Wenn ich irgendwo zum Essen eingeladen bin, lobe ich danach entweder die Kochkünste der Gastgeber, oder ich halte den Mund. Das ist abhängig davon, ob es mir geschmeckt hat oder nicht.
Viele würden das vielleicht anders halten. Ich kann mich an ein Fondue-Essen erinnern, zu dem meine Frau und ich vor Jahren einmal eingeladen hatten. Leider wussten wir nicht, dass einer der Gäste weder Saucen noch Salat mochte. Und Fleisch aus dem Fondue-Topf war aus uns unerfindlichen Gründen auch nicht sein Ding. Der Gast begnügte sich mit ein paar Scheiben Brot. Ein Fiasko für die Gastgeber.
Richtig unangenehm war diese Erfahrung aber dadurch, dass dieser Gast seine Abneigung gegen dieses und jenes den Abend über detailliert begründet hat. Am Ende war es so, dass wir das Gefühl hatten, irgendwie alles falsch gemacht zu haben. Als ausgesprochener Fondue-Freund, der ich Zeit meines Lebens bin, hat mir das den Abend richtig versaut.
Michael Mann (24) behauptet im Kölner Stadt-Anzeiger, dass zu viele Menschen “Angst vor der Wahrheit” hätten. Ich muss ihm recht geben. Ich hätte ein Problem damit, einem Kollegen zu sagen, dass er stinkt. Schließlich weiß man nie, wie er reagieren würde. Freunde macht man sich mit dieser Ehrlichkeit nicht. Jedenfalls im ersten Moment.
Ich hatte in einer Abteilung, die ich leitete, einmal einen älteren Mitarbeiter, der von den anderen, überwiegend jüngeren und weiblichen Kolleginnen sowieso schon ziemlich gemieden wurde. Er war ein stiller Mann mit größeren gesundheitlichen Problemen. Neben einem starken Körpergeruch roch er jeden Tag schrecklich nach Knoblauch. Ich musste mit ihm reden. Kein Kritik- oder Stress-Gespräch mit irgendeinem Mitarbeiter ist mir jemals so schwer gefallen, wie dieses. Es sagt sich nicht so leicht: “Sie stinken”. Ganz egal, wie man es auch formulieren könnte. Die Ansage musste sein. Sie war schrecklich unangenehm. Viele werden das kennen. Gerade jetzt im Sommer – insbesondere an heißen Tagen ist es der eigenen Leistung und dem Wohlbefinden ausgesprochen abträglich, wenn man einen (Entschuldigung!) “Stinkstiefel” in seiner Umgebung hat.
Es ist richtig, dass der Kollege nur dann eine Chance hat, auf andere zu reagieren, wenn diese ihm ein eindeutiges Signal geben. Die Wahrheit ist dann unverzichtbar. Zum einen deshalb, weil sich sonst nichts ändern würde und zum anderen auch deshalb, weil der betroffene Kollege mehr und mehr gemieden würde. Vielleicht hat er nicht einmal eine Ahnung, weshalb das der Fall ist. Er würde sich seinerseits ausgestoßen, vielleicht sogar gemobbt fühlen.
Ich weiß, wie empfindlich ich selbst bin. Wenn mir einer sagen würde, dass ich heute aber furchtbar nach Knoblauch (was garantiert der Fall ist, weil ich es oft und gern esse) stinke, wäre ich wohl zuerst einmal sauer. Ich versuche, dem zuvor zu kommen, in dem ich darauf hinweise, dass ich am Abend vorher beispielsweise Spaghetti “Frutti di Mare” mit ordentlich Knofi gegessen hätte. Das kann helfen – muss aber nicht. *LOL*
Sich gegenseitig die Wahrheit zu sagen ist nichts Schlechtes. Es kann heilsam sein und vielleicht manchmal sogar –je nach dem- zu einer richtigen Freundschaft führen. Aber es sollte mit Bedacht geschehen. Es gibt auch Leute, die meinen anderen immer die Wahrheit sagen zu müssen und können sie selbst überhaupt nicht vertragen. Die hätten weder den anderen, noch sich selbst einen Dienst erwiesen.












Wenn du mir was zu essen geben würdest, und das ist lecker – dann würdest du das schon mitkriegen. Wenn mir das nicht schmecken würde allerdings auch…
Sagen bräucht ich da evtl. “gaanix”.
Ich würd allerdings auch ehrlich vorher sagen, was ich überhaupt nicht esse. Rosenkohl z.B. oder irgendwelche Innereien. Mag ich eben nicht – also ess ich das nicht – nirgendwo. Ich würde mir dann eben das raussuchen, was mir schmeckt – so nach dem Motto: “Iihh, den Rosenkohl mag ich nicht – aber der dicke Kloß da – kann ich einen 2. haben?” Und schon wär allen gedient – du könntest Rosenkohl mampfen – und ich hätte den leckeren Zweit-Kloß!
