Monatsarchiv: Juni 2010
Über die Wiederkehr der jüdischen Frage…
Unterschiedlicher können Menschen nicht sein. Beide sind Intellektuelle, brillante dazu. Beide sind Juden. Der eine hat die Zeit des Holocaust bewusst erlebt und ist dennoch zeit seines Lebens in Deutschland geblieben. Er wird geschätzt, bewundert und wohl auch -zumindest ein bisschen- geliebt. Und das nicht erst, seit er 90 Jahre alt geworden ist! Vielleicht auch nicht von allen aber doch von sehr vielen seiner deutschen Landsleute. Der andere dagegen ein so genannter kritischer Geist. Ein scharfzüngiger Zyniker, an dem sich die Geister scheiden. Einer der mit Deutschland und den Deutschen nie im Reinen war und es wohl auch nie sein wird.
Jener Mann, dessen Aussagen über uns Deutsche meiner Meinung nach oft richtig, manchmal überzogen und nicht selten einfach falsch sind, wurde ein Jahr nach Kriegsende in Kattowitz, Polen, geboren, und er versteht es, wie kaum ein anderer deutscher Publizist, sich über unseren Umgang mit unserer Vergangenheit zu mokieren und war uns dabei ein Stachel im Fleisch. Heute hat er wieder etwas Salz in die Wunde gestreut. Nein, vergessen lässt uns dieser Henryk M. Broder nichts. Rein gar nichts, wenn es mit dem zu tun hat, was in die Menschheitsgeschichte als Holocaust einging und –zum Glück- auch nicht die Art und Weise, wie wir uns mit dieser geschichtlichen Verantwortung seitdem auseinandergesetzt haben.
Er hielt die Laudatio auf Marcel Reich-Ranicki, dem heute in der Frankfurter Paulskirche die Ludwig-Börne-Ehrenmedaille verliehen wurde. Wieder war Broder der unbequeme Mahner. Er mahnte Reich-Raniki, seine eigene Popularität in Deutschland für Israel einzusetzen. Das empfand ich als unverschämt, weil man solche Appelle nicht während einer Laudatio vom Stapel lässt. Aber Broder ist eben nicht “man”. Broder ist eitel und er weiß, das er sich damit in die Seiten des deutschen Feuilletons redet. Das kann er sich nicht verkneifen. Also agitierte er als Netanjahus Sachwalter gegen die Hamas und Gaza und gegen linke deutsche Abgeordnete, die sich unterstanden haben, sich vor den Karren der Hamas spannen zu lassen. Man kann sich gegen diese Aktion wenden, sie harsch kritisieren aber war diese Laudatio dafür der richtige Rahmen, der richtige Anlass?
Reich-Ranicki ist zeit seines Lebens ein unpolitischer Mensch. Welche Motivation, wenn nicht die von mir unterstellte Eitelkeit, könnte Broder also wohl sonst haben? Ihm geht es darum, die kritische Lage Israels in der Öffentlichkeit wachzuhalten. Das ist nachvollziehbar. Aber ich frage, welchen Anteil die israelische Regierung an der immer weiter fortschreitenden Eskalation hat? Aber solche Fragen darf man als Deutscher nicht stellen. Sofort wird so etwas als Hinweis auf einen mindestens versteckten Antisemitismus gewertet. Das hängt vielen am Hals heraus! (weiterlesen …)
Wer macht eigentlich bei die Gesetze?
Der Leitfaden soll Ihnen als Orientierungshilfe dienen, rechtsverbindlich ist er nicht.
Quelle: BMJ | Leitfaden zur Impressumspflicht
Den Hinweis auf diesen Quatsch fand ich in der neuen c’t (Heft 13, 7.6.2010). Ich meine mich zu erinnern, dass dieser Satz auch schon zu Zeiten der letzten Bundesjustizministerin (SPD) so dagestanden hat. Natürlich gab es auch damals schon genügend Leute, die sich, wie ich finde zu Recht, darüber aufgeregt haben.
