Was wäre wohl passiert, wenn Bundesumweltminister Röttgen gestern verkündet hätte, ab Montag werden alle deutschen Atomkraftwerke abgestellt? Die meisten Deutschen hätten Beifall geklatscht. Frenetisch! Bis zum Abend – wenn der Fernseher nicht mehr angegangen wäre. Ach nein, in diesem Fall ja wäre “sicher” Cattenom eingesprungen.
Nein, das ist kein Zynismus. Ich betrachte das, noch jedenfalls, als die Realität.
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2004 hab ich mir gedacht, ich versuche es auch mal mit dem Bloggen. Ziemlich schnell hat sich daraus ein richtiges Hobby mit einigem Engagement entwickelt. Die Themen, die mich besonders interessieren, sind Politik, Gesellschaft, Medien und Musik.
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Ich möchte auch gerne eine sehr zügige Abschaltung der Atomkraftwerke – nicht erst seit gestern. Das Problem an der Sache ist, ich brauche Strom und ich kann ihn nicht erzeugen. Ich kann den Energielieferanten nur sagen, dass sie was ändern sollen. Genau das tun sie nicht – aus Profitgier – und auch das nicht erst seit gestern.
Insofern geht Dein Beitrag – ausnahmsweise mal
– ziemlich an der Wahrheit der Atomkraftgegner vorbei. Die wollen das schon ewig, die die es in der Hand haben hören aber auch schon ewig nicht darauf. Wenn alle Gewinne die in dem Bereich eingesackt werden nicht nur in den Taschen irgendwelcher Lobbyisten versickern würden, sondern auch ein bisschen in Forschung investiert würde, ich bin mir sicher, der Anteil regenerativer Energien wäre *deutlich* höher. Daran hat die Energielobby aber gar kein Interesse.
Da hast du mich missverstanden. Genauso sehe ich diese Zusammenhänge auch. Ich will auf zwei Dinge hinweisen: 1.) auf die Ambivalenz vieler Leute und 2.) -vielleicht deshalb- auf die Inkonsequenz der gleichen Leute. Am Ende werden die Strombedarfe nämlich irgendwo gedeckt. Darauf haben die Abnehmer im Zweifel nämlich leider keinen Einfluss.
Also ich halte es für etwas übertrieben nun die Deutschen Atomkraftwerke in Frage zu stellen. Außerdem ist bei uns kein Beben der Stärke 8,8 zu vermuten. Ich befürchte allerdings, dass dieser neue Gau weitreiche Folgen haben wird und die Atomenergie weltweit beeinflussen wird…
@Robby: Man kann das für übertrieben halten. Die Erdbeben dieser Stärke finden hier (bisher) nicht statt. Da können wir froh sein. Aber was ist mit Flugzeugabstürzen oder mit Terroranschlägen? Außerdem gibt es Unfälle, die auf keiner Liste stehen würden. Diese Technologie ist einfach zu gefährlich. Sie ist nicht beherrschbar. Deshalb wurde sie ja auch -sogar von dieser Regierung- ausdrücklich als Brückentechnologie bezeichnet. Das ist ja immerhin eine klare Aussage, die ihre Bedeutung entsprechend einstuft. Irgendwann muss das beendet werden. Es sei denn, der technologische Fortschritt lässt andere Schlüsse zu. Das ist heute nicht absehbar.
Natürlich wird die Diskussion jetzt erneut in Gang kommen. Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass dies angesichts der möglichen Katastrophe in Japan nicht auch geboten wäre. Und das nicht nur aus politischen Gründen. Die Technik ist offensichtlich nicht beherrschbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir in unseren Breitengraden solche Erdbeben erwarten könnten oder nicht. In Ländern, die uns geografisch näher liegen als Japan laufen ebenfalls Atomkraftwerke und dort sind Erdbeben möglich. Außerdem ist das so eine Sache mit den Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Sollte es nicht eigentlich so sein, dass ein Supergau nur alle 100.000 Jahr auftreten wird. Innerhalb von 25 Jahren haben wir jetzt (wenn das in Japan passieren wird) bereits den 2. Ich denke, das belegt ausreichend, dass diese Technik von Menschen nicht beherrscht werden kann.
Abschalten. Klar. Und dann? Wer von denen, die eine Sofortabschaltung fordern, ist bereit, auf 50% seiner Verbraucher zu verzichten und für den Rest 500% mehr für den Strom zu bezahlen? Und wer bezahlt jetzt schon den teureren Ökostrom? Die Nachfrage regelt den Markt. Auch den Strommarkt.
@Gina: Sofort geht nicht. Das wird auch denen klar sein, die das jetzt fordern. Teilweise tun sie das aus politischen Motiven. Es ist ein bisschen so wie bei den Lebensmitteln. Die sind aufgrund des Preisdrucks auch nicht immer von bester Qualität aber die Leute kaufen nur den billigen Mist. Das hat Folgen. Leider werden die Mechanismen in diesem System nicht begriffen. Wir können selbst etwas zu unserer Sicherheit beitragen. Das kostet Geld. Und da hört der Spaß bekanntlich auf.
Also zum einen ist es zwar richtig das wir hier kein Beben mit der stärke 8,9 bzw. 9,0 zu erwarten haben, allerdings sind unsere AKW´s auch nicht so erdbebensicher gebaut wie die Japanischen, d.h. auch ein vergleichsweise geringeres Beben könnte im schlimmsten fall ähnliche konsiquenzen haben.
