Heute Abend wird Lena singen. Sechs Mal habe ich gehört. Quasi ohne Gegenstimme. Ob das auszuhalten ist? Wir haben Lena gemocht. Ihre natürliche, fröhliche Art und -doch wirklich!- selbst ihr “Satellite”. Dabei hätte ich ihre Konkurrentin am Abend der Entscheidung stimmlich noch vorgezogen.
Lena hat den Grand Prix gewonnen, und die meisten von uns waren ja wohl so etwas von begeistert. Komisch, dass wir das heute scheinbar schon vergessen haben.
Es ist vielleicht ein bisschen so, wie bei unserem adeligen Politstar.
Lena war seit ihrem Sieg omnipräsent und … das nervt. Wahrscheinlich geht einem das mit vielem so, was in den Medien zu präsent ist. Meine Frau und ich sind uns in dieser Beziehung jedenfalls total einig. Das war bei Heidi Klum auch der Fall. Die mochten wir ganz früher nämlich auch. Und Thomas Gottschalk, Jörg Pilawa oder auch Reinhold Beckmann. Alles gute Namen, früher einmal. Heute sind sie -ich übertreibe mal ein bisschen- doch irgendwie verbrannt. Bei uns kommt jedenfalls keine Begeisterung mehr auf, wenn diese Stars am Bildschirm auftauchen.
Vielleicht sind wir einfach nur undankbar? Die Leute und auch Lena haben doch was geschafft. Haben uns zum Teil (oder irgendwann einmal) gut unterhalten. Lena übrigens auch mit ihrer Natürlichkeit. Das haben wir vergessen. Aber ihre letzten öffentlichen Auftritte, jedenfalls die, die wir gesehen haben, waren aber auch ätzend. Die aktuelle Wahrnehmung? Ein überkandideltes Mädchen, das sich offenbar einiges darauf einbildet, dass sie mal einen Preis bei einem Sängerwettbewerb gewonnen hat.
Wenn die Leute den Hals nicht voll kriegen und immer noch eine Schippe (eine Sendung) drauflegen müssen, geht das alles von ihrem Bonus ab. Das ist bei Politikern vielleicht noch ein bisschen anders, weil die ja etwas haben, was man im Showbizz so nicht kennt. Parteifreunde nämlich. Wenn ausnahmsweise mal ein Politiker in der Bevölkerung gut ankommt, dann sinnen die Eifersüchtigen nach einem Weg, solche Strahlemänner einzubremsen und noch besser: zu Fall zu bringen. Und wenn das mal nicht klappt, muss nur gewartet werden, bis der Akteur selbst die Fehler macht. Dann wird dafür gesorgt, dass der Tamtam der Presse durch unterstützendes Friendly Fire auch ja nicht so schnell verebbt.
Das Übrige erledigt unsere eigene Reaktion auf solche Phänomene. Die Wegwerfgesellschaft ist schnell neuer Spielzeuge überdrüssig. Mit Menschen des öffentlichen Lebens halten wir das nicht so viel anders.











Geht mir nicht so – jedenfalls nicht bei Lena (Guttenberg war nie ein Objekt meiner Zuneigung). Ich bin gespannt auf den Abend heute. Dass aber ein Mensch von dem, was da auf die Kleine eingeprasselt ist, einfach nicht unberührt bleiben kann, sollte auch selbstverständlich sein. Wir sind, und das klingt bei dir ja auch schon an, vielleicht etwas zu schnell bereit, das von uns erwartete Negative in die kleinsten Gesten hineinzuinterpretieren. So könnte der angebliche Wandel von der Natürlichen zur “Überkandidelten” auch mehr der Veränderung der eigenen Wahrnehmung geschuldet sein.
Übrigens kann ich das mit der überhand nehmenden Präsenz von Lena aus meiner Sicht auch nicht bestätigen. Es war doch eher so, dass schon einen Monat nach ihrem Erfolg die ersten von Erleichterung geprägten Nachrufe verfasst wurden, weil sie “so schnell von der Bildfläche verschwunden” sei.
Gewisse Medien hassen es, wenn Menschen an ihren Schreiberlingen vorbei und z.T. sogar gegen deren heftigen Widerstand populär werden, und scheinen daher den Zwang zu verspüren, diesen Unfall schnellstmöglich wieder zu korrigieren.
Im Prinzip stimme ich dir zu, soweit es Lena betrifft. Sie ist die geborene Eintagsfliege und auf Stefan Raabs Marketing-Maschinerie angewiesen um in diesem Geschäft zu überleben.
Guttenberg ist in der politischen Aufsteigerphase und damit Angriffsfläche für die “etablierten Machtkämpfer”. Die Medien testen, wie weit sie gehen können… Selbst wenn er mal stolpern sollte, wird er sich wie “Phoenix aus der Asche” wieder erheben, jede Wette…
“und die meisten von uns waren ja wohl so etwas von begeistert” – aber nich alle! :nee: :nee:
“Sie ist die geborene Eintagsfliege und auf Stefan Raabs Marketing-Maschinerie angewiesen um in diesem Geschäft zu überleben.”
Das ist nun wirklich nicht mein Eindruck. Ich finde, dass sie “etwas hat”, das andere nicht haben. Auf der Bühne, wohlgemerkt. Vielleicht hat sie noch nicht die richtige Ausdrucksform dafür gefunden, aber ich fände es schade, wenn das verschwinden würde.