Unter der FDP-Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat man also offenbar auch noch keine Zeit gefunden, sich mit diesem für Blogger, Shop-Betreiber bzw. überhaupt für Webmaster schon ziemlich bedeutende Frage, einen Kopf zu machen. Stattdessen nimmt man sich mit einem solchen Satz mal locker aus der Verantwortung.
So werden sich sicher ab und an immer noch ein paar findige Rechtsanwälte irgendwelcher Lücken in diversen Impressums bedienen und damit andere Menschen ordentlich ärgern. Man könnte ja fast glauben, dass solche “Lücken” durchaus gewollt sind. Die Arbeitsplatzsicherheit, jedenfalls bei angestellten Anwälten soll ja auch nicht mehr die Beste sein. Und auch für freischaffende Kollegen kann man ja mal was tun. Und wenn es nur Unterlassen ist. Man beachte in diesem Zusammenhang auch gerne einmal die Zusammensetzung unserer Parlamente im Hinblick auf die vertretenen Berufsgruppen (ca. 23% aller Abgeordneten sind Juristen).
Endlich eine schöne Linkliste im Querblog
Endlich habe ich jetzt, dank Crazy Girl eine richtige Linkliste. Ich finde, sie ist richtig schön geworden.
Das Plugin «WordPress Blogroll Widget with RSS Feeds», das Crazy Girl entwickelt hat, ist einfach zu handhaben und bringt einen Komfort mit, den ein Template Tag von WordPress einfach nicht bieten kann.
Die Reihenfolge ist zufällig, so dass alle verlinkten Blogs auch mal ganz oben zu stehen kommen.
Merkel und ihre machtpolitischen Ränkespielchen
Im Presseclub der ARD ging es heute um die Kandidaturen zur Bundespräsidentenwahl. Auch dort waren alle Journalisten einhellig der Meinung, dass Joachim Gauck Christian Wulff vorzuziehen wäre. Merkels Vorgehen bei der Nominierung ihres Kandidaten wurde dabei als besonders kritisch und unverständlich bezeichnet.
Einmal ganz abgesehen davon, welche Wirkung die öffentliche und heftige Diskussion noch auf Wulff und seine Kandidatur haben können und dass man sicher wieder davon sprechen kann, dass die Würde des Amtes durch die Kandidatendiskussion beschädigt wird, besteht ja immerhin die Möglichkeit, dass Wulff ein guter Bundespräsident werden könnte. Aber wie heißt es immer: Das Bessere ist der Feind des Guten. Und das ist in der Person von Joachim Gauck wohl durchaus parteiübergreifend ausgemacht.
Sehr interessant fand ich, was in diese Diskussionsrunde als Legende hineingetragen wurde: Die SPD hatte Merkel demnach Joachim Gauck als Kandidaten vorgeschlagen und der Kanzlerin sogar angeboten, dass sie den Vorschlag als den ihren in die Öffentlichkeit trägt. Merkel hat dieses Angebot wohl aus machtpolitischen Gründen nicht genutzt. Vermutlich tat sie dies, weil sie nicht an Deutschland, sondern an die CDU und ihren eigenen Machterhalt dachte. Könnte ihr das auf die Füße fallen? Die FDP wird mit der Art und Weise, wie dieser Prozess abgelaufen ist, gelinde gesagt, nicht ganz zufrieden sein können. Auch in der Union gibt es viele Befürworter des Kandidaten Gauck. Man hört, dass innerhalb der CDU bereits organisiert wird, dass zur Bundesversammlung nur “zuverlässige” Kräfte entsandt werden sollen. Stimmvieh nennt man so etwas wohl. (weiterlesen …)
Willst was auf die Fresse, eh?
In Europa gibt es eine mehr und mehr zunehmende Aversion gegen Muslime. Das ist jedenfalls meine Feststellung. Deshalb ist das Ergebnis der Studie eines gemeinsamen Forschungsprojektes des Bundesinnenministeriums und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen zur Entwicklung von Gewalttätigkeit unter jungen Muslimen für viele auch keine Überraschung. Es entspricht einem Bild, an dem viele mitgewirkt haben. Durchaus nicht nur jugendliche, gewalttätige Muslime.
