Monatsarchiv: August 2010
Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe
Die ARD zeigte heute Abend im Rahmen ihrer losen Serie mit dem Titel “Die Story” einen Beitrag über Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Ein Journalist hat Ackermann über eine längere Zeit begleitet, so hieß es in einem Vorbericht. Deshalb hatte ich eigentlich erwartet, ja mir vielleicht sogar gewünscht, dass ich mein von oberflächlichen Eindrücken und Vorurteilen geprägtes Bild über den Mann revidieren müsste, wenn ich mir diesen Bericht über ihn angesehen hätte. Das Gegenteil ist der Fall.
Ackermann ist nicht der Mensch, den ich sehen wollte: den jovialen Schweizer, der trotz seiner großen Machtfülle und seinem schier unanständig hohen Einkommen doch noch einen Bezug hätte zu den Sorgen und Nöten der “normalen” Menschen. Ein wenig Jovialität bringt er mit — aber im Sinne von herablassend gegenüber anderen Menschen in einer weniger privilegierten Position. Politiker schließt er dabei nicht aus. Aber er ist der gnadenlose Kapitalistenbediener, der Selbstbeweihräucherer, für den ich ihn im Grunde immer gehalten habe. Ich gebe zu, in mir stiegen während dieser 45 Minuten Gefühle auf, die ich nur selten einem fremden Menschen entgegenbringe. Der Mann ist mir zutiefst zuwider.
Es rüttelt, zerrt und nagt an meinem Menschenbild, dass sich Leute mit einem solchen Selbstverständnis heute in absoluten Machtpositionen befinden. Ob man den Chef von Goldman Sachs anschaut oder diesen Banker. Politiker sind gegen diese Leute -Entschuldigung, dass ich diesen eigentlich von mir gehassten Ausdruck hier verwende- Gutmenschen.
Ich weiß, dass man den TV-Bericht als tendenziös bezeichnen muss. Objektiv und fair kann man ihn jedenfalls wohl nicht nennen. Jetzt muss ich sagen, hätte ich es mir fast gewünscht, dass der Beitrag weniger einseitig geraten wäre. Mir hat es den Abend verdorben. Diese widerliche Dekadenz, gepaart mit einer Machtfülle, die ihresgleichen wohl sucht, ist unerträglich.
Foto: Josef Ackermann (Monika Flueckiger – Wikipedia.de)
Von Scheren und anderen alten Sachen
Diese Schere ist im Familienbesitz seit 1976. Sie sieht ein bisschen abgegriffen aus aber sie schneidet immer noch 1 a. Sie gehörte zu unserer Aussteuer, als wir einst unseren Hausstand gegründet haben. Nichts aufregendes. Jede Familie, zumal, wenn sie lange besteht, wird solche Werkzeuge ihr eigen nennen können.
Warum erzähle also überhaupt davon und mache mir zudem noch “die Mühe”, das Ding zu fotografieren. Ganz einfach. Es gibt eine kleine Geschichte, die dazu gehört und die ich persönlich nicht vergessen habe.
Als meine Frau und 1976 geheiratet haben brachte meine Frau ihre Aussteuer mit in die Ehe. So etwas gab es damals noch (heute auch?). Es handelte sich um Tischwäsche, Bettwäsche, Porzellan und bestimmt noch andere Dinge. Unsere Verwandten schenkten uns zur Hochzeit eine ziemliche Menge von dem, was man zur Gründung eines Hausstandes vermeintlich so alles braucht. Ich glaube, einige Teile davon haben wir bis heute nicht benötigt. Ich will nicht sagen, was das sein könnte. Es könnte ja jemand mitlesen und am Ende noch beleidigt sein. Aber -leider gehört auch das dazu- nach der langen Zeit sind viele unserer Tanten und Onkels leider nicht mehr unter uns. Eigentlich sogar die meisten.
Damals waren meine Frau und ich noch ohne Führerschein. Meine Frau war 21, ich 22. Beide hatten wir noch nicht den Führerschein. Heute ist das unvorstellbar. Auch unsere Freunde hatten ihn längst und viele fuhren ihr eigenes Auto. Wir kamen auch so klar. Schließlich fuhren Busse und Bahnen, und außerdem waren wir beide es nicht anders gewöhnt. Entweder wir liefern die 4 km zur Disco, oder wir nahmen den Bus. Ich erinnere mich immer noch an das Gefühl, wenn sonntags der letzte Bus um 21.30 Uhr nach Quadrath-Ichendorf fuhr und wir uns für eine halbe Woche voneinander verabschiedet haben. Die knapp 20 km konnte man mit dem Rad zwar auch absolvieren aber schon damals war ich dazu wohl ein bisschen zu faul.
