Ich hasse das, was Sarrazin sagt

Und das geht vielen so. Zum Glück gibt es eine spontane Abwehrreaktion bei vielen von uns. Solche Sätze, solche Diffamierungen verfangen allerdings trotzdem. Es sind nicht wenige und keineswegs nur Deutsche, die die Ansichten Sarrazins teilen. Ich will nicht sagen, dass der Beifall überwiegt, aber wer kennt nicht einige Leute aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis, die ins gleiche Horn blasen?

Ich finde, unsere Gesellschaft muss diesen Konflikt aushalten. Es gibt diese unterschiedlichen Meinungen und einen Königsweg kann keiner anbieten. Die von Sarrazin beschriebenen Schieflagen sind zum Teil vorhanden. Sie einfach abzustreiten und ihn wegen seiner Äußerungen aus einer Partei ausschließen zu wollen, ist nicht zielführend. Es nützt niemandem, diejenigen, die unbequeme Themen ansprechen, ausgrenzen zu wollen.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich wahnsinnig stark verändert hat. Scheinbar haben viele von uns das nicht mitbekommen oder weigern sich bis heute, diese Veränderungen zur Kenntnis zu nehmen. Mir ist nicht klar, was Leute wie Sarrazin, Wilders in Holland oder die Islamhasser von PI eigentlich erreichen wollen. Nicht, weil ich naiv bin, sondern weil ich mich frage, ob sich deren Intention nicht in Wahrheit gegen das richtet, was uns vermutlich doch allen in unterschiedlichster Ausprägung gemein ist oder jedenfalls gemein sein sollte. Wir sind Demokraten, für die hoffentlich der Begriff Toleranz weder abgeschafft noch entwertet ist. Allem Gerede vom Gutmenschen zum Trotz. Die zu lösende Aufgabe ist, eine Basis für ein vernünftiges Zusammenleben zu finden. Mit dem Lamentieren über unbefriedigende Zustände ist es jedenfalls nicht getan.

Niemand wird die deutschen Muslime des Landes verweisen und ihrer Relgion werden diese gewiss nicht abschwören. Wie stellt Sarrazin sich eigentlich eine Lösung vor?

Kommentare

  1. Sven meint:

    Ich kann ihn nicht mehr hören und mit seinen Aussagen in den letzten Jahren hat er sich für die SPD eigentlich untragbar gemacht, weil doch auch Werte der SPD verletzt wurden und werden, durch seine Aussagen. Ein Parteiausschluss wäre vielleicht nicht das richtige, aber er kann ja auch freiwillig gehen ;-)

  2. Horst Schulte meint:

    Vermutlich wird er wirklich freiwillig gehen.

  3. Rayson meint:

    Wie stellt Sarrazin sich eigentlich eine Lösung vor?

    Nach dem, was zu lesen war: Einwanderungsstopp. Aber so viele kommen da ja eigentlich nicht mehr. Das von ihm als solches definierte Problem ist schon im Land. Und wie sein Lösungsansatz dazu aussieht, das würde ich auch gern wissen.

    Steht vielleicht im Buch. Aber ich kaufe keine Bücher, die mit geschickter Provo-PR vermarktet werden.

  4. Horst Schulte meint:

    @Rayson: Ich denke auch, dass diese Art der “Promotion” uns dazu veranlassen sollte, ein solches Produkt nicht zu kaufen. Ich glaube nicht, dass er Lösungsvorschläge gemacht hat. Heute morgen habe ich ein Interview mit der (neuen) Migrationsbeauftragten der SPD gehört. Sie sprach davon, dass Sarrazin im Buch sehr provozieren aber keine Lösungen anbieten würde. Ich weiß nicht, die Resonanz spricht auch dafür, dass es in Deutschland ein hohes und wachsendes Potenzial von Leuten gibt, die ihn fast als Messias betrachten.

    Es gibt offenbar Passagen in seinem Buch, bei denen man nicht oberflächlich oder bösartig sein muss, um dahinter bekanntes Gedankengut zu erkennen. Sarrazin ist doch wirklich ein kluger Mann. Ob er andererseits so verantwortungslos ist, die Wirkung seiner Provokationen auszublenden und nur auf Auflage zu schielen? Jedenfalls schafft er, gewollt oder nicht, Allianzen, die unserem Zusammenleben weiter schaden ist.

  5. Alex meint:

    Naja, er macht schon auch konkrete Vorschläge – Kürzung von Sozialleistungen für Integrationsunwillige, Stoppen der Heiratsmigration, Einschränkung des Familiennachzugs etc. – wie man das auch immer bewerten mag…