Wie steht es um unseren politischen Verstand?

Dezember 13, 2010 2 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 105 x aufgerufen.
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U.a. Joachim Gauck hat heute Abend bei «Anne Will» in wenigen Sätzen die zentrale Problemstellung erläutert, die in der Vermittlung von Politik an die Bürger besteht:

[dropcap1]1[/dropcap1]«Die Politik enthält gerade in Zeiten der Globalisierung so viel hochkomplexe Zusammenhänge, dass viele Menschen das gar nicht mehr verstehen. Und sie nehmen sich auch nicht mehr die Zeit, das Ganze zu durchdringen, sondern die wollen in 1:30 in der Tagesschau von Minister Rösler erklärt haben: Wie hängt das zusammen?. Und wenn der Minister Rösler das nicht schafft, dann ist er ein ganz schlechter Minister, weil es viel einfacher ist, den Minister zu schelten, als sich zu sagen: Hör mal zu, Alter, du bist offenbar zu dumm, du begreifst es nicht.» [Quelle]

Einige weitere Aussagen in der heutigen Sendung geben auf jeden Fall Anlass, sie auf sich wirken zu lassen:

[dropcap1]2[/dropcap1]Wir sind dafür, dass Politiker diesen Job nur für eine gewisse Zeit wahrnehmen. Danach sollten sie in ihren ursprünglichen Beruf zurückgehen oder jedenfalls wieder aus der Politik verschwinden. Wenn Lothar Späth, Gerhard Schröder, Friedrich Merz oder Roland Koch (und viele andere) das aber tun, werden sie dafür scharf kritisiert.

[dropcap1]3[/dropcap1]Für Gaucks Beschreibung unserer oberflächlichen Bewertung der Politik und insbesondere der Politiker/innen (s.o.) spricht natürlich auch die Erfahrung, die wir mit den Protesten zum Atomausstieg gemacht haben. Alle Wähler wussten natürlich (oder hätten es jedenfalls wissen können, wenn sie sich ein bisschen nur für Politik interessiert hätten), dass die schwarz/gelbe Regierung den Ausstieg aus dem Ausstieg durchziehen würde, sobald sie an der Regierung wären. Ich muss also nicht mal ein schlechtes Gewissen haben, weil ich mich an den Anti-Atomprotesten bisher nicht beteiligt habe. Schließlich habe ich diese Regierung nicht gewählt!

Zum Schluss noch ein echter Stoiber (der war auch dabei):

Anne Will: “Hat die Kanzlerin einen Fehler gemacht?”
Stoiber: “Dass sie das Buch [von Sarrazin] nicht gelesen hat?
Will: “Ja, auch dass sie sagt ‘Inakzeptabel, lese ich aber nicht’.”
Stoiber: “Aber sie hat natürlich den Inhalt voll aufgenommen.”

Der Fairness halber will ich festhalten, dass Stoiber heute Abend -jedenfalls auf mich- einen sehr aufgeräumten Eindruck gemacht hat. Ich musste ihm in vielen Aussagen einfach zustimmen. Die EU wirkt auf ihn wie ein Umerziehungslager. Gehirnwäsche oder so was. Er sagte nämlich auch folgendes:

«Seit 1998 bin ich der festen Überzeugung, zu unserer repräsentativen Demokratie brauchen wir wesentlich stärkere Elemente der direkten Demokratie.» — Mich hat diese Aussage ehrlich überrascht. Abgesehen davon teile ich sie selbstverständlich.

Podcast “Anne Will”: AU-20101213-0944-4701.mp3

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2 Kommentare

  1. Karsten 13. Dezember 2010 at 01:38 -

    Joachim Gauck hat wirklich gesagt: “Hör mal zu, Alter(…)”?!?

    Wow.

  2. Horst 13. Dezember 2010 at 09:24 -

    Ja. Ich war gestern wieder hin und weg von Gauck. Das wäre ein Präsident gewesen…