Wir fuhren mit dem Bus ins Städtchen, weil wir uns ein paar Kochtöpfe kaufen wollten. Die fehlten dringend. Pizza- oder Gyros-Service gab es damals noch lange nicht – jedenfalls auf dem Land. Koch dir was, hieß die Devise und wenn es nur um eine Portion Gulasch aus der Dose ging, die warm gemacht werden sollte. Wir wussten genau, wo wir einkaufen wollten. Es gab nämlich nur ein Haushaltswarengeschäft im Ort. Unsere ach so erfolgreichen Schnäppchenjäger von heute werden dafür nun überhaupt kein Verständnis aufbringen können. Ebay, Amazon, Media oder Saturn warteten noch auf ihre Gründung. Man musste entweder das Angebot im Ort nutzen oder einige Kilometer weiter entfernt nach Bergheim oder (noch weiter) ins ca. 30 km entfernte Köln “reisen”.
Wir kauften schöne bunte Töpfe. Die wurden, der Einfachheit halber, in einigen großen Plastiktüten verstaut, damit wir sie besser transportieren konnten – im Bus. Uns fiel ein, dass wir dringend noch eine Haushaltsschere benötigen. Wir suchten uns eine aus. Es war nicht die auf dem Foto. Dann waren wir bereit, unsere Neueinkäufe nach Hause zu schaffen. Irgendwie erinnere ich mich, dass das ein schönes Gefühl war. Und das, obwohl die Töpfe beim Transport klapperten wie verrückt. Wir kamen also per Bus und den Rest des Weges zu Fuß nach Hause und packten aus. Die Töpfe, die Schere und räumten die Sachen ein.
Wir ärgerten uns, dass die gekaufte Schere schon nach ganz kurzer Zeit kaputt ging. Also holten wir uns eine neue. Diese war von Zwilling und kostete ein Vielfaches von dem, was wir für die erste bezahlt hatten. Heute wissen wir, dass dies eine gute Investition war. Nach 34 Jahren kann man diese Feststellung wohl ohne Übertreibung und mir vollem Recht treffen. Die Moral von dieser Geschichte ist weder neu noch irgendwie aufregend: Was nichts kostet ist auch nichts. Diese schlichte Erfahrung habe ich in meinem Leben doch schon sehr oft gemacht. Zu oft jedenfalls, um nicht etwas Wahres an diesem Sprichwort festgestellt zu haben.
Loveparade-Katastrophe: Sauerland gibt auf
21 Menschen sind bei der Loveparade ums Leben gekommen, aber Duisburgs Oberbürgermeister weigert sich, die Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten. Stattdessen bittet er den Stadtrat, ihn abzuwählen – so behält er seine Pensionsansprüche.
Natürlich würden die, die sich nun über Sauerlands Taktik aufregen, das in dieser Situation ganz anders halten. Sie hätten die Moral gezeigt, die sie auch von anderen erwarten.
Nach 45 Minuten Anne Will war alles klar
Heute gab es die 1. Sendung nach der Sommerpause. Anne Will sah einfach toll aus in ihrem braunen Sommerkleid. Es gab in der Sendung aber noch eine weitaus bedeutendere Erkenntnis.
Die durch die “Pressearbeit” an die Öffentlichkeit gekommenen, eigentlich sehr privaten Details des Falles Kachelmann, haben nach übereinstimmender Meinung aller Diskussionsteilnehmer zur Folge, dass Frauen, die in ehelichen oder eheähnlichen Gemeinschaften leben und Opfer so genannter häuslicher Gewalt (u.a. Vergewaltigungen) werden, diese vermutlich seltener zur Anzeige bringen.
Wir sehen diesen Fall als einen exemplarischen Exzess der Pressefreiheit in die Geschichte eingehen –mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen. Erst seit 1996 ist häusliche Gewalt strafrechtlich zu ahnden. Das Verhalten der bundesdeutschen Medien hat dem sich seither nur langsam entwickelnden Rechtsbewusstsein einen Bärendienst erwiesen.
Versionen von Musikstücken
Es gibt viele Musikstücke, die es in sehr vielen verschiedenen Versionen unterschiedlichster Künstler/innen und dazu noch in verschiedenen Musik-Stilrichtungen gibt. Zwei gute Beispiele dafür habe ich mal rausgesucht. Es sind zwei meiner Lieblingsstücke. Es würde mich deshalb interessieren, ob ihr ebenfalls Versionen von diesen Stücken kennt bzw. welche davon ihr zu euren Favoriten erklärt.
Es geht um Summertime und Sunny. Beide Stück sind schon “etwas” älter. Summertime wurde Ende 1933 von George Gershwin komponiert und Sunny im November 1963 von Bobby Hebb. Beide Titel sind Evergreens. Und das zum auch in den unterschiedlichen Version.
Dies sind die Versionen, die ich besitze:


Und hier noch zwei aus meiner Sicht ganz interessante Videos dazu:
Insbesondere diese Version jagd mir eine Gänsehaut über den Rücken.
