Klar, Soziologen sollten auch Brücken bauen lernen

Die Zahl der Erwerbslosen im Alter von 15 bis 24 Jahren lag im Jahr 2009 deutlich über dem Niveau des Jahres 2000. Rund 540 000 junge Menschen haben 2009 aktiv eine bezahlte Tätigkeit gesucht, für die sie auch sofort zur Verfügung standen. Die Erwerbs­losenquote, also der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) lag bei 11%. Sie war damit deutlich höher als im Jahr 2000 (8,2%), lag aber unter dem Höchststand aus dem Jahr 2005 (15,2%). Die Erwerbslosenquote junger Menschen ist im internationalen Vergleich moderat, lag im Jahr 2009 aber dennoch deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung (7,7%).
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland – Aktuell: Fast jeder zweite 15- bis 24-Jährige ist erwerbstätig

Sagt die beschriebene Situation nicht etwas darüber aus, wie ernst die deutschen Unternehmen ihre Verantwortung für die Aus- und Weiterbildung der Menschen im eigenen Land nehmen?

Weltweit gab es in 2009 81 Mio. arbeitslose Jugendliche. Da wirken die deutschen Zahlen bescheiden.

Dieser massive Anstieg der flexibleren Arbeitsverhältnisse betrifft nicht nur die Jugendlichen, den sehen wir am deutschen Arbeitsmarkt insgesamt. Das ist ein Ergebnis der Arbeitsmarktreform der letzten Jahre, zum einen und zum anderen der sich verändernden Wirtschaftsstruktur. Wir haben immer mehr Dienstleister, die flexible Beschäftigungsverhältnisse benötigen, und das macht sich dann eben auch in den Beschäftigungsformen bemerkbar. […]

Und die jungen Menschen, die jetzt aus dem Hochschulsystem kommen, die erfahren das eben schon und suchen möglicherweise auch solche flexiblen Karrieren, die wollen gar nicht mehr das ganze Leben eben in einem gesicherten Job verbringen.
Dr. Holger Bonin, Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung

Quelle: Deutschlandfunk – Campus & Karriere – "Das Bild der lebenslangen Stelle ist nicht mehr prägend für die Gesellschaft"

Man kann sich als junger Mensch eine Weile umschauen, das eine oder andere Praktikum durchlaufen, um zu sehen, welcher Beruf den Neigungen am ehesten entspricht und was einem gefällt. Aber was ist, wenn das mehrere Jahre andauert, weil man keinen festen Job findet? Eine Familiengründung und -Planung wird unter diesen Umständen wohl kaum die richtige Basis finden.

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Ich halte solche Aussagen für reines Geschwafel. Dass sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt geändert haben, stimmt schon. Kein Mensch erwartet eine lebenslange Anstellung bei einem Unternehmen. Das gab’s früher zwar auch aber es war schon vor 40 Jahren nicht die Regel, sondern die absolute Ausnahme.

Bonin klingt wie Horx. Schöne neue Welt. Oder: Man kann ja ohnehin nichts dagegen machen. Das sind Botschaften.

Was mir ganz besonders stinkt an diesem Beitrag des Herrn Dr. Bonin ist, dass Leute ohne Hochschulabschluss gar nicht vorkommen. Es wird allgemein von einem massiven Anstieg der flexibleren Arbeitsverhältnisse gesprochen. Gemeint sind vielleicht prekäre Arbeitsverhältnisse. Flexibel musste man nämlich auch (man glaubt es kaum) schon vor 40 Jahren sein. Auch wenn sich daran heute niemand mehr zu erinnern scheint.

«Audio Link: ILO Studie zu Jugendarbeitslosigkeit»

Foto: Thorben Wengert / pixelio.de