Neu waren die Vorhaltungen, die dem Textilunternehmen KIK im ARD-Beitrag von gestern Abend gemacht werden, nicht. Mitarbeiter werden mies behandelt und in den weltweiten Produktionsstätten (wie in Bangladesh) geht es zu, wie man es erwartet oder zum Teil im TV auch schon gesehen hat – auch über anderer Hersteller von billigen Produkten. ![]()
Ich denke, wir sind längst so abgestumpft, dass von einem solchen Beitrag außer der Befriedigung der eigenen Sensationsgier und einer kurzzeitig aufwallenden Empörung nichts, nicht das Geringste übrig bleibt. Es wird keine signifikanten Umsatzrückgänge geben, denn die Deutschen werden weiter bei Kik kaufen. Dabei wäre ein Boykott der Produkte das einzige adäquate Mittel, solche Machenschaften wirksam zu bekämpfen. Meine Frau und ich gehen nicht zu Kik einkaufen. Wir können es uns leisten, die Nase zu rümpfen. Aber die, die auf jeden Cent schauen müssen, können sich diesen Hochmut nicht erlauben.
Im Übrigen wissen wir, dass es genug andere Unternehmen gibt, die ebenfalls miese Methoden anwenden, um Erträge zu erwirtschaften. Money is the name of the game. Zudem wollen wir doch der wirtschaftlichen Entwicklung dieser armen Länder und im Speziellen den Verdienstmöglichkeiten (25 Euro im Monat bei 6 Arbeitstagen á 10 Stunden) dieser bedauernswerten Näherinnen im Beitrag nicht etwa entgegen stehen. Oder etwa doch? Alles ist schließlich sozial, was Arbeit schafft. Dieses Mantra unserer aktuellen Regierung ist uns doch in Fleisch und Blut übergegangen. Oder nicht?
Nein, wir gönnen das den Leuten nicht. Kein menschenwürdiges Leben für die da in Asien. Das ist so weit weg. Unser Auskommen, unseren Job, unsere Lebensbedingungen wollen wir schützen. Da kennen wir nix. Das steht uns zu! Auch wenn es unsere Gleichgültigkeit ist, die nach einem solchen Film überwiegt und wir selbst keinen aktiven Beitrag zur Ausbeutung anderer Menschen leisten, der Unterschied zu den Methoden, die uns gestern Abend zur Primetime vorgeführt wurden ist wohl nur der, dass wir nicht aktiv “tätig” in solche Machenschaften verwickelt sind.
Ich hoffe, dass wenigstens einige die Nase gerümpft haben? Und heute gehen wir zur Tagesordnung über. OK?












Tja – die neue Maus, die ich jetzt für den Mac nehme (Arc Mouse von MS) die haben auch keine fleißigen Fachleute hier im Kämmerlein zusammengenietet. Kommt aus China, steht ja drunter.
Ob ich ein schlechtes Gewissen habe? Die Maus kostet laut Liste 50,-, bei Amazon 39,- – ich hab sie bei Horten für 25,- entdeckt. Sowas läuft hier/da wohl nicht so – deswegen der günstige Preis. Und sie funktioniert gut – ich kann den Mac auch mal parallel betreiben, ohne per KVM-Switch umzuschalten. DAS weiß ich. Deine neue Logitech kommt auch da her – das weiß ich auch ohne hinzugucken… :harry:
Well, für ein Trigema Wellness T-Shirt aus abbaubarer Bio-Baumwolle kriege ich bei KIK gleich 26! T-Shirts, aber als armer Hartzer (eigentlich nicht mal das mehr) …
Aber ihr Reichen solltet natürlich schon ethisch korrekt kaufen.
@Jürgen und @Klaus: Gut, ihr wollt nicht nachdenken. Nicht einmal das. Dann macht weiter und wundert euch, dass die Welt bleibt wie sie ist. Aber wahrscheinlich wundert ihr euch auch darüber nicht.
Das Problem ist nun mal, dass das wichtigste Kaufkriterium der Preis ist. Einfach nur der Preis, nichts anderes. Das sieht man auch schön im Internet. Wenn man dort etwas kaufen möchte, geht man auf eine Preisvergleichsseite und kauft es ganz einfach dort, wo es am günstigsten ist. Alles andere ist für die meisten Leute Nebensache. Ja, es ist traurig, aber es ist nun mal leider so.
Ich kaufe grundsätzlich nicht bei Kik, habe das auch noch nie, weil diese Läden m.E. schon vom sichtbaren Auftritt her klar all das aussagen, was solche Reportagen später zuverlässig und regelmäßig aufdecken.
Dabei aber ganz sicher vermutend, dass die Produktonsfabriken in den genannten Ländern natürlich nicht exklusiv für Kik und Konsorten produzieren.
Beim Fressen hört die Moral auf (Berthold Brecht).
