Wie wäre eigentlich geredet worden, wenn diese Nationalmannschaft nicht über die Vorrunde hinausgekommen wäre? Enttäuschung und Vorwürfe an Spieler und Trainer. Das würde sich sicher wenig von dem unterscheiden, was sich in Frankreich und Italien in diesen Tagen abspielt.
Hätte es dann, wie in Frankreich, geheißen, dass diese deutsche Nationalmannschaft auch als Beispiel für gelungene Integration gescheitert wäre? Ich wünsche mir, dass wir diese Diskussion hier nicht erleben werden. Konfliktpotenzial ist auch bei uns auszumachen, wenn man gewisse Argumente in manchen Blogs zur Kenntnis nimmt. Wenn im Zusammenhang mit Fußball oder Sport im allgemeinen Begriffe wie “antideutsch” fallen, wird mir ganz anders.
Und vielleicht gelingt es uns ja auch irgendwann einmal, solche Bilder endgültig (selbst vor Fußball-Großereignissen) zu vermeiden:
Im Vorfeld deutsch-englischer Begegnungen zeigen Fotomontagen in der englischen Boulevardpresse die deutsche Nationalmannschaft schon mal in Wehrmachtsuniformen und mit Stahlhelmen:„Defeat the German Panzers!“ lautet die wenig an Fairplay erinnernde Aufforderung und sogar das deutsche Boulevardblatt mit den großen Buchstaben, das gerne nach großen „nationalen“ Siegen die ganze erste Seite mit schwarz-rot-goldenen Farben umrandet, kann da kaum mithalten.
Quelle: Migration – Integration – Diversity: DOSSIER Fußball & Integration
«Die Nationalmannschaft spiegelt die Gesellschaft wider»
Update: Ich habe bei Zettel einen, wie immer, toll geschriebenen Artikel gelesen, an dem mich schlussendlich aber dann doch etwas massiv gestört hat.
Zunächst eine Geschichte “aus dem Leben” bzw. aus einem Kommentar zu besagtem Artikel:
G. kommt nach der Stunde zur mir: “Jetzt müsst Ihr Deutschen uns Türken aber dankbar sein.” Ich: “Wieso?” G.: “Na, Özil hat doch das Tor geschossen. Jetzt hat ein Türke für Euch Deutsche das wichtige Tor gemacht, damit Ihr weiterkommt.” Ich: “Wieso denn ein Türke? Özil spielt in der deutschen Nationalmannschaft, und Özil ist ein Deutscher.” G.: “Nein, Özil ist ein Türke. Der hat nur einen deutschen Pass. Ich habe ja auch einen deutschen Pass, aber ich bin doch nicht deutsch. Ich bin Türkin! Eine Türkin kann gar nicht deutsch werden. Also ist Özil ein Türke, der für Euch in der Nationalmannschaft spielt.” Ich: “Nein. Schau: Die Eltern von Özil, die stammen aus der Türkei. Aber der Özil selbst ist in Deutschland geboren, ist hier großgeworden, der fühlt sich als Deutscher [habe ich mal behauptet], und deswegen ist er auch Bürger von Deutschland geworden.” G.: “Nein, ein Türke ist etwas ganz anderes als ein Deutscher. Man kann nicht aufhören ein Türke zu sein.” Ich: “Was ist denn das Besondere, wenn man ein Türke ist?” G.: “Das kann ich nicht erklären. Das verstehen Sie bestimmt nicht.” Ich: “Vielleicht doch – versuch’s mal.” G.: “Wir haben zum Beispiel unseren Stolz.” Ich: “Worauf seid Ihr denn dann stolz?” G.: “Zum Beispiel, dass wir keine … [überlegt, dann mit dem Ton der Geringschätzung] keine Araber sind.” Ich: “Schau, Araber oder Türken oder Deutsche sind doch nicht besser oder schlechter als jeweils die anderen. – Überleg doch mal: Deine Familie stammt aus der Türkei, aber Du bist hier geboren, Du gehst hier zur Schule, hier sind Deine Freunde in Deutschland – dann könnte man doch schon sagen, dass Du beides bist: Etwas türkisch von Deiner Familie und jetzt deutsch, weil Du hier lebst und so weiter.” G.: “Nein, ich bin nur türkisch.” Ich: “Aber Du hast doch einen deutschen Pass.” G.: “Ja, aber doch nur, weil das praktisch ist im Urlaub und so, und weil das viele Vorteile hat. Welchen Pass man hat, sagt nichts, was man eigentlich ist. Und überhaupt, es sind ja schon so viele Türken hier, uns gehört ja schon das halbe Deutschland.”
