maßnahmen nicht hätten verhindert werden könnten.
Die bösen Hedgefonts?
Schröder behauptet, dass nicht irgendwelche Hedgefonts gegen den Euro spekuliert hätten, sondern vielmehr, dass Pensionskassen und Versicherungen aus ihren griechischen Staatsanleihen (300 Mrd. Euro) ausgestiegen wären, weil die griechische Verschuldung diese unsicher werden ließ. Er beschreibt dies als einfachen wirtschaftlichen Zusammenhang. Schuld seien die Politiker, die die Staaten in die Verschuldung gehen ließen und die nun zeigen, dass sie kein Interesse an einer Krisenvermeidung hätten.
Nachdem Volker Kauder verärgert und etwas verstört auf diesen Klartext geantwortet hatte, frage Hubertus Heil Schröder: ”akzeptieren Sie den Vorrang demokratischer Politik?” Ich habe das trotz des Wortschwalls der seitens Heil folgte, als ausgesprochen stumpfes Argument angesehen. Die wichtige Frage, welche Experten unsere Regierung bei ihren Entscheidungen beraten hätten, blieb einfach unbeantwortet.
Klüger wurden wir nicht. Dass es zwei Seiten gibt, wussten wir vorher bereits. Ich habe es als schlimm empfunden, dass sich zum Ende der Diskussion der Eindruck verstärkte, dass die dort vertretenen Politiker von Herrn Schröder als auch von Herrn Starbatty “vorgeführt” wurden. Mich haben deren Argumente nämlich mehr überzeugt als die unserer Politiker, und ich kann mir kaum vorstellen, dass es nicht auch vielen anderen Zuschauerinnen und Zuschauern ähnlich ergangen ist. Welche Schlussfolgerungen soll man aber angesichts der Tragweite der Thematik daraus ziehen?

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