Vom Rock-and-Roll-Islam von al-Qaida und palästinensischen «Freiheitskämpfern»

Oktober 18, 2010 3 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 67 x aufgerufen.
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Es geht um ethnische Kultur, um die doppelten und dreifachen Identitätsprobleme von Berbern, die aus Marokko in die Niederlande gekommen sind, um die Identifikation von Jugendlichen mit dem Rock-and-Roll-Islam von al-Qaida und palästinensischen «Freiheitskämpfern»

Quelle: Ein sanftmütiger, fröhlicher Mensch | Die Weltwoche – Juni 2006

Dies ist die Sicht von Leon de Winter. Er hatte sie in einem Artikel über den “sanftmütigen, fröhlichen Menschen” Geert Wilders dargelegt, über den er für die Weltwoche im Jahr 2006 geschrieben hatte.

De Winter beschreibt den Konflikt, den der Populist Wilders und viele seine Landsleute sehen. Sie machen sich Sorgen um den Sozialstaat, der, so de Winter, nur Bestand haben könne, wenn die Solidargemeinschaft zu den Werten des Nationalstaats stehe.

Er hat erkannt, dass der Wohlfahrtsstaat nur überleben kann, wenn er ausschließlich gutausgebildete und hochdisziplinierte Immigranten zulässt und den Zustrom frustrierter und vor allem schlechtausgebildeter Muslime aus Marokko und der Türkei unterbindet. Ist so etwas rechtsradikal? Oder ist es gesunder Menschenverstand?

Am Text de Winters beschäftigt mich weniger das, was wir gerade in unserer aktuellen Diskussion widerkäuen.

Wir wollen den Wert von Menschen an ihrem Nutzen in dem ohnehin fragwürdigen Wertesystem der Ökonomie messen? Bitteschön. Dann macht mal. Ich finde, wir verstehen es immer besser, eine Gesellschaft von innen heraus zu zerstören.

Im ersten Zitat spricht de Winter von der “Identifikation von Jugendlichen mit dem Rock-and-Roll-Islam von El-Kaida und palästinensischen «Freiheitskämpfern»”. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Gefühl in einer Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, solche Entwicklungen nach sich ziehen kann. Junge Männer, die auf Sozialhilfe angewiesen sind und über keine Perspektive verfügen, ein und wenn nur bescheiden erfolgreiches Leben führen zu können, begeben sich auf solche Pfade. Das ist in meinen Augen verständlich. Und bitte, das heißt nicht, dass ich es gutheißen oder verstehen würde.

Die strengen deutschen Wächter unseres Nationalstaats werden sofort entgegnen, dass man sich seinem “Schicksal” ja nicht fügt, sondern selbst für ein besseres Leben kämpfen muss, um die eigenen Lebensumstände zu verbessern. Und was — nur einmal angenommen: was wäre, wenn einem die Türen zugehalten würden? Wie viele deutsche Arbeitslose haben das in den vergangenen Jahren erlebt, und sie hatten vielleicht bessere Voraussetzungen.

Wir wissen, dass mehr und mehr Akademiker ausländischer Herkunft unser Land verlassen, weil sie hier in ihren Berufen keine Chance erhalten haben. Neutrale Bewerbungen zu versenden, wie ich es kürzlich zu diesem Thema einmal hörte, wird das Problem wohl auch nicht wirklich lösen können.

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3 Kommentare

  1. Rayson 19. Oktober 2010 at 13:51 -

    Wir wollen den Wert von Menschen an ihrem Nutzen in dem ohnehin fragwürdigen Wertesystem der Ökonomie messen? Bitteschön. Dann macht mal. Ich finde, wir verstehen es immer besser, eine Gesellschaft von innen heraus zu zerstören.

