Jetzt schreiben die Pressefritzen die “junge deutsche Mannschaft” runter

Zur Abwechslung ist mal die Nationalmannschaft bzw. Poldolski dran. Die Süddeutsche Zeitung, die seit Monaten kein gutes Haar an der Politik der Regierung lässt und sicher ihren Anteil an deren Niedergang hat, erzielt Wirkungstreffer. Natürlich malt die Presse am schlechten Bild der Politik kräftig mit. Jetzt scheint sie (jedenfalls die Süddeutsche) ein neues Ziel für ihre Runtermacherpropaganda gefunden zu haben.  Es heißt Lukas Podolski.

Das Spiel war nicht gut. Unsere Mannschaft konnte nicht ans Australienspiel anknüpfen. Das hatten wir uns zwar gewünscht, aber war es auch realistisch? Die Serben sind von anderem Kaliber. Eigentlich konnten wir das wissen. Und –  unsere Mannschaft hat, jedenfalls in der zweiten Hälfte, gut gespielt – obwohl nur noch 10 Spieler auf dem Platz waren.

Die Euphorie, die durch die Medien auch wieder so richtig gepusht wurde, war vielleicht nicht nur mir unheimlich. Können wir eigentlich nicht zur Abwechslung mal in den Normalgang schalten? Entweder ist alles superscheiße oder supertoll. Dazwischen geht nichts. Nur Superlative sind gefragt. Das geht einem doch wirklich auf den Senkel. Fußball ist Fußball. Da ist nicht jedes Spiel wie das andere. Muss man das wirklich feststellen? Scheinbar ja. Verdammt! Das war die gleiche – nämlich unsere Mannschaft, die da heute verloren hat. Die, die uns nur ein paar Tage zuvor so viel Spaß gemacht hat.

Ein gehaltener Elfmeter ist ein schlecht geschossener Elfmeter. So ist das. Und auch sehr zuverlässige Schützen können Elfer verschießen.

Die Debatte lappt ins Grundsätzliche, sie berührt die Frage, ob die junge deutsche Elf in der Lage ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. “Podolski oder Schweinsteiger”, das sei die Vorgabe für den Elfmeterfall, sagte Löw, wobei er das “o” sehr in die Länge zog: “ooooder Schweinsteiger”. Man ahnte, dass Löw lieber Schweinsteiger am Punkt gesehen hätte (schließlich hatte Podolski gerade erst zwei Edelchancen vergeben, musste also verunsichert sein), wobei man das aus der Logik der Dramaturgie natürlich auch andersherum sehen konnte (schließlich hatte Podolski gerade erst zwei Edelchancen herausgearbeitet, musste also strotzen vor Selbstvertrauen).
Quelle: WM 2010: Lukas Podolski – Eine falsche Entscheidung – Sport – sueddeutsche.de

Spiegel Online steht der Süddeutschen Zeitung natürlich nicht nach:

Und gegen Serbien? Da schnappte sich plötzlich Lukas Podolski den Ball. Ausgerechnet der Spieler, der vorher aus allen Lagen am Tor vorbeigeballert hatte, wollte diesen extrem wichtigen Strafstoß versenken. Podolski, gern auch “Prinz Poldi von Köln” genannt, lief selbstbewusst an, schoss den Ball flach, aber nicht hart genug. Der serbische Torwart Vladimir Stojkovic hatte keine Mühe, den Ball im Fallen zu parieren.
Quelle: Podolski, elf Meter und der Schiedsrichter: Der Prügel-Prinz – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Sport

Und Welt Online sattelt noch einen drauf:

Der deutsche Fußball galt weltweit fast schon als elegant. Das sieht jetzt wieder anders aus, wie unsere Korrespondenten berichten.
Quelle: Korrespondenten berichten: “Ich würde gerne einmal den Schiedsrichter tunken” – Nachrichten Sport – WM 2010 – WELT ONLINE

Nach einem verlorenen Spiel sind wir also nicht mehr elegant… Ahja.


Kommentare

  1. psychoMUELL meint:

    Vermutlich kommt dann beim Mittwochspiel: Jetzt werden wir doch noch Weltmeister ;-)

  2. Horst Schulte meint:

    Fußball ist im Grunde genommen ja so, jedenfalls was die “Begleitumstände” angeht. Aber ein bisschen weniger gegensätzlich könnte die Berichterstattung schon sein. Wie ich geschrieben habe: Heute ist alles Mist und morgen wieder alles super.