Unabhängig davon, dass wir auch in unserer Familie schon negative Erfahrungen mit gewalttätigen Muslimen gemacht haben und ich schon deshalb nicht ganz unvoreingenommen an das Thema herangehe, darf nicht übersehen werden, dass es auch dabei zwei Seiten gibt.
Die Studie stellt fest, dass junge Muslime deutlich aggressiver auftreten als junge Männer mit anderen Religionszugehörigkeiten.
Das sind dann wohl die Gruppen junger Männer, die nicht nur in Fußgängerzonen insbesondere älteren Passanten ein mulmiges Gefühl vermitteln. Es wird erzählt, dass diese jungen Männer ältere Leute nicht passieren lassen, jedenfalls nicht ausreichend Platz machen. Überfälle auf alte Frauen finden statt, Handtaschen werden entrissen und das keineswegs nicht nur in Großstädten. In ländlichen Gemeinden wie Bergheim oder Quadrath-Ichendorf sind solche Zwischenfälle leider ebenfalls sehr häufig.
Wenn junge Männer keine Arbeit haben und, was viel schlimmer ist, auch mittel- und langfristig keine Perspektive sehen, sich in unserer Gesellschaft eine Zukunft aufzubauen, sollten wir uns vielleicht nicht darüber wundern, dass dabei einiges in die Brüche geht. Die erlebte, tief empfundene und natürlich verletzende Ablehnung der eigenen Person schlägt dann häufig in Aggressivität um. Um diesen Zusammenhang zu sehen und zu verstehen, muss man kein Psychologe sein. Das sagt uns der normale Menschenverstand. Wer keine Aufgabe hat, keinen Platz in einer Gesellschaft, kann krank werden, ungerecht oder eben aggressiv gegen andere.
Zwischen Christen und Muslimen herrschen nicht die gleichen Voraussetzungen – schon in der Schule. Das wissen wir. Es gibt genügend Erkenntnisse darüber, dass Kinder aus türkischen Arbeiterfamilien schon aus sprachlichen Gründen in den Schulen schlechte Voraussetzungen haben und damit oft keine Chance eine Berufsausbildung zu absolvieren.
Nun hat man also herausgefunden, dass junge Muslime aggressiver sind als junge Christen. Diese Religion fördert eine brutale Machokultur, heißt es dort. So jedenfalls wird es in dem SpOn-Bericht «Jung, muslimisch, brutal» (allein schon dieser Titel!) festgehalten und viele werden sich fragen, was unsere Politiker mit diesem Wissen nun anfangen werden.
Die Ergebnisse der Studie aus Hannover sollen unter anderem auch in die Diskussionen bei der Deutschen Islamkonferenz einfließen. Wie soll man sich das vorstellen? Bestimmte Gruppen von Migranten sind dort schon nicht mehr vertreten, weil diese der Auffassung sind, dass das Thema Diskriminierung von Muslimen in Deutschland nicht hinreichend behandelt wird. Und nun kommt diese Studie auf den Tisch, die doch so viel Neues nicht aussagt. Außer vielleicht, dass sie mit wissenschaftlich fundierten Aussagen daherkommt. (weiterlesen …)
Merkels Vokabular: Unabdingbar und alternativlos
Wenn Merkel Worte wie “unabdingbar” benutzt haben wir schon eine unheilschwangere Ahnung. Es kommt, was kommen muss! Zuletzt war immer die Rede vom “alternativlosen” Euro-Unterstützungspaket.
Da ist es unabdingbar, dass wir in dem Verhältnis von Zukunftsinvestitionen zu Sozialausgaben eine neue Austarierung machen
Quelle: Sparpolitik: Merkel will Sozialausgaben kürzen | Politik | ZEIT ONLINE
Es wird also wohl auch um Hartz IV gehen. Vor dem Treffen des Kabinetts hat sie sich heute noch ein paar Ratschläge beim russischen Präsidenten Dmitri Medwedew geholt. Die Umsetzung solcher Maßnahmen dürfte in Russland, dem Land der lupenreinen Demokraten, ein wenig leichter von der Hand gehen.