    Erst einen Sozialstaat befürworten, der darauf angewiesen ist, dass eine immer kleinere Zahl von Menschen eine immer größer werdende versorgen kann, und sich dann moralisch darüber entrüsten, dass dafür eine immer größere Produktivität erforderlich ist. Oder kurz: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

  2. Horst Schulte 19. Oktober 2010 at 14:24 -

    Ich denke, dass sich der “immer kleinere” Teil von Beutelschneidern ganz gut gegen den Rest der Menschen behauptet. Nicht nur bei uns in Deutschland. Es gab in diesem Land einmal das, was man “Soziale Marktwirtschaft” genannt hat. Das hat gut funktioniert. Vielleicht nicht nur deshalb, weil noch unbegrenztes Wachstum möglich war schien, sondern weil es ein Geben und Nehmen gab. Das hat sich sehr verändert. Es gibt einen ausufernden Sozialstaat, wie das immer gern genannt wird, auf der anderen Seite aber die Unternehmen und Manager, die ihren Belegschaften nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnen. Schlimmer noch, sie nutzen ohne Rücksicht auf Verluste die geschaffenen Möglichkeiten der Leiharbeit, des Billiglohns etc. Ein Sozialstaat muss finanzierbar sein. Da sind wir einer Meinung.

    Dieser Sozialstaat hat in erster Linie deshalb Probleme, weil er fortlaufend aus ideologischen Gründen diffamiert wird. Arbeitsplätze wurden abgebaut, ins Ausland verlagert. Nicht, weil man wettbewerbsfähig sein wollte oder musste, sondern weil Profitmaximierung ohne Rücksicht auf Verluste stattgefunden hat. Warum ist es so, dass in Deutschland der Mittelstand schrumpft und die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet? Die Wettbewerbsfähigkeit wurde doch nicht etwa hergestellt, in dem sich die Wirtschaft aus dem Portemonnaie der Arbeitnehmer bedient hat?

    Wer hier wem den Pelz gewaschen hat ist wohl klar. Die Folgen der Verunsicherung und Sorgen der Menschen in Deutschland kriegen jetzt die ab, die in Deutschland ohne Einfluss sind.

  3. Rayson 22. Oktober 2010 at 01:07 -

    Das hat gut funktioniert. Vielleicht nicht nur deshalb, weil noch unbegrenztes Wachstum möglich war schien, sondern weil es ein Geben und Nehmen gab.

    Vor allem und zuvörderst, weil man Wechsel auf die Zukunft ausgestellt hat.

    Schlimmer noch, sie nutzen ohne Rücksicht auf Verluste die geschaffenen Möglichkeiten der Leiharbeit, des Billiglohns etc.

    Wie böse aber auch. Wahrscheinlich wäre es besser, sie würden wegen zu hoher Kosten ganz aus dem Markt ausscheiden.

    Dieser Sozialstaat hat in erster Linie deshalb Probleme, weil er fortlaufend aus ideologischen Gründen diffamiert wird.

    Nein. Er hat Probleme, weil er auf tönernen Füßen steht. Er schafft für alle Anreize, weniger zu leisten, in jeder Beziehung übrigens, und beraubt sich damit seiner Voraussetzungen.

    Nicht, weil man wettbewerbsfähig sein wollte oder musste, sondern weil Profitmaximierung ohne Rücksicht auf Verluste stattgefunden hat.

    Die Verlagerung ins Ausland ist allen Untersuchen zufolge, die dazu angestellt wurden, sehr gering. Und angesichts der deutschen Exportquote müsste man noch hinzufügen: Viel zu gering. Exporte erhöhen zwar kurzfristig das BIP, bleiben aber ohne Wert, wenn ihnen auf Dauer keine entsprechenden Importe gegenüberstehen.

    Warum ist es so, dass in Deutschland der Mittelstand schrumpft und die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet?

    Es ist nicht so. Zwar gilt das als allgemeine Weisheit, aber die Zahlen (Stichwort: Gini-Koeffizient) sagen etwas anderes. Übrigens kann auch die gerne zitierte DIW-Studie nichts als Kronzeugin dienen, denn die hält den mit ihr verbundenen Pressemitteilungen nicht stand, wie das DIW inzwischen selbst eingeräumz hat.

    Die Folgen der Verunsicherung und Sorgen der Menschen in Deutschland kriegen jetzt die ab, die in Deutschland ohne Einfluss sind.

    Ja, leider. Stattdessen sollten sie geballt diejenigen treffen, die immer wieder das Blaue vom Himmel versprechen. Aber denen glaubt man ja stets auf Neue. Als hätte es Bernie Cornfeld nie gegeben.