“Emmely” hat vor dem Bundesarbeitsgericht Recht bekommen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Das Bundesarbeitsgericht hat im Fall der Supermarktverkäuferin “Emmely” Recht gesprochen. Die Frau war nach 31 Jahren gekündigt worden, weil sie angeblich einen Pfandbon im Wert von 1,30 € eingelöst und das Geld behalten haben soll. Das unternehmen sah die Vertrauensbasis gestört, was vorherige Gerichtsinstanzen bestätigt hatten.

Die letzte Instanz

Nun, in letzter Instanz kam ein Begriff ins Spiel, der in den anderen Verhandlungen keine Rolle gespielt hat. Der Begriff heißt: “Verhältnismäßigkeit”. Komisch, dass die Damen und Herren Juristen, wohl nicht nur in diesen Fall, den doch im Strafrecht gern und häufig benutzen Begriff in diesem Fall noch nicht gebraucht haben.

Was jetzt bleibt, ist die Hoffnung auf eine lebendige Debatte über Gerechtigkeit. Und die Hoffnung auf eine Regulierung des Kündigungsschutzes auf politischem Wege. Die SPD-Fraktion und die Linksfraktion haben entsprechende Gesetzesentwürfe bereits eingebracht, die Grünen haben einen solchen angekündigt.

Quelle: Urteil: Gerechtigkeit für “Emmely” – Seite 2 | Karriere | ZEIT ONLINE

Die Kernaussage des Gerichtes:

Ein Mitarbeiter hat nach drei Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit eine zweite Chance verdient, selbst wenn er einmal lügt.

Quelle: Urteil: Gerechtigkeit für “Emmely” | Karriere | ZEIT ONLINE

Vorwand?

Da werden sich jetzt aber ein paar ganz Kluge die Augen reiben. Im vorliegenden Fall wurde der “Diebstahl” nicht einmal bewiesen. Dennoch musste “Emmely” den Weg durch alle Instanzen gehen. Sie ist alleinerziehende Mutter von 3 Kindern. Dass sich eine Firma, die so gegen ihre Mitarbeiter vorgeht, nicht in Grund und Boden schämt. Schade, dass bei einem Boykott des entsprechenden Ladens am Ende ja doch wieder nur die Mitarbeiter zu leiden hätten.

Vielleicht war die Kündigung, wie auch vermutet wird, nur ein Vorwand, um eine unliebsame Mitarbeiterin los zu werden. Schließlich hatte sie an einem Streik teilgenommen. Darüber war man im betreffenden Unternehmen nicht erfreut.


Kommentare

  1. Andrea meint:

    das muss man sich mal vorstellen, dass erst das Bundesarbeitsgericht mal darüber nachdenkt, ob die Sache “verhältnismäßig” “abgewickelt” worden ist. Einfach schlimm.

  2. JürgenHugo meint:

    Naja, ich hab gelesen, das sich die Frau zumindest nach dem “Diebstahl” nicht gerade vorbildlich verhalten hat. Nichstdestotrotz hätt ich mir als Chef wohl einen besseren Vorwand gesucht, um sie loszuwerden. Jemanden wegen 1,30 zu kündigen, ist einfach lächerlich.

    Ums mal so zu formulieren: wenn jemand “bewußt” was klaut, dann sollte das schon ein wenig mehr wert sein als 1,30 – sonst gehört der wegen Blödheit gekündigt. :-)

  3. Horst Schulte meint:

    @Andrea: Ich finde, dass ist für die heutige Zeit nur bezeichnend. Traurig. Die Arbeitgeber reden gerne davon, dass der Arbeitnehmerschutz in Deutschland übertrieben hoch ist. In solchen Fällen sieht man das ganz deutlich, nicht wahr? ;-) Was hätte die Frau gemacht, wenn sie nicht die Unterstützung der Gewerkschaft Verdi gehabt hätte? Sie hätte diesen Instanzenweg nie durchhalten können. Trotz des angeblichen Diebstahls der 1,30 €.

    @Jürgen: Niemand hat behauptet, sie hätte sich vorbildlich verhalten. Aber trotzdem stellt sich doch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Sagst du ja auch selbst. Den letzten Satz nehme ich mal als Jürgen-Scherz. :-) Arbeitnehmer haben ihre Firmen gefälligst nicht zu bestehlen. Trotzdem bleibt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.

  4. JürgenHugo meint:

    Horst, hast du in deiner gesamten Bürozeit noch nie einen Kuli mitgenommen – oder ein paar Zettel?

    Und so ganz Scherz ist das letzte nicht. Für mich paßt einfach Stehlen und ein Pfandbon von 1,30 nicht zusammen. Wenn die Frau das bewußt getan hat – um sich zu “bereichern” – sowas tut doch kein normaler Mensch.

    Ich würde die Frau deswegen doch auch nicht rausschmeißen (vermutlich hätte ich die gar nicht eingestellt) – ich würd sie vielleicht ins Lager versetzen.

    Der Chef hätte allerdings klüger sein sollen, wenn er sie (warum auch immer) loswerden will.