Das Problem hat Wurzeln die heute weniger bedacht und schon erst recht nicht artikuliert werden:
Menschen, die aus anderen Ländern hierher eingewandert sind und bis dahin auf Lehmboden gelebt haben hatten nichts anzuziehen, was sie nicht selbst ‘produziert’ bzw. erworben haben – sie haben schon Billigware gekauft als sie noch in ihrer Heimat lebten, warum also sollten sie sich hier anders verhalten? Wer noch nie in seinem Leben ein qualitativ hochwertiges Bekleidungsstück in Händen hatte kennt nicht den Unterschied. [Deswegen ist mein vorheriges 'statement' bitte NICHT als Ausländer-bashing zu verstehen!]
Ich nehme nochmal das Beispiel “Schuhe” als Muster heraus:
Ein hochwertiger, handgefertigter Lederschuh kostet ca. € 240,- – ein Turnschuh aus Plastik & (wenn man Glück hat) auch noch Gummi kostet (sogenannte “Markenware”, die sich von den “no-names” für € 10,- lediglich durch ein Firmenlogo(!) unterscheidet) ca. € 120,- …. wo ist da noch die Relation?
Und vor allem: Die ‘produzierenden Arbeiter’ haben nichts davon, daß für minderwertige Ausgangsstoffe soviel Geld bezahlt werden muß – sie darben, während die Zwischenstufen, Importeure, dann im Groß- & Einzel-Handel etc. in jeder Ebene eine Verdoppelung des Preises bewerkstelligen ….
Ein Wort an den Hartz-Mann oben:
Die Misere hier hat etwas damit zutun, daß Viele den Zusammenhang nicht erkennen:
Indem man im Ausland Billigware produzieren läßt erhält man im heimischen Markt einen Hebel die Arbeitnehmer entweder auszubeuten oder ihnen zu kündigen …! Ein Boykott der Billig-Ketten wäre demnach zwar kurzfristig für alle Beteiligten schwer und steinig, aber auf lange Sicht könnte sich die Situation auch hier verbessern ….
@Peach: Man sieht das Verhalten sogar bei Lebensmitteln. Eigentlich sollte man meinen, dass uns gerade diese so wichtig wären, dass wir mehr auf Qualität und weniger auf die Preise achten. Wenn dann aber ein Skandal publik wird ist das Gejammer immer laut und groß. Wir sind nicht bereit, für gute Lebensmittel mehr Geld zu bezahlen. Lieber wird geraucht und gekifft und natürlich gesoffen. Aber für “normale” Lebenmittel ist man nicht bereit einen reellen Preis zu bezahlen. Das stinkt mich gewaltig an. Übrigens auch, wenn man sich anschaut, wie verhältnismäßig klein der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel im Verhältnis zu anderen Ausgaben im Haushalt ist.
@Boris: Ganz klar. Die Produktionsstätten werden ganz bestimmt auch von anderen Herstellern genutzt. Dass ist eine der Seiten der Globalisierung, die uns die Neoliberalen schmackhaft machen wollen. Schlimm ist, dass das in dieser Konstellation sogar bestens funktioniert. Da nützt es wenig, dass du und ich nicht einen Fuß in diese Läden setzen.
@Schleimi: Ja, Brecht beschreibt den Ist-Zustand. Ich meinte den Soll-Zustand. Aber wenn sich keiner anstrengt ist das eher sinnlos. Übrigens hat der nicht auf Rosen gebettete Hartz IV – Empfänger wenigstens finanzielle Mittel, die fast 20 x so hoch ist, wie das ca. 14fache der Textilarbeiterin in Bangadesh. Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn alle so denken. Aber gut, ich verhalte mich doppelt so penetrant wie ich es normalerweise in dieser Frage machen würde. Das gleich deine Bockigkeit aus
@Wvs: Den Zusammenhang sehen viele nicht. Wir bringen uns durch unser eigenes Verhalten um unsere Zukunft – jedenfalls, wenn wir nicht aufpassen. Letztlich wird es irgendwo auf der Welt immer Leute geben, die die gleiche Arbeit für viel weniger ausführen werden. Und das ist durchaus nicht nur bei Jobs der Fall, für die man keine oder nur eine nicht hoch qualifizierte Ausbildung benötigt. Auf der anderen Seite kann man sagen, dass sich die Verlagerung von Arbeitsplätzen heute schon wieder anders darstellt als noch vor einigen Jahren. Es gibt ja auch Firmen, die die Arbeitsplätze wieder nach Deutschland zurückholen. Das hat verschiedene Gründe. Diese werden allerdings rein betriebswirtschaflticher Natur sein. Aus volkswirtschaftlichen Gründen wird das wohl niemand tun. Unter diesem Aspekt könnte man auch Verständnis für die aufbringen, die nur dort einkaufen, wo es am billigsten ist. Nur ist das in meinen Augen eben zu kurz gedacht.