Letzter konzernfreier Supermarkt im Rhein-Erft-Kreis schließt

Ende des Monats schließt der Supermarkt Loosen in Quadrath-Ichendorf. Das klingt nicht danach, als sei das etwas Besonderes. Für die 13 Menschen, die aufgrund dieser Schließung ihren Arbeitsplatz verlieren, ist es das schon. Aber für uns? Supermärkte gibt es doch wahrlich genug bei uns in Deutschland. Eher zu viel als zu wenig.

Aber – dieser Supermarkt ist der letzte konzernfreie Markt im gesamten Rhein-Erft-Kreis. Er wird in der 3. Generation als Familienunternehmen geführt. Peter Loosen, der heutige Inhaber, ist seit 45 Jahren im Geschäft und will sich nun zur Ruhe setzen. Er verhandelt derzeit mit verschiedenen Interessenten.

Foto Thorben Wengert - pixelio.de

Ich denke, dass hinter der Behauptung gegen eine schier übermächtige Konkurrenz eine Lebensleistung steht, die ihresgleichen sucht. Immer wieder einmal gab es Gerüchte, dass Loosen sein Geschäft aufgeben würde. Wirklich überraschend wäre es nicht gewesen, und die vielen treuen Quadrather Kunden hätten ihre Besorgungen dann bei einem der vielen Konkurrenzanbietern (in der nahen Peripherie) gemacht. Aber Loosen hat es den Zweiflern gezeigt. Erst eine Krankheit, an der er vor zwei Jahren erkrankte, hat ihn dazu veranlasst, nun sein Geschäft aufzugeben.

Die Handelslandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert und diese Veränderung hat längst nicht ihren Stillstand gefunden. Die Bedeutung des Internets wird immer größer, so dass der stationäre Handel selbst in Branchen, in denen man das vielleicht anfangs nicht für möglich gehalten hätte, massiven Veränderungen unterworfen ist.

Wir kennen das: “Geiz ist geil” und “Ich bin doch nicht doof”: Der Verbraucher (also wir) läuft mit fliegenden Fahnen zu neuen Vertriebsformen über. Der Preisvorteil entscheidet – nichts anders! Über die damit verbundenen Konsequenzen denken wir zunächst nicht nach. Nicht weil wir zu blöd sind, sondern weil wir gelernt haben, unseren Vorteil zu suchen. Weitergehende Überlegungen finden nicht statt.

Krass wird es, wenn wir selbst unseren Job verlieren, weil das Unternehmen nicht mehr weitergeführt wird, es im harten Wettbewerb (den wir mit verursachen) nicht mehr bestehen konnte. Dann ist das Gejammer groß.

Ich hoffe, dass es dazu auch wiederum eine Gegenbewegung gibt, die stark genug ist, eine gute und vernünftige Alternative zu sein. Dabei denke ich zum Beispiel an den Handel mit Bio-Lebensmitteln, der wirtschaftlich erst stark und einträglich wurde, weil das massenhafte aber qualitativ nicht immer ansprechende Angebot der großen Discounter und Supermarktketten geradezu nach einem Gegenmodell verlangte.

Umso höher muss man es einschätzen, dass Loosen sich in diesem Umfeld so gut und so lange behaupten konnte.

«Nach 75 Jahren ist nun Schluss – Kölner Stadt-Anzeiger»

Foto Thorben Wengert – pixelio.de