Seine Lehren daraus zu ziehen ist da wohl das mindeste was zu erwarten ist. Vom sofortigen Abschalten aller Kraftwerke habe ich aber bisher keinen ernszunehmenden Politiker reden hören, aber 1-2 alte sofort abschalten – warum icht ? Die Stommenge lässt sich problemlos kombensieren, und im zweifel muss man eben auch mal an die Stellschraube “Stromverbrauch” ran – ich denke da ist noch viel Potenzial.
Wir schaffen es ja noch nicht einmal, dort anzufangen, wo wir könnten: beim Essen, beim eigenen Strom- und Benzinverbrauch… Von daher habe ich keine Hoffnung, dass die heutige Betroffenheit einschneidende und nachhaltige Folgen hat. Nach Tschernobyl war das Geschrei auch groß. Doch Tschernobyl ist lange her. Wie auch gequälte Tiere weit weg vor sich hin vegetieren. Und Strom aus der Dose kommt und Benzin an der Tanke wächst.
@Flo: Die Laufzeitverlängerung kommt auf den Prüfstand, weil alles andere m.E. nach Japan politisch nicht durchzuhalten ist. Es gibt Politiker, die ältere Atomkraftwerke sofort abschalten wollen – nicht alle. Gabriel (SPD) hat das gerade noch gesagt. Aber du schreibst ja von “ernstzunehmenden” Politikern.
@Gina: Das sehe ich leider auch so. Vielleicht verändert sich aufgrund der Ereignisse in Japan auch bei uns etwas. Wir wissen ja nicht, was noch passieren wird. Es ist schlimm, dass immer zuerst solche schreckliche Unglücke geschehen müssen, bis überhaupt etwas in Bewegung kommt.
Eines frage ich mich dann doch noch: Wer soll denn das wann was in den AKW prüfen – und was soll dabei rauskommen? Für mich hört sich das lediglich nach Beschwichtigung an.
Naja Horst, zumindest die ältesten werden wohl jetzt tatsächlich abgeschaltet.
In meinem ersten Artikel lag die betonung eher auf ALLE, die man nicht aufeinmal abschalten kann und das dies auch keiner wortwörtlich fordert.
Da ich nahe an Neckarwestheim wohne ist das natürlich für mich eine gute sache (wenn das ding auch ausgeschaltet bleibt).
Ich denke 6-8 können, und das wurde gestern abend ja auch auf manch einem Sender diskutiert, sofort runter. Falls wir dann merken die Energie reicht in der spitze nicht kann könnte man ja auch mal an einen Stromimport aus Ländern nachdenken die Ihre Energie nicht aus AKW´s holen.
Es wird immer gleich vorrausgesetzt das import von Strom nur aus alten gammligen Reaktoren möglich ist, was ist aber mit Norwegen, Island und Österreich.
@Flo: Ja, die werden (jedenfalls vorübergehend) abgeschaltet. Ein Placebo für die
Wut-Wahlbürger.Ein Vergleich mit Ländern wie Österreich, Norwegen oder Island ist schon aufgrund der Größenordnungen nicht möglich. Die dort zum Teil zur Verfügung stehenden Energiequellen reichen für Deutschland wohl eher nicht aus bzw. sie stehen hier nicht zur Verfügung. Eine Frage der Größenordnungen. Und damit auch eine Frage der Kosten und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unseres Landes. Wenn wir sagen, uns wäre es egal, wie teuer Energie in Deutschland wird, sollte uns das sehr bald auf die Füsse fallen.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin nicht sondern gegen Atomenergie. Und das auch nicht erst seit Japan. Aber die Probleme müssen natürlich auch gelöst werden. Wenn wir unseren Strombedarf im Ausland decken müssten (was vielleicht der Fall wäre) dürfen wir Bürger uns nachher nicht über höhere Preise beschweren. Diese Konsequenz möchten viele nicht sehen.
Nur dieser Link:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,750752,00.html
Es ist ein Lügenmärchen der Energieunternehmen das uns da aufgetischt wird – so wie wir zur Sicherheit der Atomenergie und Problemlosigkeit der Endlagerung seit ihrer Einführung belogen wurden. Und nach dem Volksmund heißt es doch:
Wer einmal lügt dem glaubt man nicht ….
Die Frau Kanzlerin hat in ihren ersten Statement (nach der Katastrophe in Japan) angedeutet es sei nicht genügend Leitungskapazität für die Windkraftanlagen da – nun ist der Zeitpunkt günstig durch Abschalten der AKWs Leitungskapazität zu gewinnen …. wenn man denn wollte!
Und genau da darf der Wille bezweifelt werden.
Dieses Moratorium ist ein Witz – gemacht für B*LD-Leser und Menschen mit ähnlich schlechten Kenntnissen der Naturwissenschaften, die so naiv sind sich solcherlei Mätzchen als “Durchsetzungskraft der Regierung” verkaufen zu lassen …. Das Hintertürchen ist offengehalten …. und nach den anstehenden Wahlen werden die Politiker zur Tagesordnung übergehen:
Politik für ihre Geldgeber und Jene, die ihnen nach der Politik eine lukrative Karriere zugesagt haben ….
Ich bleibe bei der Kernaussage, das Risiko ist nicht handelbar und solange das so ist müssen wir uns darüber bewußt sein das jeder Stecker in der Steckdose dieses Risiko mitträgt – auch wenn es schief geht!
Eine richtige Überprüfung eines AKW dauert 1 bis 1,5 Jahre, in den 3 Monaten kann man eventuell mal nachsehen ob denn noch alle Notstromagregate da sind.