Mich hat gestört, dass Mesut Özil in Berlin bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Er ist ausdrücklich dafür zu loben, dass er sich davon unbeeindruckt gezeigt hat – jedenfalls äußerlich. In den Medien wurde herausgestellt, dass die türkischen Zuschauer “fanatisch gepfiffen” hätten. Ja, gepfiffen haben die Türken. Der Grund ist allen geläufig. Im deutschen Fußball scheint es so etwas allerdings anscheinend nicht zu geben.
Ich will daran erinnern, dass es in der Bundesliga sehr viele Fußballspiele gab, bei denen Spieler, die die Mannschaft gewechselt hatten, von den Fans der ehemaligen Mannschaft (manchmal in Serie) ebenso gnadenlos ausgepfiffen wurden, wie Özil letzten Freitag.
Eingedenk der aktuellen Diskussionslage aber machen daraus viele (und die Medien leisten bereitwillig ihren Beitrag dazu) einen “Beleg” für das Scheitern eines Integrationsmodells. Es sind die Gleichen, die sonst, was natürlich folgerichtig ist, penetrant und unaufhörlich vom Scheitern der Integrationspolitik sprechen.
Man kann gerade Ereignisse während eines Fußballspiels ganz prima zur Volksverdummung nutzen. Fußballfans sind da im Vorteil. Die werden nämlich gleich erkennen, dass ein Pfeifkonzert gegen einen Spieler, auch in diesen Ausmaßen, nicht so selten ist. Zumal dann, wenn der, um den es geht und dessen “Verlust” man beklagt, solche fußballerischen Qualitäten aufweist.











Ich will daran erinnern, dass es in der Bundesliga sehr viele Fußballspiele gab, bei denen Spieler, die die Mannschaft gewechselt hatten, von den Fans der ehemaligen Mannschaft (manchmal in Serie) ebenso gnadenlos ausgepfiffen wurden, wie Özil letzten Freitag.
Der Vergleich hinkt an einem entscheidenden Punkt: Özil hat niemals für die Türkei gespielt. Die da gepfiffen haben, sind vielmehr anscheinend der Meinung, als Sohn türkischer Eltern habe er das gefälligst zu tun und alles andere sei Verrat. Und das ist dann eben keine gute integrationspolitische Nachricht.
Vergleiche hinken ja meistens. Dann müssen wir es eben dabei lassen, dass die Türken, die da gepfiffen haben, ihren Ministerpräsidenten loyal unterstützt haben. Der will schließlich keine Assimilation. Und wer das schwarze/weiße Trikot trägt und den Bundesadler, der hat diese voll umfänglich vollzogen.
Ich würde sagen, dass konservative Menschen zu solchen Sichtweisen neigen. Dafür habe ich Verständnis. Auch wenn das Gepfeife nicht nur unter sportlichen Gesichtspunkten nicht schön war.
Ähnliches ist mir von Leuten, die in die USA, Kanada oder Australien eingewandert sind, bisher noch nie zu Ohren gekommen. Und das sind ja beileibe nicht alles nur Progressive…
Gut, es sind keine Konservativen. Es sind Türken. Nein, es sind muslimische Türken. Noch schlimmer.