Monatsarchiv: Juli 2010

Ich bin ein bescheidener und unwissender User

Juli 31, 2010 10 Kommentare »

Mein PC-Equipment ist nicht das teuerste. Aber ich weiß, was ich will. Dachte ich jedenfalls. Der ideale Kunde zur Beratung bin ich wohl nicht, weil ich zum einen jedem Verkäufer erst einmal mit einer skeptischen Grundhaltung gegenüber trete. Hat der Ahnung oder will der mir nur was verkaufen? Zum anderen bin ich von dem Glauben beseelt, dass mein Sachwissen für den Kauf einer neuen PC-Mouse schon ausreichen wird.

31072010142.jpg Dabei habe ich, wenn ich ehrlich bin, den Überblick für das Angebot rund um den PC schon längst verloren. Aber man braucht sich angesichts des massenhaften Angebotes dafür wohl nicht zu schämen. Aber ärgern, ärgern darf man sich später schon. Jedenfalls, wenn sich herausstellt, dass man unnötig Geld ausgegeben hat.

Ich hatte vor ein paar Jahren eine sehr schöne Tastatur mit Maus von Logitech gekauft. Über die Umstände habe ich hier (was sonst?) natürlich auch gebloggt. Zu diesem Prachtstück war ich nämlich nach der Reklamation einer diNovo, einem echt schönen Teil –auch von Logitech- gekommen (einem Vorgänger von dieser). Bei meiner Suche nach dem Artikel stelle ich fest, dass diese Geschichte des Tastaturenwechsels meiner damaligen Löschaktion (Stichwort: Finger.Zeit.net) zum Opfer gefallen ist.

Ende letzter Woche habe ich ein Fachgeschäft aufgesucht und mich dort nach PC-Mäusen umgesehen. Meine süße kleine Logitech-Maus (man gewöhnt sich ja so an die Dinger…) hat angefangen zu spinnen. Alle Reinigungsversuche, Batterieaustausch und De- und Neumontage schlugen fehl. Sie mochte nicht mehr. So etwas soll ja vorkommen. Sie hat sich eben überarbeitet. Also habe ich sie in den Mäusehimmel entlassen.

Ich stand vor einem ca. zehn Meter langen Regal, voll gepackt mit PC-Mäusen aller erdenklicher Art. Gamermäuse, Mäuse mit und ohne Kabel, Lasertechnik, PS/2, USB, Serial, optomechanisch, LED mit optischem Sensor und all der Kram eben, mit dem man eigentlich nichts anzufangen weiß. Obwohl man doch die verschiedenen Techniken und Qualitätsmerkmale, die den täglichen Umfang mit diesem unverzichtbaren Werkzeug zur PC-Bedienung prägen, irgendwie ja schon geläufig sind. Wenn man zwischen der Maus im Büro, der am Desktop-PC oder am Notebook (von den Pads will ich erst gar nicht anfangen) hin und her wechselt, merkt man –je nach dem- deutlich Unterschiede.

Also besann ich mich zunächst einmal darauf, welchen Unterschied ich denn persönlich am stärksten wahrnahm.

Wie liegt die Maus in der Hand und wie fühlt es sich an, wenn man die linke oder rechte Maustaste drückt? Da fand ich den Service des PC-Händlers gut, der (fast) alle Mäuse ausgepackt zum Antatschen durchnummeriert aufgereiht hatte. Angeschlossen waren sie nicht. Das wäre wohl auch wirklich des Guten zu viel gewesen. So probierte ich 25 verschiedene Mäuse aus und klickte, was das Zeug hielt. Meine Favoriten lagen zwischen 50 und 80 Euro. Alle von Logitech. Das war mir zu teuer.

Fast war ich so weit, mir eine Logitech für 79,95 zu nehmen und von Zweifeln erfüllt (wegen des Preises) zur Kasse zu wandern. Da – endlich kam ein junger Mann auf mich zu und bot mir Hilfe an. Uff. Dankbar ließ ich seinen Redeschwall (man redete der schnell) über mich ergehen. Er drehte mir ein Mäuschen zu 17,90 Euro an. Damit könne ich nichts falsch machen und die andere wäre ja schließlich auch nichts anderes als eine PC-Maus.

Das war letzten Freitag. Seitdem war ich mit meinem Arbeitsplatz (zu Hause) nicht mehr im Reinen. Ich will das Produkt nicht schlecht machen. Wirklich nicht. Es ist vermutlich seinen Preis wert.

