Am 1. März 2011 arbeite ich (dann 57) seit 4 Jahren bei meinem heutigen Arbeitgeber. Gute Firma, nette Kollegen. Ich sollte zufrieden sein, zumal ich sehr großes Glück hatte, noch einmal einen ordentlich bezahlten Job gefunden zu haben.
Vor dieser letzten Einstellung war ich einige Monate arbeitslos. Meine Chancen waren nicht gut. Darüber machte ich mir keine Illusionen.
Meine Firma ist ca. 150 km von meinem Wohnort entfernt. Seit einiger Zeit kann ich montags von zu Hause aus arbeiten. Über einen VPN-Zugang geht das in meinem Job sehr komfortabel. Weiter brauche ich nichts – außer dem Telefon.
Während der entscheidenden Phase führte ich damals ein langes Gespräch mit meinem Freund über die neue Arbeit und die sich ergebenden Bedingungen. Ich habe nicht vergessen, wie kritisch er die Tatsache sah, dass ich die Woche über nicht zu Hause wäre. Von der erwähnten Telearbeit war damals noch nicht die Rede. Natürlich kennt er meine Frau und mich sehr gut und weiß auch, dass wir bis dahin nur ausnahmsweise einmal getrennt waren. Das hat sich durch meine jetzige Arbeitsstelle geändert – auch wenn es sich derzeit “nur” noch um drei Übernachtungen die Woche handelt.
Ich weiß, dass es viele Leute in ähnlichen und “schlimmeren” Situationen gibt. Viele Leute sind monatelang auf Montage oder auf See. Und die Zahl der Pendler mit langen Strecken hat stark zugenommen. Ich kenne persönlich einige Leute, die lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Ein Bekannter fährt täglich ca. 250 km und das zweimal.
Man kann mich also durchaus als Weichei bezeichnen, wenn ich hier über meine Beschwernisse lamentiere. Vielleicht kriege ich aber doch mildernde Umstände, wenn ich ins Bewusstsein bringt, dass ich von den vier Jahren mehr als ein Jahr lang z.B. abends nicht zu Hause bei meiner Frau gewesen bin. Keine Fernsehabende, keine gemeinsamen Kinobesuche, keine Besuche bei Freunden, keine Gespräche u.s.w.
Ich sage das auch deshalb, weil es mir auf die Nerven geht, dass in der Öffentlichkeit gern behauptet wird, dass viele Arbeitnehmer es an der erforderlichen Mobilität fehlen ließen. Mich würde eure Meinung zu diesem Thema interessieren.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de











Die Forderung nach “Mobilität” steht in einer Linie mit Forderungen wie “auch unter der bisherigen Qualifikation bereit sein zu arbeiten” oder “Bereitschaft auf bisheriges Lohnniveau zu verzichten” – allesamt zu Lasten der Arbeitenden im sogenannten “Freien Arbeitsmarkt”, allesamt Anzeichen für eine neue Art von Ausbeutung die beschönigend mit blumigen Begriffen begleitet wird ….
In vielen Abermillionen Amtsstuben sitzen heimarnah (!) und noch nie aus ihrer Region herausgekommen derweil faule Sesselpupser sich ihren Hintern platt und die Hosen glänzend – auf Kosten derer, die sich abschinden um die Abgabenlast zu erfüllen:
Was in diesem Lande nötig wäre ist eine r a d i k a l e Durchforstung des aufgeblähten öffentlichen Dienstes, nicht die Lehrer, nicht die Hochschulangestellten, sondern die mittleren und gehobenen “Staatsdiener” in “Ämtern” sind als Masse (!) der Untergang dieses Staates.
Wenn das Problem gelöst wäre, würde “Luft” sein für viele Arbeitswillige, die jetzt auf der Straße stehen oder gar vor diese Unfähigen zitiert werden und sich deren geballten Lebensfrust und die meist einhergehende Bildungslosigkeit gefallen lassen müssen weil hnen beim geringsten Anzeichen von Widerspruch die Lebensgrundlagen von diesen nimmersatten Raupen entzogen werden.
Wenn es eines Beweises für die finanzielle Maßlosigkeit bedarf, die für viele Firmen wegen der immer steigenden Abgabenflut Personalabbau und Einstellungsstopp bedeutet: HIER nachlesen warum über 100.000,- Euro Rente für manche als “ungünstige Altersversorgung” gelten und aufgestockt werden müssen ….
