Sind wir Zyniker?

Sensationell diese Arbeitsbedingungen. So werden jedenfalls die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse in China von Unternehmern gern gesehen. Vor allem schaut man dabei natürlich auf die Löhne, die so niedrig sind, dass es schon jeder Beschreibung spottet. Dafür passt dann die lakonische Feststellung: Andere Länder, andere Sitten.

Seit einigen Wochen bekommen wir aus der Presse mit, dass es unter den Arbeitern eines bestimmten chinesischen Unternehmens eine erhöht Anzahl von Selbstmorden zu beklagen gibt. Foxconn fertigt Produkte für Firma Apple und Dell.

Der Hype um den iPod, das iPhone oder jetzt das iPad könnte oder so sollte uns zu denken geben. Aber natürlich ist das nicht der Fall. Die einen, die Unternehmen, freuen sich über die tollen Geschäfte, die anderen, wir Verbraucher, über die günstigen Preise. Eine Win-Win-Situation, wie sie so oft nicht vorkommt – so könnte man es zynischerweise ausdrücken.

Die Berichterstattung führt vielleicht dazu, wenn sie intensiv bleibt und noch eine Weile anhält, wie es in einem Bericht der Zeit – Online – Ausgabe heißt, dass amerikanische Computerhersteller ihre Aufträge an Foxconn zurückziehen. Wären wir im Gegenzug auch bereit, höhere Preise für die Produkte zu zahlen? Sicher nicht. Denn wir Verbraucher verlernen unsere Geilheit auf die stets besten Preise und Bedingungen für alle Arten von Produkten nicht mehr. Dafür nehmen wir nicht nur den Tod von ein paar Wanderarbeitern in Kauf, sondern den Niedergang ganzer Branchen.  So jedenfalls kann man das Ganze auch sehen.

Nein, ich denke, wir sind keine Zyniker, wir sind einfach nur Ignoranten.

Kommentare

  1. Klaus meint:

    Für mich ist dies noch aus einem anderen Grunde beschämend: die Arbeitsbedingungen bei Zeitarbeitsfirmen empfand ich als sehr belastend, aber gegen die Zustände in China und in anderen Schwellenländern ist das natürlich Kleinkram.

    Dabei dürfte es bei den großen Auftragsfertigern noch verhältnismäßig gesittet zugehen, bei deren Zuliefern wird das noch schlimmer sein. Und soweit ich weiß haben die Wanderarbeiter i.d.R. keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, die sind auf billige Quacksalber angewiesen.

    Mehrere Suizide sind natürlich spektakulär, da wird für kurze Zeit selbst in Europa berichtet. Die Arbeitsunfälle, die nicht selten mit dem Tod enden (mangelhafte Elektrik, schlecht gesicherte Maschinen etc.), bleiben hierzulande aber unerwähnt.

  2. JürgenHugo meint:

    Wir sind alle Täter, und wir sind alle Opfer. Tja. Dein neuer “Horst-Comp” ist auch nicht von fleißigen, gutbezahlten Handwerkern im schönen Kämmerlein zusammengeschraubt worden…

    Sondern von denen, die auch bei Foxconn arbeiten. Sonst hätte der nämlich sicher doppelt oder dreimal soviel gekostet…Soo isses. :harry:

  3. Horst Schulte meint:

    @Jürgen: Hab ich was anderes gesagt?

    @Klaus: Da kann ich dir nicht widersprechen. Leider ist das so und wir werden unser Verhalten wohl auch nicht ändern. Der Egoismus überwiegt.

  4. Das schlimme am ganzen System dieser Geilheit ist ja, dass Rücksichtslosigkeit, Gier und Ausbeutung auch noch belohnt wird. Deshalb kann das System aus solchen Ereignis gar nicht lernen.

  5. Horst Schulte meint:

    Dieses “System” ist in der Tat nicht lernfähig. Im Gegenteil, es befeuert sich und seine Akteure immer mehr. Das Gerede vom notwendigen Wachstum ist der beste Beleg dafür.