Heute war ich mit meiner Frau in Köln. Dort habe ich mir eine neue Maus gekauft. Nein, wir haben nicht zu viel Geld! Sie war mein Gejammer einfach leid. Sie hat mich unterstützt und nun bin ich wieder froh und glücklich. Das fehlende Werkzeug passt wieder zum Rest dazu. Ein Traum. Mein Mäuschen und ich sind wieder eine Einheit. Es hat allerdings mehr als dreimal so viel gekostet wie das andere Produkt und es verhält sich auch entsprechend. Ist das eine Wohltat.

Das Logitech Produkt hört auf den Namen: “Anywhere Mouse MX” und seine Features überzeugen. Am spektakulärsten finde ich die Möglichkeit, zwischen den offenen Windows – Fenstern hin und her zu wechseln.

Mouseswitcher

Wenn ich die Produktbeurteilungen auf der Google Produktseite lese, kann ich mich beruhigt zurücklehnen. Ich glaube, ich habe im zweiten Hinfassen die richtige Entscheidung getroffen.

Die andere PC-Mouse habe ich meinem Notebook-Gepäck beigefügt. Damit werde ich unter der Woche im Hotel sicher prima klar kommen. Die noch ältere Logitech-USB-Mouse (mit Kabel) habe ich meinem Vorrat für etwaige Ersatzbedarfe zugewiesen. Man kann ja nie wissen und die funktioniert einfach immer. Das ist ein beruhigendes Gefühl.

Übrigens soll die Logitech “Anywhere Mouse MX” auch auf Glas arbeiten. Das habe ich noch nicht ausprobiert.

Schwarz steht ihm gut

Schwarz steht ihm gut
Juli 31, 2010 4 Kommentare »



Elephant, ursprünglich hochgeladen von Horst Schulte

Seit heute habe ich (endlich) mal wieder einen neuen Bildschirmhintergrund..

Schließlich ist die WM jetzt lange vorbei. (q_q)

Hier kann man den Elefant downloaden.

Download Spaß bei computerbild.de

Lauschangriff beim Frühstück im Hotel

Lauschangriff beim Frühstück im Hotel
Juli 30, 2010 3 Kommentare »

Am Nachbartisch saßen drei SAP-Berater. Es ging nicht um meine Firma. Aber witzigerweise haben auch wir am 1. Juli unser ERP-System auf SAP umgestellt. Die “Beratungsphase” liegt also quasi im Großen und Ganzen gerade hinter uns.

In den letzten Monaten waren eine Reihe SAP-Berater bei uns im Hause. Allerdings übernachteten diese nicht in diesem Hotel und sie waren außerdem von einem anderen Unternehmen — und zwar einem mit sehr guten und qualifizierten Mitarbeitern, wie ich gern hinzufügen möchte. Zwischen den Beratern und unseren Leuten (ich war Mitglied des Teams) gab es eine ausgesprochen angenehme, produktive und kollegiale Zusammenarbeit.

Zurück zu meinem Lauschangriff: Es fand ein angeregtes Gespräch über die Mitarbeiter des Unternehmens statt, für das diese Herren gerade beratend tätig sind. Dazu nur so viel: So spricht man nicht über Kunden! Egal, wie sauer man vielleicht auch sein mag. Es könnte nämlich jemand mithören, der vielleicht einen der “besprochenen” Leute kennt. In einer Kleinstadt wie dieser ist das nicht einmal unwahrscheinlich. Es wurden Namen genannt, einen kannte ich. Aber ich kann ja schweigen. *ROFL*

Foto Verena N. / pixelio.de

Wir erkennen sie an ihren Worten

Wir erkennen sie an ihren Worten
Juli 29, 2010 11 Kommentare »

Nach den letzten Einlassungen Sauerlands zu seiner Verantwortung kann ich meine bisherige Position nicht mehr aufrecht erhalten. Er muss zurücktreten. Möglichst schnell.

Dennoch finde ich eine solche Headline unmöglich. Einen Menschen als Untoten (Zombie) zu bezeichnen ist Welt Online nicht würdig. Aber es passt natürlich andererseits durchaus ins Gesamtbild der Stimmung.

von Zombies im Rathaus


Demoskopische Katastrophe für die Regierung: Demokratie und Verantwortung

Demoskopische Katastrophe für die Regierung: Demokratie und Verantwortung
Juli 28, 2010 9 Kommentare »

Ich nehme die Nachricht vom Umfragen-Niedergang der Regierung weniger als Nachweis für deren schlechte Arbeit und schon gar nicht als Bestätigung der Oppositionsarbeit. Mitnichten! Sie ist vielmehr ein Beleg dafür, dass wir -die gesamte deutsche Öffentlichkeit- jedes Maß und Ziel aus den Augen verloren haben. Unsere so genannte Politik- oder von mir aus Politikerverdrossenheit lässt sich, das ist meine große Besorgnis, ganz schnell ummünzen in eine ja ebenfalls bereits beschworene Demokratieverdrossenheit.

