Es ist ein “heißes Eisen” und man kann die Entscheidung des BGH umdeuten als Einstieg in die Qualitätskontrolle der In-vitro-Embryonen. Uns Deutschen wird nachgesagt, wir seien technikfeindlich. Die Gentechnik kommt kam bei uns schlecht voran. Daran soll es gelegen haben.
Die Politiker und Wissenschaftler haben sich die Sache nicht leicht gemacht. Und das sicher nicht nur, weil sie wussten, dass die Gentechnik bei der hiesigen Bevölkerung skeptisch gesehen wird, sondern natürlich deshalb, weil sie auch ihrer eigenen, ganz persönlichen Verantwortung unbedingt nachkommen wollten.
Nach meinem Eindruck werden die seinerzeit gemachten strengen Regeln immer mehr aufgeweicht. Man könnte auch sagen: Der Fortschritt ist eben nicht aufzuhalten. Aber trifft es das oder muss man eher davon sprechen, dass die Lobbyisten auch in dieser Frage hervorragende Arbeit geleistet haben? Die Zeit spielt den Leuten in die Hände, die massive Kapitalinteressen haben und denen moralische Bedenken nicht unbedingt unterstellt werden können.
Eigentlich ist es doch schön, gut und auch richtig, dass Paare, die auf normalem Weg keine Kinder bekommen können, mithilfe des technischen Fortschritts, doch noch ihren Nachwuchs in ihre Arme schließen können. Diesen Menschen und nicht zuletzt auch ihren Kindern wird etwas Großartiges geschenkt. Der Technik sei Dank. Vielleicht wird auch Gott ein Einsehen haben, sprach er doch angeblich davon, dass wir uns die Erde untertan machen sollten. Gut, wir wissen, dass die katholische Kirche das ein wenig anders sieht und offengestanden finde ich ihren Standpunkt auch durchaus berechtigt. Und wenn er nur dazu dient, diejenigen ein wenig einzubremsen, die im Namen des Fortschritts so gut wie alles tun würden.
Machen wir uns nichts vor. Die ehemals in guter und sehr begründeter Absicht in die Gesetzgebung eingeschlossenen Reglements werden nach und nach immer mehr aufgeweicht. Würde es “nur” den Menschen dienen, wäre es vielleicht immer noch ein bedenklicher Vorgang, denn es wird von manchen klugen Köpfen nicht ohne Grund in solch existenziellen Fragen gern davor gewarnt, immer das technisch Machbare zu realisieren. Hätte man solche Gedanken jemals ernsthaft abgewogen, gäbe es heute manche Waffensysteme nicht. Wir lebten aber heute dann nicht in dieser modernen Welt und eine Wohlstandsentwicklung hätte es wohl auch nicht gegeben. Das gilt, ob man es nun mag oder nicht.
Es gilt Maß zu halten. Gerade in so überragend wichtigen ethischen Fragen. Und es ist deshalb gut, dass immer wieder neue Diskurse entstehen. Diskurse, die an eine Weiterentwicklung der gesamten Thematik anknüpfen. Wir lernen dazu, und wir müssen das Gelernte entsprechend bewerten und verarbeiten.
Der BGH hat eine Entscheidung getroffen, die teilweise sehr kritisch gesehen wird. Ich las folgenden Leserbrief im Kölner Stadt-Anzeiger, den ich hier gern wiedergeben möchte:
Mit diesem Urteil sind wir der Eugenik ein gutes Stück näher gekommen. Erst werden Embryonen erzeugt, dann gecheckt auf ihre Qualität. Natürlich sagt der BGH, dass es nur um schwerwiegende Schäden gehe. Ein frommer Wunsch der Richter. Es lohnt sich, hier zu schauen, dass genau das Gleiche für Pränataldiagnose versichert wurde. Seien wir ehrlich, die Dynamik wird für die PID ebenfalls dazu führen, dass erst der Begriff der Schwere ausgedehnt wird und dann der Zwang für zukünftige Eltern entsteht, eine Qualitätskontrolle ihrer In-vitro-Embryonen zuzulassen als ein Zeichen ihrer “Verantwortung”. Der Druck der Gesellschaft wird es richten. Zur Erinnerung: In manchen Ländern ist Mädchensein eine schwere Behinderung. (Prof. Dr. Charlotte Esser, Köln)
Dies ist die Lesart, fürchte ich, der wir uns anschließen müssen.
Foto: Unopaella / pixelio.de
Das ist doch nun wirklich pures Gutmenschengequatsche!
Tierversuche haben wieder zugenommen
Schreib mal wieder








[...] schwere Behinderung Geschrieben von Horst Schulte, Querblog, 12/07/2010.Übersetzt von Admin. Hier der Original-Artikel auf DeutschDer Artikel wurde auch übersetzt auf: Der deutsche Bundesgerichtshof hat vor kurzem ein [...]