Gestern verkündete Herr Martin Winterkorn, VW, dass in den nächsten 6-8 Jahren im Konzern 50.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Hiervon allein 5.000 in Deutschland. Insgesamt arbeiten weltweit 400.000 Mitarbeiter/innen für VW. Die phänomenalen Zahlen des unmittelbar auf das Krisenjahr 2009 folgenden letzten Geschäftsjahres begründet die Euphorie. Die Süddeutsche sieht VW auf dem Weg zur Weltspitze.
Zugleich entnehmen wir der Presse alarmierende Signale hinsichtlich der Inflationsrate. Sie liegt weiterhin bei knapp über 2%. Und auch sie hat Wachstumspotenzial. Die immer wieder zitierten Experten gehen davon aus, dass mittelfristig aus diesen 2% durch die Entwicklung am Mineralölmarkt das Doppelte werden könnte. Nicht nur, dass wir den Realismus dieser Sorge angesichts der politischen Lage in Arabien klar erkennen, allein die an den Mineralölbörsen dieser Welt herrschende Gier wird schon ihren Beitrag dazu leisten.
Unsere Bundesregierung streicht im Haushalt für das Jahr 2012 Millionen für den NRW-Straßenbau. Ein Rückgang von ca. 300 Mio. auf 173 Mio. Euro ist vorgesehen. Im Jahr 2009 waren es sogar noch 380 Mio., die an Bundesmitteln nach NRW geflossen sind. Wir erinnern uns: Damals war in NRW noch Schwarz/Gelb am Ruder. Aber die andere politische Konstellation hat vermutlich mit den Streichungen weniger zu tun als die selbstverordnete und grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse. Ich muss sicher jetzt nicht die Frage beantworten, welchen Zusammenhang ich zwischen Straßenbau und den in meinen Augen völlig überzogenen Wachstumsplänen des VW-Konzerns sehe?! Aber da kommt sicher die dem Deutschen im allgemeinen zugeschriebene Technologiefeindlichkeit in mir durch. So argumentieren diejenigen gerne, wenn ihnen die Argumente auszugehen drohen.
Obwohl es oft kritisch hinterfragt, diskutiert und kommentiert wurde, die Wirtschaft orientiert sich auch weiterhin kurz- und mittelfristig. Der Begriff Nachhaltigkeit spielt, jedenfalls bei Konzernen, offenbar keine Rolle! Vorjahresumsatz- und Ertrag sind die Maßstäbe, nach denen die Puppen tanzen. Die Richtlinien werden von den Aktieninhabern diktiert. Es zählt die Shareholder Value und nichts anderes. Insofern hat die schwere Krise, in der wir uns eben noch befunden haben und unter der immer noch Millionen von Menschen weltweit leiden, rein gar nichts verändert.
Vielleicht hat der VW – Konzern im Speziellen das Potenzial in der Art und Weise zu wachsen, wie Winterkorn es prognostiziert, mir bleibt es unverständlich, dass anhand kurzfristig erzielter Erfolge überzogene Erwartungen geweckt werden, die später von allen Dingen von den Belegschaften teuer bezahlt werden.