Wer weiß, ob nicht doch die braunen Horden schneller zurück sein könnten, als wir uns das vorstellen. An manchen Ecken Deutschlands und im Internet warten sie schon. Und die Presse spielt ihnen in dem Sinne mit überzogenen und maßlosen Kritiken in die Hände.

Wir wundern uns noch darüber, dass Politiker der ersten Reihe quasi reihenweise das Handtuch werfen. Die Medien suchen die Verantwortung wiederum bei der Politik, in diesem Fall bei Angela Merkel.

Ob irgendeiner in den Chefredakteursetagen schon mal darüber nachgedacht hat, wie man sich fühlt, wenn man verbal in der Art und Weise verprügelt wird, wie es bei uns an der Tagesordnung ist? Ich weiß, viele werden sagen, dass solche Dinge z.B. in den angelsächsischen Ländern viel stärker ausgeprägt und an der Tagesordnung ist. Aber wir sind in dieser Hinsicht viel gründlicher. Wie so oft. Typisch deutsch eben.

Bitte, darüber können wir ruhig mal denken. Und zwar bitte, bevor man sich darüber echauffiert, dass ich als Demokrat angeblich nicht weiß, dass Diskurse, auch der härteren Art, einfach zum politischen Leben dazu gehören. Ich erinnere an Köhlers Rücktritt und daran, dass sich die Medien nicht mehr darüber einkriegten, dass er dies getan hat, “nur” weil man ihn kritisiert habe. Wir besitzen eine schlechte Streitkultur. Das gilt nicht nur für Politiker.

Wir neigen zu regelrechten Empörungsritualen. Folgerichtig neigen wir zu groben Übertreibungen. Zudem sind die Grenzen zur persönlichen Diffamierung längst aufgehoben.

Union fällt in Umfrage auf Zehn-Jahres-Tief,  Reuters

Foto Daniel Kempken – pixelio.de

“Focus” in neuem Kleid

“Focus” in neuem Kleid
Juli 27, 2010 9 Kommentare »

Ein Relaunch auf das die Welt gewartet hat, ist es wohl nicht. “Focus Online” gehört auch für mich nicht zu den Seiten, die man täglich anschaut. Natürlich habe ich auch sie in meinem Feed-Reader aber da muss ich sagen, dass mir “Spiegel Online” doch erheblich mehr zusagt. Das ist übrigens im Vergleich der beiden Print-Version kein bisschen anders. Der “Spiegel” führt gegenüber “Focus” um Längen. Und – nur der Ordnung halber- das hat keine ideologischen Gründe.

Seite heute sieht “Focus Online” also so aus:


Wenn ich mich nicht irre, ist die Ausrichtung jetzt zentriert, während sie zuvor (wie u.a. bei “Spiegel Online”) linksbündig war. Die Seite kommt ein bisschen aufgeräumter daher als vorher. Die “Weißanteile” sind beachtlich. Die Optik ist nicht umwerfend. Auch in Sachen Design finde ich persönlich “Spiegel Online” deutlich überlegen. Von den Inhalten will da gar nicht erst anfangen.

Verantwortung übernehmen?

Juli 27, 2010 5 Kommentare »

In Duisburg muss endlich jemand Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe übernehmen – unabhängig von der juristischen Klärung der Schuldfrage

via stern.de

Ich frage mich, was Journalisten umtreibt, die solche Forderungen stellen. Wem wäre damit geholfen, wenn sich jetzt jemand hinstellt und erklärt: “Ich übernehme die Verantwortung”.

Die Presse hätte endlich jemanden, den sie zerzausen könnte, aber den Opfern würde das nicht gerecht. Und darum sollte es doch wohl gehen. Oder? Viele der Journalisten, die über das Unglück von Duisburg berichten, haben ihrem Beruf keine Ehre gemacht.

Vielleicht hat das etwas mit dem Sommerloch zu tun und es keine anderen Themen gibt. Jedenfalls nervt es.

Posted via email from Auf Krawall gebürstet

Hängt ihn doch an den nächsten Baum!

Hängt ihn doch an den nächsten Baum!
Juli 26, 2010 36 Kommentare »

Entgegen anderslautenden Meinungen, gerade im Internet, zeugen Bürgermeister Sauerlands Aussagen zur eigenen Verantwortung davon, wie tief betroffen er von den schrecklichen Vorgängen während der Loveparade in Duisburg ist und das er sich im Klaren darüber ist, wer diese zu tragen hat.

