Wer besser lügt hat die Deutungshoheit

November 15, 2010 2 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 104 x aufgerufen.
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Wer besser lügt hat die Deutungshoheit

Mit den Statistiken ist das so eine Sache. Die Aufforderung, keiner Statistik zu trauen, die man nicht selbst gefälscht habe, ist alt und wird gern Winston Churchill zugeschrieben, sie könne aber auch durchaus aus ganz berufenem Munde stammen und dazu noch aus Deutschland.

WEIDEN, GERMANY - MAY 07:  Anna Pappenberger, inhabitant of the St.Michael Zentrum, residential home for the elderly, participates a physical fitness tra?ning session on May 7, 2008 in Weiden, Germany. The St. Michael Zentrum is a model old people's home, improving the physical and psychical health by special training projects.  (Photo by Johannes Simon/Getty Images)Im Moment spricht man allgemein gern davon, dass die eine oder andere Seite für ihre Position die Deutungshoheit beanspruche. Das jüngste Beispiel ist der Disput über die Arbeitslosenzahlen bei älteren Arbeitnehmern. Natürlich geht es dabei um die wichtige Frage, ob die Rente mit 67 angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt überhaupt vertretbar ist. Die große Koalition hatte seinerzeit beschlossen, ein Jahr vor dem Beginn der Heraufsetzung der Altersgrenze die Lage noch einmal zu checken. Der Prüfbericht liegt vor und belegt, dass sich die Lage der älteren Arbeitnehmer keineswegs verbessert hat. Die Regierung behauptet allerdings immer noch das Gegenteil. Das wird niemanden überraschen.

Es geht um wieder um Statistiken. Je nachdem, wie man diese auslegt, gibt es bei über 58jährigen gegenüber Anfang 2008 einen Anstieg von 380.000 Arbeitslosen. Der DGB, der gemeinsam mit der SPD, die, wie wir nicht vergessen wollen, die Rente mit 67 gemeinsam mit der CDU einführen wollte, hält die älteren Arbeitnehmer für die “Opfer der Krise”. Das will im Regierungslager keiner hören. Dort hält man daran fest, dass die Steigerung nur auf statistische Veränderungen zurückzuführen ist.

Von der Leyens Zahlen machen auch was her: Danach hatten in 2007 37,3 % der über 55jährigen einen sozialversicherungspflichtigen Job. 2005 waren es nur 29,3%. Bei Personen über 60 hat sich die Beschäftigungsquote gegenüber 2000 auf fast 25% mehr als verdoppelt. Einen Trend lassen die Zahlen über die Parteigrenzen hinweg erkennen: Je näher die Beschäftigen dem Renteneintritt kommen, umso mehr sinkt die Quote der Menschen, die noch einen Vollzeitjob haben. 63jährige sind in dieser Gruppe mit weniger als 10% anzutreffen. Für mich ist das eine klare Botschaft. Für die brauche ich keine Deutungshoheit.

Sie belegt, dass es bestensfalls eine schöne Vision der handelnden Politiker war, dass ältere Arbeitnehmer wieder bessere Chancen am Arbeitsmarkt hätten. Und wie meinte Helmut Schmidt: “Wer Visionen hat soll zum Arzt gehen.” Aber die Politiker hören ja nicht aufeinander. Sie beanspruchen lieber die Deutungshoheit.

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Zeitungsberichte zum Thema:

“Sie werden die Quittung erhalten”
Rente mit 67: Debatte wird schärfer – Weitere Meldungen – FOCUS Online
Wie viele Ältere sind arbeitslos? – Kölner Stadt-Anzeiger[/fancy_box]

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2 Kommentare

  1. JürgenHugo 15. November 2010 at 22:03 -

    Der Herr Schäuble is doch schon 68? DER gehört zu den 10% mit Job…

  2. Horst Schulte 15. November 2010 at 22:09 -

    Der macht noch ein bisschen. Merkel hat auf seine Sozialkompetenz unmöglich verzichten.