Informationsqualität: Sarrazin und Wikileaks

Dezember 25, 2010 Kommentare deaktiviert | Dieser Artikel wurde 93 x aufgerufen.
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Wie schön wäre es, wenn unsere politischen Führer nicht nur über die Halbbildung ihrer Redenschreiber, sondern über eigene Bildung verfügten.

Für diesen Satz wird Thilo Sarrazin natürlich Beifall bekommen. Sie enthält erstens die naive und wohl auch falsche Vorstellung, dass «politische Führer» grundsätzlich klüger sind als andere Menschen oder dies jedenfalls sein sollten und zweitens, dass Redenschreiber über eine lückenhafte Bildung verfügen.

Es gibt politische Führer, die strunzdoof sind und es gibt Redenschreiber, die über eine ganz ausgezeichnete Bildung verfügen. Jedenfalls würde ich vor allem letzteres mit der mir zur Verfügung stehenden Halbbildung durchaus aus der einen oder anderen Rede, die ich in meinem Leben gehört habe, ableiten wollen.

[pullquote_right]1.) Spiegel: Sarrazin vergleicht Merkels Kritik mit Heiliger Inquisition
2. Süddeutsche: Von Staatskrisen und Scheiterhaufen: Sarrazins persönlicher Jahresrückblick
[/pullquote_right]Herr Sarrazin fühlt sich missverstanden und zu Unrecht angegriffen, denn viele sahen sich berufen, das Buch zu kritisieren, ohne es gelesen zu haben. Aber haben uns denn nicht die zahllosen Zeitungsartikel und Buchbesprechungen diese Arbeit abgenommen? Sarrazins Kritik an seinen Kritikern (Bundespräsident und Bundeskanzlerin) ist deshalb substanzlos!

Wie wäre es sonst auch überhaupt möglich, dass viele daran glauben, die Wikileaks – Veröffentlichungen böten Weiterentwicklungschancen für unsere Demokratien?  Ist nicht der Einzelne damit überfordert, die massenhafte Zahl von Informationen/Meinungen/Desinformationen auszuwerten, einzuordnen und sie für die eigene Meinungsbildung zu verwenden?

Viele empfinden Wikileaks als Startpunkt für eine neue Qualität, eine Runderneuerung oder mindestens eine Weiterentwicklung unserer Demokratien. Es wird auf volle Transparenz gesetzt. Ich fürchte, das ist eine zu idealistische Einschätzung der Möglichkeiten, die uns Menschen gegeben sind. Die Frage nach der Relevanz von Informationen stellt sich allenthalben, auch wenn viele davon nichts wissen wollen. Aber mal ganz simpel gefragt: Was nützen Informationen, mit denen wiederum nur wenige etwas anfangen können? Ergibt sich aus dieser Frage nicht bereits das nächste Problem?

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