Wer Herrn Spreng heute Abend bei “Hart aber fair” gehört und gesehen hat, der sollte seinen Artikel über Horst Köhler vom 28. März 2010 durchlesen. Heute nämlich griff er die ebenfalls anwesenden Jürgen Trittin (Grüne) und Thomas Oppermann (SPD) unter dem Beifall von Markus Söder (CSU) und Jürgen Koppelin (FDP) an und warf insbesondere Trittin vor, er habe sich gegenüber unserem Ex-Staatsoberhaupt im Ton vergriffen.
Trittin konfrontierte er mit dem Vorhalt, dass jeder halbwegs politisch gebildete Mensch in Deutschland einfach wissen müsse, dass Heinrich Lübke während seiner Amtszeit ein kranker Mensch (Demenz) gewesen sei. Ein Vergleich zwischen Horst Köhler und Heinrich Lübke, der damals wegen einiger legendärer Aussetzer bei verschiedenen Reden verspottet wurde, sei völlig daneben.
Das hat man gern, Herr Spreng! Die moralische Keule schwingen aber selbst (nur ein paar Wochen vor Köhlers Rücktritt – Ende März) Vorbehalte gegen den Bundespräsidenten äußern, die, hätte Köhler sie gelesen, wohl ihre Wirkung auch nicht verfehlt haben dürften. Der Sprachstil ist schon arg von oben herab und deshalb wohl ausgesprochen unangemessen. (Respekt vor dem Amt und so)
Zwei Kostproben:
Horst Köhler hat leider nichts davon. Das ist nicht seine Schuld: woher sollte er diese Autorität oder gar Aura haben? Die erwirbt man weder beim Sparkassenverband noch beim Weltwährungsfonds.
[…]
Er sitzt in seinem Schloss Bellevue und versucht verzweifelt, die großen Schuhe seiner Vorgänger auszufüllen. Seine erste Amtszeit hat er noch ganz ordentlich und unfallfrei über die Runden gebracht, jetzt aber werden seine Defizite immer offensichtlicher.
Quelle: SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin» Blog Archive » “Horst warum?”
Spreng schließt seinen Artikel mit den gönnerhaften Worten: “Er tut einem leid. Und das sollte ein Bundespräsident nicht tun.”
Spreng weiß natürlich, dass von seinem mit geradezu larmoyanten Unterton verfassten Artikel zum Gesichtsverlust Horst Köhlers, keine positivere Wirkung ausgeht als von den Worten Trittins!
Auch er hat dazu beigetragen, dass die Streitkultur in Deutschland schneller und immer radikaler den Buch hinuntergeht. Oder darf man das von einem ehemaligen Chefredakteur der “B*ld am Sonntag” nicht behaupten? Diese Entwicklung spielt sich im Fernsehen ab, in den Zeitungen, im Internet und auch bei uns Bloggern. Die Medien nehmen diesen Teil ihrer Verantwortung nicht wahr!
Satire darf alles – haben wir gelernt. Das Kabarett bedient sich der Satire. Sie ist omnipräsent. Wir kennen keine Grenzen mehr. Und diese Entwicklung verstärkt sich immer mehr. Irgendwie trägt diese Inflation der “Spottdichtung”, jedenfalls aus meiner Sicht, auch zur Verrohung der Sprache bei.
Wir denken nicht mehr oder erst dann, wenn es zu spät ist, darüber nach, ob und in welchem Maß unser Spott oder unser Vortrag andere Menschen verletzen kann. Wir sind an einen rüden Umgangston gewöhnt, und wir haben uns diesen in einem Umfang zu eigen gemacht, der uns manchmal vielleicht selbst erschreckt. Jedenfalls wenn wir ehrlich sind.
Heute wird Merkel wohl die Kandidatin zur Bundespräsidentenwahl am 30.6. vorstellen. Vermutlich ist es ja Ursula von der Leyen. Ich kann damit leben. Bei der deutschen Blogsphäre bin ich mir nicht sicher
Ich hätte mir gewünscht, man hätte nicht eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus “dem Hut” gezogen, den wohl die meisten Bürgerinnen und Bürgern als Ergebnis eines koalitionstaktischen Manövers empfinden. Es gibt so viele gute, überzeugende und geeignete Kandidatinnen und Kandidaten in Deutschland. Es müsste doch keine Politiker/in sein. Trotz der Erfahrung mit Horst Köhler, dem man auch nachsagte, dass er als Nichtpolitiker mit dem politischen Apparat in Berlin nie warm werden konnte. Aber ich fürchte, dass mir dieser Wunsch nicht erfüllt wird. Merkel lässt diese Chance, die der Demokratie vermutlich gut getan hätte, wohl aus. Am Abend werden wir es vielleicht schon wissen.












Ich gehöre ja nicht zur Blogsphäre – Gott sei leider oder Dank – DAS weiß man nich so genau…
Aber die von der Leyen – ne, ne, ne. Aber was solls – der/die BuPrä hat ja eh nix zu sagen. Eigentlich könnte man doch über eine andere Ausgestaltung des Amtes reden – er sollte auch vom Volk gewählt werden. Und nicht so “ausgekungelt”.
JürgenHugo(Zitieren) (Antworten)
@Jürgen: Bei dir würde ich schon behaupten, dass du dazu gehörst – unbedingt
Meine Wunschkandidatin wäre von der Leyen auch nicht aber ich hätte nicht so große Vorbehalte wie viele Blogger. Ich hätte mir z.B. Henning Scherf gut vorstellen können. Nicht, weil er ein SPD – Mann ist, sondern weil er über eine hohe Integrationsfähigkeit verfügt. Jedenfalls war das immer mein Eindruck. Aber vielleicht wäre er mit 71 ja schon einen Tick zu alt – selbst für dieses Amt
Horst Schulte(Zitieren) (Antworten)