Slomka und die Rech-Fertigung der Gewalt

Oktober 4, 2010 4 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 77 x aufgerufen.
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Slomka und die Rech-Fertigung der Gewalt

Ja, Slomka hat das Interview geschickt geführt und Rech machte (wie sonst, in den eher seltenen Fällen, in dem ich bisher was von ihm gesehen oder gehört habe) einen unsympathischen Eindruck.

Aber was heißt das schon? Keiner, der die Polizeiaktion gegen die Demonstranten hätte verteidigen müssen, hätte mich überzeugen können. Und es war an diesem Abend wohl auch einfach, den Minister vorzuführen.

Der Vor-Ort-Reporter des ZDF hatte mehrere Auftritte und kam seiner Funktion voll umfänglich nach. Obwohl es sich um einen älteren Herrn gehandelt hat, verstand auch er es, die bildunterlegte Dramatik noch zu verstärken. Typisch Fernsehen. Aber genau das wollen wir sehen.

Wir sind entweder nicht mehr in der Lage oder nicht mehr willens, Argumente der jeweils anderen Seite zu respektieren. Wir freuen uns folgerichtig wie die Schneekönige, wenn Mandatsträger und Verantwortliche von der Presse vorgeführt werden.

Stattdessen sollten wir vielleicht mal nachdenken, was der nächste Schritt in einem solchen Szenarium sein könnte. Eine demokratisch herbeigeführte Entscheidung wird unter Berufung auf demokratische Grundrechte infrage gestellt. Das kann vielleicht in Ordnung sein. Aber die Mittel, die zur Umsetzung der jeweils eigenen Position eingesetzt werden, sollten nie Gewalt und Verleumdung heißen.

geschrieben via email von Auf Krawall gebürstet

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4 Kommentare

  1. George 4. Oktober 2010 at 19:06 -

    Die Frage ist doch, ist das alles demokratisch abgesegnet? Das VOlk wählt Politiker, und die denken sie könnten nach Gutdünken schalten und walten, sie schließen milliardenschwere Deals mit Parteifreunden und Wirtschaftsamigos hinter verschlossenen Türe ab ohne das Volk mitentscheiden zu lassen. Das Volk, das immerhin zahlen soll! Die Bedenken der S21 Gegner gibt es schon lange, aber man schmettert sie ständig ab.

    Stattdessen hat man mit Unterschriften schnell die vertraglichen “Zwänge” geschaffen, auf die man sich herausredet; und viel mehr wird auch nicht angeführt. Eine Herausgabe der Unterlagen erfolgt nicht, um die Vorwürfe zu entkräften der Bau sei zu risikoreich und womöglich bei Fertigstellung schon technisch veraltet.

  2. Horst Schulte 4. Oktober 2010 at 19:34 -

    Das kann ich aus meiner Sicht nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls haben die Entscheidungen ja angeblich alle möglichen Instanzen (auch Parlamente) durchlaufen. Ich unterstelle, dass dies der Fall ist. Die Gegner des Projektes sagen ja, dass sich seither grundlegende Fakten verändert hätten. Das ist nur 1 Vorwurf. Allerdings kann man dazu natürlich auch sagen, dass während einer so langen Vorbereitungszeit (bis zur Umsetzung) die Rahmenbedingungen immer andere sind, als man zu Beginn des Projektes angenommen hat. Dazu gehört (leider) auch die Höhe der Kosten.

  3. Slomkersen 6. Oktober 2010 at 13:57 -

    Wirklich schade dass Diskussionsrunden und Interviews auch in den öffentlichen Rechtlichen fast nur nur zur Diffamierung der jeweiligen Person dienen. Dass dies durchaus zur Sympathie innerhalb der Masse führen kann, zeigt dieses Interview und das aktuelle Streitthema Stuttgart 21 im Allgemeinen. Da wird wenig Wert auf Fakten oder einen sachlichen Ton gelegt, viel mehr werden Phrasen “gedroschen” und der Eine versucht den Anderen gezielt zu demontieren.

    Besonders gut war dies auch in der Islam-Sarrazin Debatte zu erkennen, als wenig auf Fakten und Argumente eingegangen wurde, dafür umso mehr diese Person bloß zu stellen. Herr Sarrazin war dabei glücklicherweise ein sehr ruhiger Pol, der sich nicht zu Affektsituationen hinreissen lies.

  4. Horst Schulte 6. Oktober 2010 at 15:38 -

    @Slomkersen: Ich fürchte, das sind auch Belege für die mangelhafte Streitkultur in unserem Land. Eine sachliche Debatte wird aufgrund bestimmter Interessen (Einschaltquote, Auflage) immer schwerer. Das führt am Ende dazu, dass Populismus immer stärker zur Richtschnur wird. Das ist eine schlechte Entwicklung, die die Demokratien nehmen. Es handelt sich um einen langfristigen Trend, der sich durch die Wettbewerbssituation der alten Medien noch verstärkt hat.