PS: wenn ich dich ´n bißchen ärgern wollte, würd ich fragen: “hööör mal Horst – hast du Frutti di Mare mit Knofel gegessen – ooder Knofel mit Frutti di Mare?” Und schon wärste in Erklärungsnot, grins!
Es kommt natürlich immer auf die Situation und den Gegenüber an. Manchmal ist es sehrwohl höflicher zu schweigen…
Gestern aber habe ich zum Beispiel meinem Chef gesagt, dass er ‘ne Fahne hat wie eine Horde Matrosen auf Landgang – der verträgt das schon
@Jürgen & Marc: Ein bisschen Fingerspitzengefühl sollte man einsetzen. Die Wahrheit soll man ja sagen aber eben ohne, dass man andere unbedingt damit verletzt. Wenn man sich um diese Balance bemüht wäre ja wirklich schon viel gewonnen.
@Marc: Das Ding mit der Horde Matrosen auf Landgang merk ich mir. Ich kenne da welche, die laufen auch mit Fahnen durch die Gegend. Jetzt weiß ich auch endlich, woran die mich erinnert haben
Jemanden ehrlich auf einen Fehler aufmerksam machen, der ihm sehr schadet, das sollte man schon tun. Als junges Mädchen fiel ich aus allen Wolken, als eine ältere Frau mir mal sehr vorsichtig und freundlich sagte, dass ich einen starken Körpergeruch hätte. Da wusste ich, warum ich beim Tanzen oft Mauerblümchen war! Ich machte meiner Mutter Riesenvorwürfe; die hatte uns beigebracht, uns abends gründlich zu waschen, nicht morgens, und nachts schwitzte ich in den damals neu aufgekommenen Nylon-Nachthemden immer gründlich… Das ließ sich dann ändern.
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Bei Einladungen zum Essen drücke ich meine Vorliebe und Abneigung durch Lob und Stillschweigen aus – nur wenn es überhaupt nichts zu loben gibt, lüge ich, dass es geschmeckt hat – wenn ich gefragt werde
Bei meinen eigenen Gästen reicht es mir schon, was sie alles nicht essen dürfen wegen Allergien und Krankheiten; ob es geschmeckt hat, sehe ich am Schluss ja daran, wieviel wovon übrig geblieben ist.
Na – lügen tu ich schon mal – aber wegen sowas nicht. Wenn das wirklich fies war, dann merkt der/die das. Soll er auch – sonst krieg ich ja beim nächsten Mal wieder das gleiche. Und wenn da SO schlecht gekocht wird, dann nehm ich auch in Kauf, das ich nicht mehr zum Essen gebeten werde. Ich hab eine Mikrowelle!
Gerade wenn es so heiß ist wie vor ein paar Wochen, da dürfte es wohl kaum einen geben, der nicht müffelt. Und jeden mit “Hallo Iltis” begrüßen geht ja wohl auch nicht
Mir passiert das schon häufiger Mal, dass ich mit Essensteilen überrascht werde, das ich nicht mag oder nicht essen kann. Als Low Carbler sitzt man dann vor einem Korb Brot und wird gefragt “Warum isst Du kein Brot dazu?” Nix sagen geht da natürlich auch nicht. Und dann kommt oft der Einspruch “Heute kannst Du ja wohl mal eine Ausnahme machen…”. Auch lästig… :nee:
Meistens sage ich mittlerweile bei der Einladung zu einem Essen schon “Achtung ich bin Low Carbler und esse kein Brot, kein Nudeln, keine Kartoffeln, keinen Reis etc. – und das nicht nur weil ich es mittlerweile nicht mehr mag, sondern weil ich auch krank davon werde”. Ich erwarte ja nicht, dass für mich was extriges bereit steht, nur das ständige debattieren darüber wieso und warum ich heute mal keine Ausnahme machen möchte, geht mir auf den Senkel. Wahrscheinlich genauso wie den anderen am Tisch, die sich das dann anhören müssen… :geknickt:
@Eule70: Gutes Beispiel. Wenn man von diesen Wahrheiten profitiert, was wohl oft auch der Fall sein wird, ist ja auch eigentlich alles gut. Aber in dem Moment, in dem man auf so etwas angesprochen wird, könnte man ja (mir würde das so ergehen) in den Erdboden versinken. Aber wenn man dann später erkennt, dass einem ein solcher Hinweis sehr weiter geholfen hat, ist alles prima.
Jeder von uns kennt Leute, die schrecklich viel erzählen und einen damit langweilen. Oder? So jemand das auf den Kopf zu zu sagen, wäre ehrlich gesagt nicht mein Ding. Ich nenne das rücksichtsvoll, andere sagen, ich sei feige. Wahrscheinlich haben die anderen recht.