  5. Horst Schulte meint:

    Ich arbeite, wie du ja weißt, manchmal von zu Hause aus (Home Office wie das neudeutsch ja heißt). Ich habe noch nie irgendwelche Sachen aus dem Betrieb mitgenommen. Es sei denn, sie hätten mir gehört. Ich schreibe zum Beispiel seit Jahren mit einem eigenen MontBlanc (man gönnt sich ja sonst nichts). Billige Kulis brauche ich also nicht. :zitrone:

  6. JürgenHugo meint:

    Wenn du die Marke schon erwähnst – ich hab da auch 2 von. Einen habe ich geerbt, einen hab ich gekauft – den Scenium.

    Mit dem “geerbten” hab ich längere Zeit alle Notizen am Comp gemacht. Schreiben tut der toll – wie auch der Scenium. Aaber: die Minen sind schnell leer, obwohl es Großraumminen sind. Und billig sind die auch nicht gerade – kosten doppelt so viel wie Original-Parker und halten nur halb so lang. Grummel. Hast du die Erfahrung auch gemacht?

    Und so liegen sie jetzt schön verpackt rum – die Montblancs. und schreiben tu ich entweder mit einem schönen Kuli mit Parkermechanik oder einem ganz dünnen Lamy. Tja. :harry:

    PS: ich hab aber auch immer einen Billig-Kuli parat. Der jetzige, der da liegt, war ein Geschenk. Von der CSU…

  7. Horst Schulte meint:

    Die besten Stifte überhaupt :-) Nee, finde ich nicht. Die Minen (jedenfalls vom Kugelschreiber) halten doch verhältnismäßig lange. Allerdings die Roller sind in der Beziehung nicht so toll. Ich habe die Meisterstücke. Den dicken Füller, den dicken Kuli, den dünnen Kuli und den dicken Bleistift. Und natürlich den dünnen Roller. Da muss ich nix klauen. Die habe ich mir über die vielen Jahre zusammengespart. Ich steh drauf. Ich habe auch noch einen SPD-Kuli hier irgendwo…. wo ist er denn. Ich habe ihn in den Mülleimer geworfen. Nach der Nachricht von heute Abend.

  8. JürgenHugo meint:

    Ne, die Meisterstücke sind mir zu “altbacken”. Außerdem mag ich keine Drehmechanik – ´n Kuli will ich drücken. So zack! Der Scenium gefiel mir wegen des tollen Designs. Und er ist ja die “Einstiegspreislage” – wenn man das bei dem Preis sagen kann.

    Der, den ich von meinem Vater habe, ist auch relativ schlicht. Das Modell gibts aber nicht mehr. Er ist aus Edelstahl und hat ganz feine Rillen. Das vordere, kurze Stück, das man abschrauben kann, hat einen ganz feinen Strichschliff. Aber das tollste: dazwischen ist ein gaaanz dünner Ring, da ist in winziger Schrift “Montblanc” eingraviert – nich aufgedruckt. Kann man nur mit der Lupe lesen. Vielleicht kauf ich mir doch mal wieder 1, 2 Minen dafür. Einen Cross und ein paar “Parkers” hab ich auch noch. Die schone ich aber auch, grins. :-)

  9. Horst Schulte meint:

    Altbacken? Ja, es gibt modernere Designs. Ich glaube, das Scenium würde mir als Ersatz für die Meisterstücke nicht gefallen. Ich muss dir kurz eine Geschichte erzählen, die weit über 20 Jahre zurückliegt. Ich hatte zuerst den “dünnen” Füller (auch Meisterstück). Ich wollte aber unbedingt den Dicken machen. Also ging ich mit meinem dünnen Meisterstück in ein Schreibwarengeschäft. Dort hat man mir das Ding (obwohl es schon mehrere Jahre alt war) einfach umgetauscht in die andere Ausführung. Ich musste einen Aufschlag zahlen, der aber, gemessen am eigentlich Kaufpreis, wirklich akzeptabel war. Die Inhaberin des Geschäftes hat mir das damit erklärt, dass es gerade bei den Dingern fast keine Wertverluste gibt. Also sehen konnte man an dem anderen Füller überhaupt nichts. Keinerlei Gebrauchsspuren. Zeitlose Eleganz eben. Passt doch zu mir – oder? :camera:

  10. JürgenHugo meint:

    Ne, ne – für dich is das schon richtig. Aber du mußt doch zugeben, das der Scenium ein ganz tolles Design hat. Auch die Verarbeitung ist Klasse. Ich hab da mal “reingeschaut” (muß man ja, wenn man die Mine wechselt) – da sind noch Messingteile drin.

    Ein Füller wäre für mich absolut nix – das weiß ich noch von früher. Ich schreib ja keine langen Sachen, sondern kurze Notizen. Und dann ist die Tinte trocken. Bei einem “besseren” Kuli gibts für mich 2 absolute “Muss”: der muß sofort kommen, ohne das der/die erste/n Millimeter nicht voll schwarz sind. Und: die Mine darf nicht schmieren.

    Noch 3 Anmerkungen:

    1) auf schlechtem Untergrund (Zettel auf Geldbörse ind der Hand) – da sind die billigen besser. DIE schmieren noch was hin, wo der gute schon versagt…
    2) ich schreib am liebsten schwarz/fine – blau und dick finde ich nicht so gut.
    3) schade, das es den Scenium nicht als 0,5 Druckbleistift gibt – den gibts nur als Kuli.

    PS: schreib man schön mit deinen Teilen. :-)

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