PS
Nur zur Information, weil ich weiß wie man sich “alleine” fühlt:
Als ich 2002 aus U.S.A. zurückkam – da bin ich in dreieinhalb Jahren dreimal in “D” gewesen, dreimal kam meine Frau zu Besuch – nahm ich hier eine Arbeit in Schleswig an – 435 Km von dem Familienwohnort entfernt, für 18 Monate. Danach 18 Monate Hamburg, das waren dann nur noch 300 Km, kam mir schon sehr wenig vor – schließlich wurde ich altersbedingt (! das sagte natürlich niemand !) vorzeitig ‘ausgemustert’ – zwei Junge kosten nämlich etwa soviel wie ich …. alle Mobilität nutzte nichts, Erfahrung war unwichtig, und vor mir bei der ARGE (die letzten zwei Jahre bis zur Rente) saß eine abgebrochene Jurastudentin als “Beraterin”, alleinerziehend mit Kind, die sich bei mir (!) beklagte, wie aufreibend doch ihr Job sei, immer diese kritischen “Kunden”, sie wisse nicht wo ihr der Kopf steht ….
Ich bewundere Jede/-n die/der solche Strapazen auf sich nimmt – dabei wäre sowas mit einigem guten Willen durch Job-Tausch-Börsen durchaus zu lösen:
Wozu gibt es das Internet? Das wäre ‘mal eine tolle Sache ….
Das Tauschen von Jobs wäre schon was. Allerdings lassen sich solche Lösungen wohl leider auch nicht auf alle Jobs anwenden. Über diese Möglichkeiten denken aber wohl auch einfach zu wenig Menschen nach. Jedenfalls wachsen die Anforderungen an die Arbeitnehmer immer schneller – jedenfalls habe ich diesen Eindruck. Gleichzeitig sinkt aber das Lohn- und Gehaltsniveau. Ob das zusammenpasst? Was mich auch interessieren würde, ist, ob sich für ältere Arbeitnehmer wirklich viel geändert hat bzw. ob sie heute wieder bessere Chancen haben, auch, wenn sie über 55 Jahre alt sind, im Job zu bleiben oder ggf. noch einen anderen zu finden. Behauptet wird in dieser Beziehung gerade in letzter Zeit viel. Ich habe aber den Eindruck, dass die öffentlich gemachten Angaben keine reale Grundlage haben.
So ein fein gemachtes Bett – da ist man doch gern mobil!
Ooder ist das etwa gar nicht deines im Hotel, hmm?
Bei mir ist das ja anders, wenn hier ständig jemand “rumwimmeln” würde, das bin ich ja “gaanich” gewohnt…
@Jürgen: Nee, nicht mein Hotelzimmer. Aber so ähnlich sieht es auch aus.
Es ist eine Frage des Kräfteverhältnisses. Aktuell gibt es anscheinend mehr Jobsuchende als Jobs. Das stimmt leider nicht ganz.
Mit den Bedingungen, die sich jemand selbst auferlegt, bzw. für sich selbst festsetzt, grenzt er sich ab! Wenn du einen Job im Ausland z.B. willst musst du ins Ausland gehen.
Aber um das Ganze hier abzukürzen, den perfekten Job gibt es nicht, aber ich habe oft das Gefühl, dass es Menschen gibt, die das denken!
Jeder Job hat seine Vor- und Nachteile, man sollte immer nur schauen, das die Vorteile überwiegen, oder?
@Mac: Ich denke, die Situation ist, wie du sie beschreibst. Und in der Tat – das Herummaulen ändert daran nichts. Im Gegenteil, es zieht einen nur weiter herunter. Es ist wohl auch eine Generationenfrage. Die Älteren erinnern sich an die so genannten guten alten Zeiten. Im Arbeitsleben gab es die allerdings tatsächlich. Früher mussten die Leute nicht so weit fahren, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Auch die Arbeitsbedingungen waren durch die Bank schlicht besser. Es gab mehr Zusammenhalt und Anerkennung. Heute weht durch viele Unternehmen ein kalter Wind. Natürlich ist das alles eine Frage der Gewohnheit. Und das gibt mir für die jungen Leute Hoffnung. Hätten Sie die Erfahrungen der Älteren “im Gepäck” würden sie sich unter den heute gegebenen Bedingungen wahrscheinlich schlechter zurechtfinden.