Eigentlich hast du recht Jürgen. Wenn ich an der Frittenbude oder beim Döner bin sage ich denen auch ins Gesicht, wenn’s mir nicht geschmeckt hat. Das habe ich auch (hier und da) schon mal in teuren Lokalen gemacht. Da kenn ich nix. Aber bei Freunden, wenn wir schön beim Abendessen sitzen, käme ich nicht drauf, zu sagen, dass es mir nicht geschmeckt hat. Ich weiß, wie viel Arbeit das Kochen macht. Da freut sich jeder über ein Lob. Damit gehe ich großzügig um. Nur nicht, wenn es wirklich nicht lecker war. Ich gebe es zu: Ich bin einfach ein Lügner.
“Hallo Illtis”. Das ist echt eine gute Idee. Damit geh ich demnächst (wenn es noch einmal so heiß wird, durch die Firma. Das wird sicher klasse ankommen. Was denkst du? Nee, so was kann man echt nicht machen. Ich würde mich das auch nicht trauen.
Meine Schwester kocht für einen Freund, der Veganer ist, zu ihrern Geburtstagsfeiern auch etwas anderes. Das ist mühsam aber sehr nett. Die anderen Gäste respektieren das natürlich. Der Freund meiner Nichte ist Vegetarier. Auch darauf wird Rücksicht genommen. Wenn man das so begründet ist das auch für mich klar und verständlich. Aber im Beispiel war es ja anders. Wir hatten schlicht das falsche Angebot. Sie mochte es nicht, weil sie “verschnuppt” war.
Ich kann alles essen, was man mir leider auch ansieht. Wenn ich mal auf ein Essen stoße, was ja leider auch mal vorkommt, das mir nicht mundet, lasse ich es nicht stehen oder sage, dass es mir nicht schmeckt, sondern halte mich zurück. Und esse meinen Teller leer. Das hab ich jetzt davon
Das mit dem Iltis sage ich meistens nur von mir selbst, wenn ich z.B. gerade vom Crosstrainer gestiegen bin, mein Schätzchen nach Hause kommt und mich in den Arm nehmen will “lass das lieber, ich stinke wie ein Iltis und muss mich erst einer Waschung unterziehen” :klo:
Und als es so heiß war und man nur mal kurz den Müll raus bringt oder so, hatte ich auch immer recht schnell so ein “Iltis-Gefühl”… nur dachte ich mir, dass es bei diesem Wetter wohl nur noch Iltise gibt und es deswegen auch gar nicht so ins Gewicht fallen dürfte *kicher* genug ge-itlis-t für heute…
Solche “verschnuppten” Gäste würde ich übrigens nicht mehr einladen. Ich frage auch immer gerne nach Vorlieben, Gewohnheiten etc. denn man steht ja ungern mit dem komplett falschen Angebot da. Vegetarier und Veganer sind nach meiner Erfahrung nach noch die problemlosesten, irgendwas finden sie immer, so zumindest ihre Aussage.
“Leute, die schrecklich viel erzählen und einen damit langweilen” – und damit ganze Abendgesellschaften kaputtmachen…
. Davon kenne ich einige, vor allem in höherem Alter (hoffentlich werde ich nicht auch demnächst so); eine davon wird deswegen von einigen Freunden nicht mehr eingeladen. “Es ihnen auf den Kopf zusagen” – nein! Aber ich bin dazu übergegangen, dann bei erster Gelegenheit jemanden anders zu fragen: “und jetzt erzähl du mal, wie wars da und da…”, oder zu sagen “aber das führt vom Thema ab, die Soundso sagte doch gerade…”. Das geht, kostet nur etwas Energie
Manchmal geht das nicht anders – manchmal muß man tricksen. Oder, in allerletzter Konsequenz DOCH was direkt sagen. Kommt darauf an, wie das Verhältnis ist. Bei der Beerdigung meiner Tante (2001) – da war für mich beim Totenessen das Maß voll!
Ich lass mir doch nicht von einem angeheirateten, jungen Schnösel, der über 3 Ecken mit mir verwandt ist (und den ich zum ersten mal sehe), die Kognaks vorzählen (es war übrigens erst der 2.) – die ich noch dazu selber bezahle. Samt seinem und dem Essen und Trinken von allen anderen (naja, das Geld kam ja eigentlich von der Tante, grins).
Ich habe dem dann überdeutlich in ganz normalem Ton, so daß es alle umsitzenden hören konnten gesagt, das ihn die Zahl meiner Kognaks einen Sch****dreck angeht – und wenn ich mir die ganze Flasche dahinstelle. Solange ich das selber bezahle, und solange ich mich trotz ein wenig Alkohol zu benehmen weiß.
Ich habe nur noch mit der Kellnerin die Frage der Rechnung geklärt – dann bin ich gegangen, und habe die einfach alle da sitzen lassen…und einen 3. Kognak hab ich noch getrunken – vor dem rausgehen. Das kann man SO natürlich nicht immer machen – aber das ist über 500 Km entfernt, und ich hatte mit den Verwandten/Bekannten eh so gut wie keinen Kontakt mehr.
Aber DA war mir hinterher besser – schon in dem Moment, als der Jüngling kaum den Mund zubekam, als ich ihm erklärt habe, was ihn zu interessieren hat – und was nicht…