Quelle: RE: Özil, Einwanderung, Gauck
Möglich, dass sich dieser Dialog so zugetragen hat und mancher wird ihn für bezeichnend halten.
Zettels Versuch hingegen, sprachliche Mängeln bei Emigranten parteipolitisch zu begründen, finde ich ärgerlich. Zettel tut gerade so, als würde es in Nordrhein-Westfalen keinen Türken geben, der in der Lage wäre, hochdeutsch zu sprechen. Dieses ideologisch begründete Argument ist in meinen Augen sinnlos. Es könnte ja wohl auch möglich sein sein, dass Kinder und Jugendliche im Ruhrgebiet unter ganz anderen Umständen ihre Sozialisierung erfahren als diejenigen, die in ländlichen Gegenden in Bayern oder Baden-Württemberg aufwachsen? Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bei dem kürzlich veröffentlichten Vergleich gewisser schulischer Leistungen schön zu erkennen war, dass es insbesondere in den Stadtstaaten größere Probleme gibt. Es liegt nahe, dass die Integration dort aufgrund des deutlich höheren Migrantenanteile schlechter funktioniert und deshalb schulische Leistungen leiden. Aber natürlich: Solche Feinheiten gehen in ideologischen Auseinandersetzungen schnell mal unter.









wenn die Teams nur Geld bei Leistung bzw. ab Achtelfinale bekämen würden, ich denke sie wären viel motivierter!
Ooch – wo ist denn din schönes Icon hin..
?
Das glaube ich nicht.
Ich weiß nicht, inwieweit Du Dich mit der französischen Posse, die in Anelkas Äußerungen und dem folgenden Trainingsstreik gipfelten, beschäftigt hast. Es gärte schon weit vor der WM in dieser Mannschaft und vor allem um den Trainer. Italien ist mit einer vollkommen satten und uninspirierten Mannschaft in dieses Turnier gegangen. Die Erwartungen an diese Mannschaft hielten sich in für italienische Verhältnisse überschaubare Grenzen
Mit der deutschen Mannschaft ist es diesmal etwas anders. Daß diese Mannschaft mit bis dato ungekannten Tugenden aufwartet, wurde größtenteils positiv zur Kenntnis genommen. Es wurde auch mit Anlauf zur Kenntnis genommen, daß der Torschützenkönig der Liga, Kevin Kuranyi (den man auch als gelungene Integration bezeichnen kann), nicht dabei ist.
Natürlich wäre ein vorzeitiges Ausscheiden intensiv diskutiert und von der Blödzeitung angefeuert worden, aber sich nicht mit dem Tenor, daß die Integration fremdländischer Einflüsse, wie sie von Sami Khedira, Mesut Özil, Cacau, et al. gescheitert sei. Dafür gibt es inzwischen mit den bereits genannten und anderen, die nicht für deutsche Nationaelf spielen, aber eine deutsche Sozialisation durchlaufen haben und auch bei der WM dabei sind/waren – Joel Matip, Eric Maxim Choupo-Mouting (jew. Kamerun), Kevin-Prince Boateng (Ghana, wg. Ballack ein spezieller Fall) – noch andere Beispiele.
Was das Spiel am Sonntag betrifft:
Die englische Presse ist auch schon gemäßigter geworden…
@Stadtneurotiker: Vielleicht hast du recht. Die Verhältnisse in Frankreich und Italien sind anders und die Voraussetzungen für die Teilnahme an der WM vor allen Dingen. Aber ich traue uns (Deutschen) in dieser Beziehung nicht ganz über den Weg. Der Gedanke, der dazu führte, diesen kleinen Artikel zu schreiben, lag offenbar nahe. Einige andere Blogs haben ihn ebenfalls behandelt. Diese Artikel habe ich erst danach gelesen. Ganz so abwegig war unter Einbeziehung dieser Texte mein Hinweise also dann doch nicht.