Hallo Horst,
gebe ich dir absolut Recht, allerdings ist es wirklich eine Frage der Einstellung in den Unternehmen (Kulur) und auch die Form. Mittlerweile ist jede zweite Firma eine AG, das heißt du hast einen riesigen Mob als Aktionäre, deren einziger Wunsch es ist, dass die Dividende steigt.
Zum Thema Nachhaltigkeit, oder sonstiges, ist denen doch ziemlich egal, denn die Aktien kann man ja schnell wieder veräußern!
Gruß
Matthias
“Mit den Bedingungen, die sich jemand selbst auferlegt, bzw. für sich selbst festsetzt, grenzt er sich ab! Wenn du einen Job im Ausland z.B. willst musst du ins Ausland gehen.”
Ein Alleinstehender (war mal gut ausgebildet), Hartz 4, gibts für Leben und Wohnung zwischen 650,-/700,-. Bei einer Leihfirma könnt er (vielleicht) 800,- kriegen – 100 km weg, Fahrgeld muß er teils selber tragen. Dsa ganze auf ein halbes Jahr befristet…
Da bedarf es nicht viel “Abgrenzungswillen”, das derjenige nicht besonders scharf auf den Job ist… :nee:
ich denke wer in der heutigen Zeit, nicht wie Du flexibel zur Arbeit steht, wird es schwierig haben… ok, mal abgesehen von unseren Staatsdienern in den Behörden, bei denen die grösste Sorge ist, das Morgens der Café frisch aufgebrüht wird und schon Mittags darauf achten, das sie 30Min. vor Dienstschluss anfangen ihren Schreibtisch einzuräumen…
es ist bewundernswert, wie Du und deine Famile, die durch die Arbeit erfolgte Trennung gemeistert habt, hierzu gehört auch eine wundervolle und starke Frau!!
Kompliment und alles Gute für Dich und deine Familie
Ich stand kurz davor, dieselbe Situation wie Du meistern zu müssen. Die Situation hat sich für mich aber positiv gewendet, so dass ich auch den Rest meines Arbeitslebens mit Fahrrad oder Bus zum Arbeitsplatz fahren konnte.
Ich habe Achtung vor allen, welche diese angenehme Situation wie ich nicht hatten/haben.
@Stefan: Danke für die netten Wünsche. Ich weiß nicht, ob es unter den heutigen Bedingungen ein Zuckerschlecken ist, bei einer Behörde beschäftigt zu sein. Ich denke da zum Beispiel auch an Polizisten. Die kriegen wenig Geld und haben einen Job, der sicher auch nicht immer nur Freude macht. Aber du meintest wohl auch eher diejenigen, die man in den Amtsstuben antrifft und für die das Bild vielleicht auch heute tatsächlich noch zutrifft. In Bonn arbeiten heute immer noch sehr viele Beamte, weil sie sich und ihren Familien einen Umzug nach Berlin entweder nicht zumuten wollen oder weil sie -was ich verstehen kann- ungern die Woche über in der Hauptstadt arbeiten wollen.
@Alfons: Etwas Glück gehört eben dazu. Man kann es sich nicht immer aussuchen. Die meiste Zeit meines Berufslebens hatte ich ja Glück. Jetzt ist es ein bisschen schwieriger.
150km sind schon ordentlich! Natürlich ist es auch noch interessant, ob man die Kilometer auf einer freien Autobahn verbringen kann.
Meine knapp 30 kilometer zur arbeit fahre ich nachts in 20 Minuten – tagsüber zu einer ganz doofen Zeit habe ich auch schonmal an den zwei Stunden gekratzt.
Aber das ist jammern auf hohem Niveau, ich habe es von der Entfernung sehr gut getroffen…
Ein paar Kollegen stehen jeden Tag um 5 auf um abends zwischen halb 8 und 8 zuhause zu sein!
Naja, der Horst fährt die ja pro Woche normal nur 2x – 1x hin, 1x zurück. Für ihn ist sicher das alleine “rumhängen” schlimmer. Der ist das ja nicht gewohnt. Ich komm immer in eine leere Wohnung (seit ich 24 bin, bis auf gaaaanz wenige Ausnahmen) – für mich ist das Normalität.
Aber die 250 Km 2x pro Tag von seinem Bekannten – DAS ist Masochismus. Wenn ich das mal für 20 Tage im Monat rechne, dann sind das 10000 Km. Bei Super 1,30 und nur 8 Liter = ca. 1000,-. Selbst wenn der “dieselt” – das Auto kost nicht nur Sprit. Das ist die reine Unvernunft. DA gibts sicher günstigere Lösungen…