Technik, die begeistert: Die Fliegenklatsche

In diesen Tagen ist das Ding unser wichtigstes Werkzeug. Meine Frau hat es bereits zu einer gewissen Virtuosität gebracht. Bewundernswert wie hoch ihre Trefferquote ist. Die ganzen Kerben passen schon nicht mehr auf den Unterarm. Das Ding hat, obwohl erst ein paar Tage alt, bereits einen ordentlichen Schaden. Es muss sich wohl um ein besonderes Prachtexemplar gehandelt haben. Oder war es die blanke Panik beim letzten Wespenalarm?
Woran es liegt, kann ich nicht sagen. Jedenfalls sind die Fliegen in diesem Jahr die absolute Pest. Vermutlich hat es mit der Hitze zu tun, die bis vor kurzem geherrscht hat.
Noch gibt es erfreulicherweise wenig Wespen. Aber die kommen ja erst noch. Im August geht’s damit los. Auf dem Balkon und im Garten wird man dann bestimmt nur wenig Freude haben.
Wieder Statistik: Diesmal Juli 2010
Im Juli habe ich hier 62 Artikel geschrieben. 6.700 Besucher waren da. Die Zahl der Seitenzugriffe betrug laut “Google Analytics” ca. 24000. Im Juni waren es 162 Beiträge unter unter 6000 Besucher. Das Verhältnis zwischen Besuchern und Seitenzugriffen kann sich doch sehen lassen – oder?
Die leicht verbesserten Zahlen im Juli hatten mit ein paar Artikeln zu tun, insbesondere mit denen über die Tragödie um die Loveparade.


Im Juni hatte ich den Sideblog noch aktiv. Dort hinein habe ich alle Artikel gegeben, die ich bei Posterous verfasst habe. Sie wurden nicht auf der Hauptseite angezeigt, bzw. sie sind auch nicht im Feed erschienen (s. Martins tollen Tipp, den ich auch hier ausprobiert habe).
Das relativiert die Betrachtung der reinen Zahl von Artikeln wohl erheblich. Es zeigt auch, dass die meisten Besucher (bei mir jedenfalls) diesen Sideblog so gut wie nicht beachtet haben.
Ich habe Sideblogs schon in verschiedenen Versionen ausprobiert. Immer ohne Erfolg. Er wurde von den Lesern nicht angenommen. Ich weiß, dass das in anderen Blogs aber sehr gut funktioniert. Natürlich ist es auch dabei eine Frage der Qualität der Themen bzw. Beiträge.
Mach mal das Fenster zu
Gestern Abend kurz nach 22 Uhr lief bei RTL Stephen Kings “Der Nebel”. Wir hatten keine Vorstellung davon, was uns erwarten würde. Jedenfalls dachte ich: Prima, den Film habe ich noch nicht gesehen und Stephen King kann man anschauen.
Im TV gibt’s ja in den Sommermonaten fast nur Wiederholungen. Da freut man sich, wenn man mal einen Film findet, den man noch nicht kannte. Der Trailer kam verheißungsvoll daher. Immer wieder fall ich darauf rein. Ich Nachhinein kann ich feststellen, dass ich mir dieses Machwerk (das übrigens in meiner TV-Zeitung mit 3 Sternen “ausgezeichnet” war) hätte ersparen sollen. Im Kleingedruckten stand ja auch: Nichts für schwache Nerven.
Wer sich wohlig dabei gruseln kann, wenn Spinnen einen menschlichen, noch lebenden Körper als Wirt für ihre Nachkommen benutzen und die Kleinen dann aus dramaturgischen Gründen vor der Kamera aus dem malträtierten Körper des bemitleidenswerten Opfer schlüpfen, der wurde hier gut bedient. Während des Films wurde mehrmals die Perspektive gewechselt. Man fragte sich sollte sich wohl fragen, wer da schlimmer war, die Monster aus der anderen Welt oder die Menschen, die sich in einer existenziellen Notlage befanden und in dieser Ausnahmesituation ihre Menschlichkeit verloren. Dieses Experiment hört sich spannender an, als es in diesem Film beschrieben wurde.
Bedient waren meine Frau und ich auch vom Ende des Films. Der Hauptdarsteller erschießt am Ende des Benzins, immer noch mitten im Nebel, seine Begleiter und einen eigenen Sohn (zusätzliche Tragik: für ihn war keine Kugel übrig), um ein paar Schnitte später zu erleben, wie doch noch die Kavallerie nahte.
Ein solch überraschendes, ungewöhnliches und zugleich perfektes Ende sieht man höchst selten auf der Leinwand!
Quelle: Der Nebel – Film, Kino, DVD
Fremdbestimmt
“Hast du deinen Urlaub schon geplant?”
“Nee, brauch ich nicht.
Meine Frau bestimmt, wohin wir fahren.
Mein Chef sagt, wann wir fahren und
meine Bank sagt, wie lange wie fahren”