Nein. Wollen wir hoffen, dass es friedlich bleibt und wir morgen ein tolles Fußballspiel zu sehen bekommen. Die WM kann ja jetzt richtig los gehen. :fussball:
Sei’s drum. Was die englische Presse anlangt hast du auf jeden Fall recht. Ich habe mir die Online Versionen angesehen und bisher noch nichts wirklich Schlimmes gefunden. Aber noch ist ja auch nicht Montag
Ergänzwend zu meiner obigen Antwort: a href=”http://www.allesaussersport.de/archiv/2010/06/26/wm2010-achtelf-uruguay-%E2%80%93-sudkorea/#15h27″>Die Equipe Tricolore nach der WM.
Im Falle des nicht unwahrscheinlichen Ausscheidens morgen glaube ich nicht mal eine Entlassung Löws durch den DFB.
Was die deutsche Integrationspolitik betrifft: das jahrzehntelang geschlafen worden. Man hat Dinge schön geredet (Rot-Grün) oder ignoriert (Schwarz). Es ist beschämend, daß eigentlich erst ein Thilo Sarrazin kommen muss, der mit diffamierenden Terminus eine längst überfällige Debatte anfeuert, aber dennoch in einigen Punkten recht hat. (Das viel zitierte Interview in Lettre ist wirklich hochinteressant!)
Die Bilanz wäre noch wesentlich schlimmer, wenn es nicht eben die Sportvereine, Musikschulen, etc. gäbe, die hinter den Kulissen einen großen Anteil an gelungener Integration haben. Man sieht es u.a. an unserer Nationalmannschaft.
Der DFB braucht niemand zu entlassen – der Vertrag von Löw läuft aus. Und wenn sie den NACH dem Ausscheiden verlängern… :daumr:
Genau das hatte ich ja gemeint. Aber vielleicht könnte es damit schnell vorbei sein, wenn die Mannschaft (die ja so noch nicht viel zusammen gespielt hat) z.B. gegen England untergehen würde. Aber das wollen wir schließlich nicht hoffen. Ich tippe mal: :fussball: :0 Deutschland. Schöner wären :fussball: :fussball: :fussball: Das habe ich heute auch schon gelesen. Ganz schön euphorisch die Leute. Es müsste eben immer WM sein.
@Horst Schulte: Ei wei – du bist ja ganz euphorisch. Ich hoff nur, das die irgendwie weiterkommen. Und wenn die Engländer dazu ein Eigentor schießen müssen. DENEN gönn ich nämlich garnix! :nee: :nee:
Es kling so ein bisschen danach als wolltest du schon einen Verantwortlichen finden, den man ggf. in die Wüste schickt. Ich würde den Jogi aber gern behalten. Und die Engländer spielen im Moment ja auch nicht sooo stark. Also, Chancen haben wir schon. Ein Eigentor käme natürlich immer gelegen.
Der Jogi und der Zwanziger – die Atmosphäre ist doch vergiftet – egal was beide sagen. Aber, das werd ich schon während des Spiels merken, wie das ausgeht…
1966 bin ich auch nach dem 0:1 schon rausgegangen. Und hab mir das Drama nur von außen angehört. Hoffentlich kann der Schiri die Enländer auch nich leiden, grins! :fussball:
Erst ein Eigentor von Rooney, und dann 2 Egnländern die rote Karte wegen “Schiedrichter-Umschubsens”. DAS wärs. Und dann kommt der Podolski “aus der Tiefe des Raums” – vielleicht trifft er ja dann…
?
Wie du gehst raus, wenn Deutschland das 1. Tor schießt?
Komisch. Bei mir passiert sowas jedenfalls nicht. Meine Frau geht aber raus, wenn’s zu spannend wird. Wir gewinnen morgen und Jogi bleibt. Zwanziger kann ja gehen. Der ist ohnhin ims pensionsfähigen Alter.
@Horst Schulte: Na, dann hab ich halt das 2:1 für England gemeint. Ich hab auf jeden Fall im Urin gehabt, das das nich gutgeht. Trotz des 2:2. Ab da war ich wohl draußen. Für diesen Sieg hätten sich die Engländer schämen müssen – in Grund und Boden. Und der Schiri 5x. 3x Pfui! :nee: :nee: :nee:
Vielleicht hilft ja, wenn ich ordentlich “tröte”?, grins. Gleich probier ichs aus! “Trööt, trööt”. :fussball: :fussball: :fussball: