Ich glaube, der Frust derjenigen, die offenbar daran glauben, dass sie Christian Wulffs Präsidentschaft über Druck von unten aus dem Internet verhindern und stattdessen Joachim Gauck durchsetzen könnten, wird ganz schön groß werden. Nicht, dass ich die Kampagnenfähigkeit des Mediums unterschätze.
Theoretisch könnte es passieren, dass Wulff schon vor Amtsantritt die Lust verliert und auf das Amt verzichtet. Aber ist nicht allein durch die Auswahl des Parteipolitikers Christian Wulff sichergestellt, dass genau diese Reaktion unterbleibt? Horst Köhler war anders. Er hat nach übereinstimmender Feststellung vieler Kommentatoren nie zum politischen Etablissement gehört hat, stand allein auf weiter Flur. Die Stahlbäder, die unsere Politiker im Laufe ihrer Parteikarriere hinter sich bringen, hatten ihn nicht abgehärtet gegen den Berliner Politikbetrieb. So stellt sich die Causa Köhler im Nachhinein doch dar – oder?
Christian Wulff ist eine schlechte Wahl
Quelle: Bundespräsidentenwahl: Go for Gauck | Digital | ZEIT ONLINE
Diejenigen, die sich so uneingeschränkt für Gauck stark machen (um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin auch für ihn!), sollten sich vielleicht einen Augenblick mit Fefes Gedankengang bzw. das lesen, was sich hinter dem Link “versteckt”:
Gauck räumt ein, der Kapitalismus sei nicht perfekt und erzeuge unter anderem Gier, wandte sich aber anlässlich der Finanzkrise 2008 auch gegen größere Kapitalismuskritik. Er ist Mitglied des Verbandes Atlantik-Brücke und Mitglied im Senat der von Helmut Schmidt, Kurt Biedenkopf u. a. gegründeten Deutschen Nationalstiftung.
Quelle: Fefes Blog












Deswegen fragte ich den Herrn Gauck ja auch so rigoros nach dessen Definition von Freiheit.
Zu sagen “Ich bin für Freiheit” sagt uns ja nicht, für welche man sei.
Aber bisher kam da drauf keinerlei Antwort…hachja.
Ich bin ja auch einer von denen, die sich da engagieren. Ich glaube aber nicht, dass man einen Sieg Gaucks “von unten durchsetzen” kann. Aber diejenigen unter den FDP-Delegierten, die ohnehin schwankend sind, kann man durch eifrige Öffentlichkeitsarbeit vielleicht darin bestärken, Gauck zu wählen…
@Kiri: Ich habe Jans Beitrag und deinen übrigens auch gelesen. Wie überhaupt einige Beiträge zum Thema “Freiheit”. Auch wenn es nicht populär ist: Einerseits bedeutet Freiheit, dass man mit seiner Angst vor der Übernahme von Verantwortung klar kommen muss, andererseits klingt für mich oft ein bisschen durch, dass durch solche Diskussionen ein Freiheitsbegriff etabliert werden soll, der das Recht des Stärken wieder mehr betont. Nein, ich will nicht weniger Staat. Ich will auch nicht unbedingt mehr. Mir geht’s darum, dass die Menschen solidarisch zusammenleben. Das ist vielleicht etwas altmodisch aber eine Zivilisation kann vielleicht in Gefahr geraten, wenn kein starker Staat vorhanden ist, der sich für den Ausgleich der Interessen einsetzt. Ich weiß, wie kritisch das (auch in Deutschland) gesehen wird, trotzdem sollten wir uns hüten, dort weiterzumachen, wo wir vor der Finanzkrise gewesen sind.
@Karsten: Nein, ich glaube auch nicht, dass Gauck eine wirklich Chance hat. Der Regierung ist schon klar, dass sie mit einer Niederlage in noch schwierigeres Fahrwasser käme, als dies jetzt schon der Fall ist. Ich habe eben einen kurzen Beitrag in einem Blog gelesen, der ein paar Fakten enthielt, die mir nicht geläufig waren. http://www.freie-sicht.org/index.php?dns=HHRTRDMQHKMSRSLMHLMZRDMQRUMSDSLZJUJBJRDPRJJJDJLKUTRSRMRDHPHBRSZLHDRHHTRZHLRURTZBHRMZRDMQRUMSRTLMHLMZRDMQRUMSHPLMSP
@Horst:
Du glaubst offenbar, dass diese Regierung noch ein Interesse daran hat, die Regierung zu bleiben. Ich habe mehr den Eindruck, dass es darum geht, bei dem absehbaren Bruch mehr Gesicht zu wahren als die beiden anderen Partner.
@Karsten: Warum glaubst du denn, dass diese Regierung nicht die Regierung bleiben möchte. Wir brauchen doch angeblich eine geistige Wende in unserem Land. Dass das keiner wirklich geglaubt hat ist das eine. Das andere ist, dass die FDP im Falle eines Ausscheidens aus der Regierung keine anderen möglichen Koalitionsoptionen hätte. Was bedeutet das für die Zukunft der Partei? Von den Umfragewerten im Moment will ich gar nicht sprechen.
Koalitionsoptionen, Umfragewerte, blabla, alles gut und schön. Aber ganz praktisch ist doch sichtbar: Es funktioniert nicht. Sie können nicht miteinander. Und wenn die Union erst einmal (Gott sei Dank) den Kompromiss zum Sparpaket zerlegt und/oder ein erheblicher Teil der FDP’ler für Gauck gestimmt hat, dann ist das Ende da.
“Mutti” hält den Hühnerhaufen jedenfalls nicht mehr zusammen.
Was bedeutet das für die FDP? Es wird so sein, dass “der” Wähler die Konfliktlage, in der sich die FDP befindet, nicht überblicken wird. Ein Ausstieg bzw. ein Scheitern würde sich deshalb für die FDP zu einer existenziellen Krise ausweiten.
Aus Krisen kann man auch lernen.