Und so etwas kann nur Joachim Gauck sagen…

Dezember 31, 2010 1 Kommentar » | Dieser Artikel wurde 136 x aufgerufen.
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Und so etwas kann nur Joachim Gauck sagen…

… ich meine: ungestraft! Obwohl das Stirnrunzeln beim Interview bei den Verantwortlichen des “Tagesspiegel” deutlich wahrnehmbar ist. Nicht wegen der nun folgenden Sätze, sondern eher wegen Gaucks Äußerungen zur Causa Sarrazin.

Es gibt in der Demokratie nicht nur eine Bringschuld der Politik, sondern auch eine Holschuld der Bürger. Wenn Wähler in einer Konsumentenhaltung verharren, anstatt sich für die objektiven Probleme der Allgemeinheit zu interessieren und sich mit den Vorschlägen und Maßnahmen der Politik wirklich auseinanderzusetzen, gerät die Demokratie auf Dauer in Gefahr.
[...]
[pullquote_right]INTERVIEW: Gauck attestiert Sarrazin “Mut” – Politik – Tagesspiegel[/pullquote_right]Nicht die Kleidung der Ehefrau des Verteidigungsministers ist wichtig, sonder die Lage der Sozialsysteme oder die Notwendigkeit der Rente mit 67.
[...]
Politiker müssen eine Sprache finden, die auch von den einfachen Menschen verstanden wird.

FLENSBURG, GERMANY - DECEMBER 01:  Joachim Gauk during the '2010 - Der Grosse Jahresrueckblick' TV Show on December 1, 2010 in Flensburg, Germany. (Photo by Krafft Angerer/Getty Images)Zugegeben: In Teilen klingt mir das selbst ein bisschen — Achtung: populistisch. Aber Gauck darf das (bisher jedenfalls noch) ungestraft tun, und wir wissen, woran das liegt. Auch zum Parteiausschlussverfahren, dass die SPD gegen Sarrazin eingeleitet hat, nahm Gauck Stellung:

Aber man muss nicht gleich demjenigen Sanktionen androhen, der ein bestehendes Problem offen anspricht.

Da ist er mit vielen, nicht nur mit dem Ehrenbundeskanzler, Helmut Schmidt, auf einer Linie.  Aber die differenzierte Sicht, die Schmidt, Gauck und andere zum Thema haben, hindert Menschen überhaupt nicht daran, ihre eigene Meinung mit mich einigermaßen überraschender verbaler Gewalt (s. Kommentarbereich Tagesspiegel) auszubreiten. Mir kommen dann auch (leider) Zweifel an dem, was Gauck zuvor so überzeugend und mutmachend geäußert hatte. Ich meine den Passus, in dem er davon redet, dass wir  ”mehr plebiszitäre Elemente” in unserer Demokratie benötigen. Vielleicht ist es mit unserer Reife doch nicht so weit her. Aber ich will jetzt nicht einknicken, denn ich bin auch unbedingt für mehr Volksbeteiligung. Das habe ich hier immer vertreten, und ich stehe dazu.

Ich schreibe es wieder: Joachim Gauck wäre ein toller Bundespräsident geworden. Aber da sind ganz bestimmt mal viele mit mir einer Meinung.

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Ein Kommentar

  1. Martin 31. Dezember 2010 at 21:28 -

    Herrn Gauck betrifft die “political correctness”-Keule einkommensmäßig sicherlich nicht, denn er bekleidet keinerlei politisches Amt mehr und ist meines Wissens auch sonst nicht Bestandteil des “Systems”.

    Eine seiner potentiellen Schwachstellen ist der Vorsitz im Verein “Gegen Vergessen – Für Demokratie”, den Vorsitz kann man ihm nehmen. Außerdem kann man dafür sorgen, daß er in der Öffentlichkeit nicht mehr gehört wird.

    Man kann nicht vorhersagen, ob und wann das “political correctness”-Ritual einsetzen wird.

    Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

    Herrn Gauck wird das alles sicherlich nicht besonders stören. Im Januar wird er siebzig Jahre alt.

    Sicher sehr zum Ärger der Akteure des “Systems”.