Wie im Staat, so im Gesundheitswesen

Nicht wenige sind überzeugt, dass die Deutschen sich zu viel auf den Staat verlassen. Im Moment hat man aufgrund der verheerenden Stimmung im Land allerdings nicht das Gefühl. Die Gleichsetzung von Staat und Politik(er) ist dabei zwar nicht zulässig. Aber diesen Fehler machen wohl viele.  Einige von Joachim Gaucks Reden zum Thema Freiheit wären in diesem Zusammenhang eine gute Lektüre.

Ganz ähnlich, wie unser Verhältnis zum Staat, verhält es sich offenbar, wenn wir der Deutschen Einstellung zum Gesundheitswesen betrachten. Nach einer Studie der TK (Techniker Krankenkasse) fühlen sich die Deutschen in diesem Gesundheitswesen trotz der hohen Kosten und der so genannten Zweiklassenmedizin offenbar grundsätzlich gut aufgehoben. 61% der Menschen sind mit ihren Ärzten sehr zufrieden, 34 % eher zufrieden. Auch das belegt, dass die Wahrnehmung sich ganz anders darstellen kann, wenn sich Menschen zu ihren ganz persönlichen Erfahrungen befragt werden und sie sich nicht “nur” sehr allgemein zum Beispiel über den Staat oder das Gesundheitswesen äußern sollen.

Wir gehen durchschnittlich sehr oft zum Arzt (18mal) und liegen mit dem statistischen Wert an einem Spitzenplatz weltweit.  Chronische Erkrankungen werden nicht eigenem falschen Verhalten zugeschrieben, sondern viele empfinden diese als Zufallsergebnis. Glück oder Pech werden als Ursache ausgemacht.

Naheliegend ist, dass die Veränderung unseres Lebensstils negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben dürfte. Die Leute tendieren zu Übergewicht, weil sie sich falsch ernähren und sich weniger bewegen. Und das gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Ohne die Bereitschaft zur Übernahme persönlicher Verantwortung – im Gesundheits- aber auch im Staatswesen – geht es nun einmal nicht. Vielleicht müssen wir das auch wieder lernen. Auch wenn’s  etwas pathetisch ist,  J.F. Kennedys Aufforderung hat heute und hier in Deutschland ihre Berechtigung:

Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!


Studie behauptet: Deutsche sind mit ihren Ärzten zufrieden Bevölkerung lässt sich offenbar auffällig oft behandeln, Main-Post

Kommentare

  1. Sven meint:

    Hmmm sicher kann man viel für sich selbst tun um kosten zu sparen, aber auch die gesetzlichen Krankenkassen können dies. Ich bin ja immer noch der Meinung das eine gesetzliche Krankenversicherung reicht, in diesen Sektor brauchen wir keinen Wettbewerb, in diesen Sektor muss das meiste Geld was wir einzahlen auch in die Gesundheit gehen und nicht auf Managerkonten, in teure Gebäude und auch nicht in immer neue Büroausstattung. Es sind also beide Seiten die etwas tun können, denn so wenig Geld bekommen die Krankenkassen ja monatlich auch nicht überwiesen, wenn ich mal bei meiner Mutter auf den Lohnzettel schaue sind das mit Arbeitgeber Anteil über 300 Euro und sie verdient gerade mal so 1.300 Euro im Monat, Brutto.
    Übrigens, 18 mal im Jahr zum Arzt? Schaffe ich nie, zweimal Zahnarzt und vielleicht mal im Winter wegen einer starken Erkältung, also so 2 bis 4 mal, maximal. Im letzten Jahr war ich überhaupt nicht beim Arzt und dieses Jahr bisher auch noch nicht.

  2. Horst Schulte meint:

    Gar kein Wettbewerb wäre vielleicht schlecht. Aber es gibt wirklich zu viele Krankenkassen. Da stimme ich dir zu. Die Arztbesuche nehmen wahrscheinlich im fortgeschrittenen Alter zu. Sei froh, dass es bei dir so aussieht, wie du es beschreibst. Meine Bilanz sieht in dieser Hinsicht leider anders aus. Natürlich war das früher anders. Aber mit 55 stellen sich leider gesundheitliche Probleme ein, von denen man in jüngeren Jahren nie gedacht hatte, dass man sie einmal haben würde. So geht das im Leben.