Der in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) schließt seinen Rücktritt inzwischen nicht mehr aus, will aber zunächst im Amt bleiben. In einer schriftlichen Stellungnahme lehnte er einen sofortigen Rücktritt ab. "Heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen (…) Auch unsere eigene Rolle gilt es dabei zu beleuchten: Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen." Die Forderungen nach einem Rücktritt als Oberbürgermeister Duisburgs könne er jedoch verstehen.
Quelle: Die Kölner Polizei übernimmt – Kölner Stadt-Anzeiger

Für seine Kritiker indes scheint das alles keine Rolle zu spielen. Man fühlt sich wie im Wilden Westen. Wenn es keine Sheriffs gäbe würden er und noch ein paar andere Verantwortliche gehängt. Jeder kleine Pisser glaubt, er müsse seinen Senf dazu geben. Und das in einer Art und Weise, die in unserem Land einreißt. Man wartet nicht ab. Man hört nicht zu. Man schlägt drauf. Hart und rücksichtslos.

Am Tag nach dem Unglück wurde Sauerland beim Besuch der Unglücksstelle von wütenden Trauernden beschimpft und mit Müll beworfen [3] [4] Die Webseite von Adolf Sauerland zeigt seit Montag nach der Katastrophe nur eine schwarze Fläche ohne jeden Kommentar. Auch scheinen die gesamten Unterseiten nicht mehr erreichbar zu sein.
Quelle: Adolf Sauerland – Wikipedia

Das mit der schwarzen Fläche stimmt. Allerdings ist dort inzwischen ein Text zu lesen:

Persönliche Stellungnahme von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland zum Loveparade-Unglück am 24. Juli "Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen. Doch heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Ich habe der Verwaltung bereits gestern Nachmittag eine Reihe von Fragen vorgelegt, die schnellstmöglich zu beantworten sein werden. Wir werden unsere Erkenntnisse unverzüglich der Staatsanwaltschaft mitteilen und diese darüber hinaus uneingeschränkt in ihrer Arbeit unterstützen. Auch unsere eigene Rolle gilt es dabei zu beleuchten: Wenn sich die Stadt etwas vorzuwerfen hat, dann werden wir Verantwortung übernehmen. Ich kann das Geschehene nicht ungeschehen machen. Dies ist eine unfassbare Tragödie und wir sind nicht in der Situation, behaupten zu können, das Leid der Opfer und der Angehörigen auch nur ansatzweise nachvollziehen zu können. Ich kann erahnen, wie nah hier Wut und Trauer beieinander liegen. Es gibt bohrende und drängende Fragen, auf die nun Antworten gefunden werden müssen. In einer eigens einberufenen Verwaltungsvorstandskonferenz habe ich daher alles Erforderliche veranlasst, um die Arbeit der ermittelnden Behörden uneingeschränkt zu unterstützen. Doch die notwendige Aufarbeitung des Unglücks spiegelt natürlich nur eine Seite wider. Die Frage, ob wir uns etwas vorzuwerfen haben, beschäftigt mich ganz persönlich, lässt mich nicht ruhen. Die in diesem Zusammenhang genannte Forderung nach einem Rücktritt als Oberbürgermeister Duisburgs kann ich nachvollziehen. Und dennoch müssen wir uns die Zeit nehmen dürfen, zunächst die schrecklichen Geschehnisse aufzuarbeiten. Ich will mich ausdrücklich auch an die Angehörigen der Verstorbenen wenden und auch an diejenigen, die Kinder, Verwandte und Freunde verloren haben oder die verletzt wurden: Es tut mir unendlich leid. Ihr Schmerz ist nicht teilbar. Ich weiß, dass Sie von mir Antworten erwarten. Ich kann Ihnen diese heute nicht geben. Aber ich werde Ihnen diese geben, sobald sie vorliegen. Die Stadt trauert mit Ihnen, auch ich ganz persönlich. Ich bin in Gedanken bei Ihnen."
Quelle: Homepage von Adolf Sauerland

Man braucht Schuldige und man findet sie. Das geht ratzfatz und dann gibt es kein Federlesen.

Ich versuch’s mal mit zwei Vergleichen — auch wenn das immer gefährlich ist: Wenn jemand 30 Jahre unfallfrei Auto fährt und es kommt dann zu einem selbstverschuldeten Unfall – was glaubt ihr, passiert mit dem Fahrer? Er wird seine Strafe erhalten und mit den Folgen seines Fehlers klar kommen müssen. Wenn ein Kind dabei verletzt wird oder vielleicht Schlimmeres wird der Fahrer in der öffentlichen Meinung niedergemacht. Die 30 Jahre unfallfreies Fahren nützen ihm überhaupt nichts.

