Das Bett unter der großen Brücke

Wer zum Zoo will und mit dem Auto anreist möchte auch gern einen Parkplatz finden, der nicht allzu weit entfernt liegt. Man kann unter einer Brücke parken. Der Zoobrücke, wenn ich das richtig sehe. Jedenfalls ist es eine Brücke. Früher war das kostenlos.

Es ist jedenfalls eine große Brücke unter der geparkt werden kann. Kostenpflichtig  – gegen 4 Euro Gebühren. Unsere Städte haben so große finanzielle Probleme, dass sie jede sich bietende Chance nutzen, um an ein paar Euros zu kommen. Es war dort heute viel los. So bin ich eine Weile auf dem Gelände herumgekurvt, bis ich endlich einen freien Platz gefunden hatte.

Begrenzung des Parkplatzes ist ein großen Stützpfeiler der Brücke. Er bildet die Rückwand des übergroßen Wohnzimmers. Eines Wohnzimmers, das wahrscheinlich mehrere Menschen miteinander teilen. Ein paar Stiefel stehen dort offen herum. Außerdem bilden sich einige mit Plastikplanen abgedeckte Gegenstände konturenhaft ab. Menschen sind nicht zu sehen. Sie werden wohl am Abend an diesen schrecklich uneinladenden Ort zurückkehren.  Zum Schlafen, weil sie hier ihre Bleibe haben. Obdachlose. Was das bedeutet kann keiner erahnen, der nicht selbst einmal in dieser Situation gesteckt hat. Wer aber einmal in diese Situation geraten ist wird sich kaum wieder aus ihr befreien können.

Deshalb werden die Gefühle für uns Sesshafte ein Geheimnis bleiben, die sogenannte Penner, Clochard oder Berber mit sich herumtragen. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Wir begegnen ihnen. Oder wir schauen kurz in ihre Wohnung und denken (vielleicht) kurz daran, wie schnell man selbst auch in diese Lage kommen könnte.

In Deutschland gibt es ca. 860.000 Wohnungslose. Eine Statistik über Obdachlose gibt es übrigens nur in Nordrhein Westfalen. Auf Bundesebene existiert keine Statistik!

Erbsensuppe ohne Speck

Kommentare

  1. Andreas meint:

    Ich frage mich dann immer, ob man in diesem Land wirklich obdachlos sein “muss”. Dann finde ich die Situation in der sich die Menschen befinden unerträglich, kann gleichzeitig aber für diesen speziellen Aspekt wenig Mitleid aufbringen.

  2. Horst Schulte meint:

    Das ist für mich eine ganz schwierige Frage. Ich kann darüber nicht urteilen und finde es verdächtig, wenn es jemand tut. Mir ist aufgefallen, dass es immer mehr Menschen gibt, die obdachlos sind. Vielleicht korreliert das mit der Zunahme von Menschen, die von Transferleistungen leben. Aber welche Schlüsse könnte man aus dieser Erkenntnis ziehen? Früher gab es nicht so viele Obdachlose. Mir ist die Zunahme der Obdachlosigkeit auch nur beiläufig aufgefallen. Und das natürlich in erster Linie in Großstädten. Aber auch hier bei uns auf dem Land gibt es wahrscheinlich mehr Menschen, die obdachlos sind. Mehr jedenfalls als in den 70er oder 80er Jahren. Dieses Leben sucht man sich doch nicht selbst aus. Oder glaubst du das?

  3. Andreas meint:

    Ich weiss es eben nicht. Mir wurde von den entsprechenden Fachbereichen kürzlich gesagt, dass es eben nicht so sein muss. Viele der Obdachlosen würden den Gang zum Amt scheuen – was ich vielleicht sogar nachvollziehen kann. Es erscheint mir aber selbst in unserem kalten Land schwer vorstellbar, dass jemandem wirklich gesagt wird “Schlaf’ unter einer Brücke!”.

  4. Horst Schulte meint:

    Ähnliches habe ich auch schon gehört. Es gibt darunter auch Leute, die es wirklich vorziehen draußen zu übernachten. Sie wollen nicht in die bereitstehenden Unterkünfte. Mich macht besorgt, dass die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen Jahren so wahrnehmbar zugenommen hat. In einer großen Stadt wie Köln sieht man das vor allem, wenn man abends und nachts durch die Stadt fährt. Solche Zahlen irritieren mich allerdings. Ich glaube dieser Statistik nicht!

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