Diese Schere ist im Familienbesitz seit 1976. Sie sieht ein bisschen abgegriffen aus aber sie schneidet immer noch 1 a. Sie gehörte zu unserer Aussteuer, als wir einst unseren Hausstand gegründet haben. Nichts aufregendes. Jede Familie, zumal, wenn sie lange besteht, wird solche Werkzeuge ihr eigen nennen können.
Warum erzähle also überhaupt davon und mache mir zudem noch “die Mühe”, das Ding zu fotografieren. Ganz einfach. Es gibt eine kleine Geschichte, die dazu gehört und die ich persönlich nicht vergessen habe.
Als meine Frau und 1976 geheiratet haben brachte meine Frau ihre Aussteuer mit in die Ehe. So etwas gab es damals noch (heute auch?). Es handelte sich um Tischwäsche, Bettwäsche, Porzellan und bestimmt noch andere Dinge. Unsere Verwandten schenkten uns zur Hochzeit eine ziemliche Menge von dem, was man zur Gründung eines Hausstandes vermeintlich so alles braucht. Ich glaube, einige Teile davon haben wir bis heute nicht benötigt. Ich will nicht sagen, was das sein könnte. Es könnte ja jemand mitlesen und am Ende noch beleidigt sein. Aber -leider gehört auch das dazu- nach der langen Zeit sind viele unserer Tanten und Onkels leider nicht mehr unter uns. Eigentlich sogar die meisten.
Damals waren meine Frau und ich noch ohne Führerschein. Meine Frau war 21, ich 22. Beide hatten wir noch nicht den Führerschein. Heute ist das unvorstellbar. Auch unsere Freunde hatten ihn längst und viele fuhren ihr eigenes Auto. Wir kamen auch so klar. Schließlich fuhren Busse und Bahnen, und außerdem waren wir beide es nicht anders gewöhnt. Entweder wir liefern die 4 km zur Disco, oder wir nahmen den Bus. Ich erinnere mich immer noch an das Gefühl, wenn sonntags der letzte Bus um 21.30 Uhr nach Quadrath-Ichendorf fuhr und wir uns für eine halbe Woche voneinander verabschiedet haben. Die knapp 20 km konnte man mit dem Rad zwar auch absolvieren aber schon damals war ich dazu wohl ein bisschen zu faul.
Wir fuhren mit dem Bus ins Städtchen, weil wir uns ein paar Kochtöpfe kaufen wollten. Die fehlten dringend. Pizza- oder Gyros-Service gab es damals noch lange nicht – jedenfalls auf dem Land. Koch dir was, hieß die Devise und wenn es nur um eine Portion Gulasch aus der Dose ging, die warm gemacht werden sollte. Wir wussten genau, wo wir einkaufen wollten. Es gab nämlich nur ein Haushaltswarengeschäft im Ort. Unsere ach so erfolgreichen Schnäppchenjäger von heute werden dafür nun überhaupt kein Verständnis aufbringen können. Ebay, Amazon, Media oder Saturn warteten noch auf ihre Gründung. Man musste entweder das Angebot im Ort nutzen oder einige Kilometer weiter entfernt nach Bergheim oder (noch weiter) ins ca. 30 km entfernte Köln “reisen”.
Wir kauften schöne bunte Töpfe. Die wurden, der Einfachheit halber, in einigen großen Plastiktüten verstaut, damit wir sie besser transportieren konnten – im Bus. Uns fiel ein, dass wir dringend noch eine Haushaltsschere benötigen. Wir suchten uns eine aus. Es war nicht die auf dem Foto. Dann waren wir bereit, unsere Neueinkäufe nach Hause zu schaffen. Irgendwie erinnere ich mich, dass das ein schönes Gefühl war. Und das, obwohl die Töpfe beim Transport klapperten wie verrückt. Wir kamen also per Bus und den Rest des Weges zu Fuß nach Hause und packten aus. Die Töpfe, die Schere und räumten die Sachen ein.