Sie hat natürlich recht. Es will auch niemand Steuererhöhungen. Da muss man an den Effizienzen schleifen, die Strukturen der sozialen Sicherheit schleifen, äh effizienter machen meine ich natürlich. In den nächsten Jahren müssen zur Erreichung der selbst definierten Schuldenbremse 10 Mrd. (mindestens) eingespart werden. Herr Hundt hatte sich darüber ja bereits einen Kopf gemacht. Er fand ja auch, dass von diesen 10 Mrd. doch 6 Mrd. bei den Arbeitslosen zu holen sein müssen. Das nennt man in solchen Kreisen wohl auch sozial ausgewogenes Sparen. Die Kanzlerin scheint ein Einsehen zu haben und steuert aufs gleiche Ziel zu.
Eis am Stiel wird 105
Es erstaunt mich immer wieder, auf welche Weise manche Erfindung zustande kam und auch, wie alt sie schon sind.
Das Eis am Stiel wird in diesen Tagen 105 Jahre alt. Ein gewisser Frank Epperson hatte seine Limo draußen vergessen. So entstand der erste Eislutscher. Die Idee (Popsicle) hat er sich später, fast 20 Jahre danach, patentieren lassen. (Quelle)
Aber was nützt einem schon Eis am Stiel, wenn ein Kühlschrank fehlt? Den aber gibt es schon seit 1834, und er wurde auch schon kommerziell vermarktet. Carl von Linde hat 1876 als deutscher Ingenieur und Unternehmer die Erfindung maßgeblich weiterentwickelt.
Eine Mehrheit für Gauck. Und? Wen juckt’s?
Solche Umfragen sind nie repräsentativ. Aber wenn man sich die veröffentlichte Meinung in dieser Tage vergegenwärtigt, so ist wohl klar, dass Joachim Gauck das bessere Ende für sich hat.
Die Unterschiede zwischen Christian Wulff und dem Gegenkandidaten der SPD und den Grünen sind so gravierend, dass bei einer direkten Wahl die Entscheidung wohl deutlich zu Gunsten Gaucks ausfiele.
Sehr gut herausgearbeitet werden diese in zwei Portraits, die man heute morgen im Kölner Stadt-Anzeiger lesen kann (auch Online).
«Porträt: Gauck gilt als begnadeter Redner»
«Porträt: Christian Wulff ist fürs Amt wie gemacht»
Am 30.6. kein WM-Spieltag
Am 30.6. findet kein Spiel der Fußballweltmeisterschaft statt. Trotzdem wird dieser Tag wohl sehr spannend für uns werden.
Es hat sich gelohnt, so lange aufzubleiben
Weil ich ja irgendwie nicht mehr ins Kino komme, bin ich dankbar, wenn mal wieder (was selten genug ist) ein toller Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft. Am Donnerstag stand, leider etwas spät, “Departed – Unter Feinden” von Martin Scorsese auf dem Programm. Der Film startete einiges später, weil die ARD bereits vom Fußball erfasst wurde und Waldemar Hartmann und die Seinen ihren Plausch über das vorangegangene Spiel irgendwie nicht zum Ende brachten.
Für mich war die Verschiebung, der späte Sendetermin allgemein, nur deshalb kein Problem, weil ich mir wieder einmal einen Brückentag gegönnt hatte. Die kurzweilige und spannende Handlung tat ihr übriges. Keine Spur von Müdigkeit stellte sich ein.
Ein tolles Schauspielerensemble gab eine Meisterleistung ab. Jack Nicolson war als Gangsterboss Frank Costello einfach brillant. Die Situation, in der Colin Sullivan (Matt Damon), ihn erschoss erinnerte mich, was Nicolsons Aussehen angeht (Entschuldigung), ein bisschen an seine Maske als Joker (Batman). Störend fand ich den Slang, der auch in diesem Scorsese-Film wieder breiten Raum fand. Ohne diese Ausufernden Gewaltszenen geht das heute wohl nicht mehr. Michael Ballhaus hat diese Gewaltorgien allerdings diesmal so fotografiert, dass ich nicht wieder so bedient war, wie bei “Gangs of New York”.