Wenn ein Arzt nach 30 Berufsjahren einen Fehler macht, der einem anderen Menschen das Leben kostet, wird er dafür zur Rechenschaft bezogen. Jedenfalls, wenn alles mit rechten Dingen zugeht. Ich gehe davon aus, dass das auch in diesem Fall passieren wird. So viel Zutrauen habe ich in die in solchen Fällen zuständigen Personen und Institutionen.

Besagter Fahrer oder Arzt werden im Zweifelsfall schwer genug an ihren Fehlern zu tragen haben. Braucht es in diesen Fällen Aufforderungen wie diese? Ich binde solche Aktionen erbärmlich. Auch wenn ich die Wut und Verzweiflung von Freunden und Angehörigen nachvollziehen kann, die Öffentlichkeit könnte sich ein wenig mehr zurückhalten. Aber sie tut es nicht. Auch, weil die Medien solche Ereignisse wiederum aus völlig anderen Gründen befeuern.

«Bürgermeister attackiert: Wut und Trauer in Duisburg»
«Bodyguards müssen Duisburger Bürgermeister schützen – News Panorama: Vermischtes – tagesanzeiger.ch»
«Verletztenzahl deutlich gestiegen – Bürgermeister wird zum Hassobjekt tt.com – aktuelle News – Nachrichten – Tageszeitung»

Auf Facebook finden Tiraden statt, die jeder Beschreibung spotten. Eine Streitkultur haben wir nicht mehr. Der Mob beherrscht die Szene mehr und mehr.

Foto KFM – pixelio.de

Das wirkliche Leben mit Twitter

Juli 25, 2010 8 Kommentare »

Nachdem wir die Infos hatten, wollten wir nur noch zügig nach Hause, weg aus Duisburg. So ging unser erster Gang zum Bahnhof und siehe da: Zugverkehr eingestellt – Schienenersatzverkehr. Die Busse wurden von tausenden Menschen belagert und sobald der Bus kam, stürzten die Menschen da rein wie die Irren – ohne Rücksicht auf Verluste. Tina und ich kamen irgendwie mit zig blauen Flecken mehr in einem Bus. Aber ich muss sagen, obwohl ich BVB Fan bin und überfüllte Busse kenne, habe ich zeitweise gedacht, die zerquetschen mich einfach. Da pressten sich Leute noch in dem Bus, obwohl er zu voll waren und die Türen nicht mal mehr zugingen. Nach einer Ewigkeit ging die Fahrt los. Wir haben 60 Minuten für ca. 30 km zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gebraucht und zum Ende hin, konnte ich absolut nicht mehr. Meine Klaustrophobie (nicht Platzangst – danke an @MarcoVau), die ich nebenbei bemerkt habe, ließ sich nicht mehr unterdrücken und so schnürrte sich innerlich mein Hals zu und mir wurde richtig schlecht. Doch der Busfahrer fuhr und fuhr…dank Twitter, dank Euch, konnte ich mich ablenken und ihr habt Euch rührend um mich gekümmert.

Eine Besucherin der Loveparade erzählt – auch davon, welche Rolle Twitter für die Leute während des Desasters und danach gespielt hat.

Posted via email from Auf Krawall gebürstet

Ein Versuch, es zu verstehen

Juli 25, 2010 2 Kommentare »

Fußgängerströme
Ein Durchgang mit gegebener Breite lässt nur eine gewisse Anzahl von Menschen pro Zeiteinheit durch, und diese Zahl ist selbst unter idealen Bedingungen überraschend klein. Durch einen Ausgang gegebener Breite gelangen nach den Angaben aus der einschlägigen Literatur zwischen 80 und 120 Menschen pro Meter Durchgangsbreite und Minute. Für den Duisburger Straßentunnel kommen wir damit auf eine ideale Kapazität von 75.000 bis 115.000 Menschen pro Stunde, sofern die Fußgänger ungehindert durch den Engpass strömen können. Das ist natürlich schon deswegen nicht gegeben, weil in diesem Fall der Eingang auch gleichzeitig der Ausgang ist. Wie gefährlich eine Situation ist, in der Menschen aus zwei verschiedenen Richtungen in einen begrenzten Raum drängen, demonstrieren unter anderem die vergleichbaren Katastrophen in Mekka und auf der Mihong-Brücke in China.

Das habe ich aus einem sehr interessanten Artikel entnommen, der sich darum bemüht, mit ein paar grundlegenden Überlegungen eine Erklärung für das schreckliche Unglück in Duisburg zu finden. Sehr interessant!

Posted via email from Auf Krawall gebürstet