Wir ärgerten uns, dass die gekaufte Schere schon nach ganz kurzer Zeit kaputt ging. Also holten wir uns eine neue. Diese war von Zwilling und kostete ein Vielfaches von dem, was wir für die erste bezahlt hatten. Heute wissen wir, dass dies eine gute Investition war. Nach 34 Jahren kann man diese Feststellung wohl ohne Übertreibung und mir vollem Recht treffen. Die Moral von dieser Geschichte ist weder neu noch irgendwie aufregend: Was nichts kostet ist auch nichts. Diese schlichte Erfahrung habe ich in meinem Leben doch schon sehr oft gemacht. Zu oft jedenfalls, um nicht etwas Wahres an diesem Sprichwort festgestellt zu haben.












@Horst:
Erst mal was OT, zum Blog: hast du irgendwas “gefummelt”? Bei mir sind für einige Artikel keine Benachrichtigungsmails gekommen! Beispiel: der mit deiner neuen Maus, oder der mit den Statistiken.
Ich hab gedacht: warum schreibt denn keiner nix. Waren aber doch neue Kommentare (als ich geguckt hab) – nur eine Mail war nicht da. Hmm, hmm. Muß ich da jetzt irgenswo ein Häkchen machen?. Was? Wie?
Zur Schere: ich hab eine ganze Menge, meistens hab ich die bei Norma, Lidl etc. nach Aussehen gekauft. Aber eine kleine Nagelschere hab ich auch schon “ewig”.
Und die, die ich als “große Schere” benütze, die hab ich von meiner 2001 gestorbenen Tante geerbt. Sie ist von einer kleinen Firma in Solingen: “J. Kretzer” steht drauf. Meine Tante hat die sicher auch schon ein paar Jahre gehabt. Ich müßte sie mal säubern. Rost seh ich zwar nicht, aber ein paar? Ablagerungen, wenn man mal was klebriges geschnitten hat. Schneiden tut die aber noch wie Sau – und auch die Schraube in der Mitte muß ich noch nicht wieder nachziehen (billige sind da ja nur vernietet).
Scheren schleifen ist übrigens gar nicht so einfach – ein “Unwissender” am Schleifstein kann die schnell für immer ruinieren. Dann bleibt nur noch “Tonne”. Ich hab das mal gekonnt. Ein Werkzeugmacher (der damals so alt war, wie ich jetzt) hat mir das vor 37 jahren mal “richtig” beigebracht. Ganz so gut und schnell wie der mit seiner Erfahrung hab ich das zwar nicht gekonnt – aber die Meisterinnen von den Abteilungen, wo sie gebraucht wurden, haben sie mir dann schon anvertraut.
Heute müßte ich wohl erst ein bißchen üben, ich hab das ja ewig nicht mehr gemacht. Dann würd ichs mir aber zutrauen. Vielleicht fast so gut, wie der “alte” Werkzeugmacher damals, aber nur fast.
Aaber, das beste kommt jetzt! Und das ist 150% die Wahrheit! Ich will dich NICHT veräppeln! Dieser ältere Kollege hieß Hugo – ganz richtig Hugo hieß der. Nachnahme ist mir nicht mehr ganz erinnerlich.
Du hast recht. Das Plugin war ausgeschaltet. Jetzt müsste es wieder gehen. Danke für deinen Hinweis. Zu deinem Kommentar melde ich mich morgen. Ich muss jetzt ins Bettchen. Der Ackermann hat mich zermürbt.
Eigentlich habe ich zu diesem Artikel gar nichts zu sagen. Ich will aber dennoch kommentieren, nur um Dir, lieber Horst, mitzuteilen, dass es Artikel wie dieser sind, die den Grund dafür darstellen, dass ich dein Blog nach wie vor so gerne lese. Elegant von einem kleinen Gegenstand und seinen Erinnerungen über Berichte von früher hin zu generellen Lebensweisheiten, unterhaltsam und persönlich – dein Stil ist einfach zu schön, um ihn nicht mehr täglich genießen zu wollen.
@Jürgen: Ich hätte keine Idee, wie man eine solche Schere wieder scharf kriegt. Bisher haben wir sie noch nie schleifen lassen. Ich musste nur ab und zu man die Schraube, die die beiden Teile zusammehält.
@Karsten: Ich danke dir vielmals für die netten Worte. Ich dachte nicht, dass jemand meine (wie sagte Boche mal:.. verqueren Texte) als in einem so netten Sinn als elegant bezeichnen würde. Über deinen Kommentar habe ich mich sehr gefreut.