Sauerland: Parteiinteresse wichtiger als das Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürgerinnen und Bürger

September 14, 2010 5 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 47 x aufgerufen.
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Sauerland: Parteiinteresse wichtiger als das Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürgerinnen und Bürger

Duisburg mayor Adolf Sauerland (R) and Love Parade 2010 organizer Rainer Schaller attend a news conference in the town hall of the western German city of Duisburg July 25, 2010. At least 19 people were killed and some 80 people were seriously injured in a stampede at the Love Parade techno music festival in the western German city on Saturday, after overcrowding at an entrance gate sparked a stampede, police said. REUTERS/Wolfgang Rattay  (GERMANY - Tags: DISASTER)Der Oberbürgermeister von Duisburg heißt weiter Adolf Sauerland. Er stellte sich einem Abwahlverfahren und konnte sich auf seine Partei (CDU) verlassen.

Sie hat geschlossen gegen die Abwahl Sauerlands gestimmt. Die notwendige 2/3 Mehrheit wurde verfehlt.

Die Partei hält ihn also für unschuldig. Oder geht es etwa, wie meistens, nur um das Ansehen der Partei?

Man hat den Eindruck, dass die 21 Toten der Loveparade vergessen wurden. Jedenfalls ist offensichtlich keiner bereit, die Verantwortung für das Unglück zu übernehmen. Führende Köpfe unseres Landes nehmen nicht mehr Stellung, sie erklären Herrn Sauerland durch ihr Verhalten zur Unperson. Ich weiß nicht, ob das das selbe ist.

Gestern Abend bei der "Sinfonie der Tausend" im Duisburger Landschaftspark durfte Adolf Sauerland nicht mit auf das offizielle Foto mit dem Bundespräsidenten.

Die Türen gehen auf, Regenschirme werden gespannt, Bundespräsident Christian Wulff (CDU) und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) steigen aus. Fritz Pleitgen, Geschäftsführer Ruhr 2010, nimmt die beiden in Empfang. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland steht nur daneben. Keiner will mit ihm reden.

Wulff und Kraft würdigen Sauerland vor Beginn des Konzerts "Sinfonie der Tausend" keines Blickes. Auch als die Kameras der Fotografen für das offizielle Begrüßungsfoto klicken, steht Sauerland zwei Meter daneben im Abseits. Das Duisburger Stadtoberhaupt wird demonstrativ ins Abseits gestellt, zum Außenseiter in seiner eigenen Stadt gemacht. Während Wulff Autogramme schreibt, wird Sauerland ausgebuht.

(Quelle:«Sauerland in eigener Stadt Außenseiter | RP ONLINE»)

Für mich klingt das nach schlechtem Stil führender Politiker/innen. Sie sind besorgt um ihr eigenes Image. Sie führen sich auf wie Pharisäer. Und an die Toten denkt dabei nach meiner Überzeugung niemand. Ebenso wie die 41 Abgeordneten der CDU-Fraktion, die sich gestern solidarisch mit Herrn Sauerland zeigten und gegen seine Abwahl stimmten.

Wieder einmal ist es der Justiz überlassen, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Aber zunächst geht es immer noch um die Frage, wer eigentlich die Verantwortung für das Unglück zu tragen hat.

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5 Kommentare

  1. JürgenHugo 14. September 2010 at 15:05 -

    Horst, da wird nix bei raus kommen. Niemand wird dafür ins Gefängnis gehen. Irgendwann wirds ruhiger dadrum. Bei allem Mitgefühl für die Angehörigen der Toten: wenns da Geld gibt, werden die meisten das sicher nicht ablehnen…

  2. Jan 14. September 2010 at 22:34 -

    Die drei die Abwahl beantragenden Fraktionen haben sich allerdings auch nicht besonders rühmlich verhalten. Politisches Kapital aus dem Unglück zu schlagen finde ich schlimmer als alles, was man Sauerland zu diesem Zeitpunkt sicher vorwerfen kann. Und dass der an seinem Sessel klebt, kann ich gut verstehen, wenn es denn stimmt, dass seine gesamte Altersversorgung flöten gehen würde, wenn er zurücktreten würde. Es ist schon perfide, vor diesem Hintergrund seinen Rücktritt zu fordern. Jede Wette: Niemand von denen, die das fordern, würde an seiner Stelle so handeln und sich freiwillig zum Sozialfall machen.

  3. Horst Schulte 15. September 2010 at 00:56 -

    @Jan: Ja, warum sollte man aus dem Verhalten der anderen Parteien auch etwas anderes schließen. Vernunftbegabt sind sie alle nicht. Das schadet dem Ansehen der Politiker vielleicht noch mehr als die Kapriolen auf Bundes- und Landesebene. Aber irgendwie scheint andererseits die Loveparade in der öffentlichen Debatte schon verloren gegangen zu sein.

    Was die Pensionsfrage anlangt stimme ich dir auch zu. Aber sollte nicht der Trick der sein, dass man ihn abwählt und er deshalb die Pension behalten konnte? Wahrscheinlich setzen alle auf die Zeit. Die Leute vergessen einfach zu schnell. Jedenfalls glauben die das.

  4. Jan 15. September 2010 at 17:57 -

    Dass er nicht freiwillig den Posten räumt schwingt als Vorwurf halt in fast jeder Zeile, die Journalisten über das Thema schreiben, mit. Jedenfalls ist das mein Empfinden.

    Ich finds nicht schlimm, wenn zumindest in politischen Debatten inzwischen die Love Parade keine Rolle mehr spielt, denn es gibt absolut keinen politischen Handlungsbedarf, keine Lehren, die man politisch draus ziehen müsste. Verwaltungstechnisch und aus Sicht von Eventmanagern sowie aus polizeilicher Sicht gibt die Katastrophe dagegen sicherlich die eine oder andere Hausaufgabe her aber es fehlt gerade noch, dass Politiker anfangen, Großveranstaltungen generell zu verbieten und durchzuregulieren, weil in einem von tausend Fällen eben mal was passiert (zumal dass auf das Versagen verschiedener Akteure und nicht auf die Größe der Veranstaltung zurückzuführen ist).

  5. Horst Schulte 15. September 2010 at 19:12 -

    @Jan: Ja, die Forderung las man aus den meisten Meldungen heraus. Inzwischen ist es still geworden. Vielleicht hat Jürgen recht und in ein paar Wochen spricht keiner mehr darüber. Das wäre nicht richtig aber so geht das heute in der Gesellschaft.
    Es braucht keine Eingriffe der Politiker. Die bestehenden Regeln und Gesetze reichen wohl völlig aus, um solche Dinge so zu regeln, dass nichts passiert. Schließlich laufen Veranstaltungen seit Jahrzehnten, ohne dass es zu einem solchen Unglück gekommen wäre. Die Unvernunft von Menschen kann man mit einem Gesetz nicht verhindern. Und Verbote würden auch nach meiner Überzeugung über das Ziel hinausschießen.