Musste sich die FDP wirklich schämen?

Mai 14, 2011 4 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 66 x aufgerufen.
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Musste sich die FDP wirklich schämen?

Der “Stern” schreibt in seinem Bericht über den FDP-Parteitag und die Einführung ihres neuen Vorsitzenden, Philipp Rösler, folgendes:

Die Delegierten dürften mit dem Gefühl von Rostock nachhause fahren: Wir haben wieder einen, der es kann, der ankommt. Für den wir uns nicht schämen müssen, wie für die vielen Figuren, die in den letzten Jahren für die FDP antraten. Jetzt geht es wieder los, wieder nach oben. Mit diesem Philipp Rösler.

Quelle

Starker Tobak. Dieses Urteil über das Personal der FDP. Wenn man bösartig ist, wie offenbar dieser Redakteur, könnte man Ähnliches wohl auf alle andere Parteien dieser Republik anwenden. Indizien für die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihren politischen Repräsentanten gibt es schließlich genug — unabhängig davon, für welche Partei sie tätig sind. Man schaue sich die Entwicklung der Stimmenanteile und die Wahlbeteiligung an.

Dass sich die Hoffnungen der FDP nun auf die neuen, jungen und unverbrauchten Leute richten, ist normal und nachvollziehbar. Allerdings zeigt das ein bisschen auch, wie oberflächlich unsere Gesellschaft insgesamt ist. Ich glaube nicht, dass ein neues, unverbrauchtes Gesicht eine Halbwertszeit hat, die länger als ein paar Wochen ist. Vielleicht ist die Parallele nicht zu ziehen, aber was hat der SPD der Wechsel zu Sigmar Gabriel und Andrea Nahles schon gebraucht?

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4 Kommentare

  1. Rayson 14. Mai 2011 at 17:36 - Antworten

    Vergleich mal nicht die Halbwertzeiten der Vorsitzenden von SPD und FDP. Da sind die Sozis uneinholbar ;-)

    Ich habe den Parteitag aufmerksam verfolgt und werde dazu demnächst auch etwas bloggen. Was mir besonders auffiel, war der extrem unterschiedliche Stil des alten und des neuen Vorsitzenden. Der eine bühnenreif, alle Register der klassischen Rhetorik ziehend, abstrakt theoretisierend, der andere wie ein Manager, ruhig, immer wieder Witze einstreuend, das Team betonend, an Beispielen erläuternd.

    Ersteren bejubelt man, letzterem vertraut man. Natürlich nur, wenn es gut läuft, das ist immer die Voraussetzung. Aber Stil und Wirkung sind da nicht zu trennen.

  2. Horst Schulte 14. Mai 2011 at 18:15 - Antworten

    Rayson: Vergleich mal nicht die Halbwertzeiten der Vorsitzenden von SPD und FDP. Da sind die Sozis uneinholbar

    Das stimmt ^^ Wir begründen das damit, dass wir diskussionsfreudige Menschen in einer diskussionsfreudigen Partei sind. Mir fielen da noch ein paar andere Attribute ein…

    Ich denke, es war einfach an der Zeit, dass Westerwelle abgelöst wird. Seine Zeit war rum. Allerdings denke ich manchmal darüber nach, ob sein rapider Abstieg nicht auch mit seinem Schwulsein zu erklären ist. Das wird zwar meist lautstark zurückgewiesen, aber ich habe in der Beziehung ein mulmiges Gefühl. Und das hat überhaupt nichts mit der Partei zu tun, deren Vorsitzender er war.

    Westerwelle ist nie wirklich angekommen in der Funktion eines Regierungsmitglieds. Dass es in der FDP hauptsächlich so gesehen wurde, dass er zu wenig FDP umsetzen konnte, ist in meinen Augen ein eher vorgeschobenes Argument. Wie schwer das nämlich ist, wird auch Rösler wissen und das wird auch für die Öffentlichkeit schnell erkennbar werden.

    Meines Erachtens ist deshalb nicht wichtig, innerhalb der Koalition deutliche Akzente zu setzen, sondern zunächst einmal, das Profil der Partei zu schärfen. Es müssen mehr Themen besetzt werden. Eigentlich komisch, dass Westerwelle das so krass vernachlässigt hat. Die Chancen sind jetzt da. Aus dieser Profilerweiterung heraus werden sich auch innerhalb der Regierung neue Chancen ergeben.

  3. Rayson 14. Mai 2011 at 19:47 - Antworten

    Horst Schulte: Allerdings denke ich manchmal darüber nach, ob sein rapider Abstieg nicht auch mit seinem Schwulsein zu erklären ist.

    Ich glaube auch, dass ein Nicht-Schwuler nicht so massiv heruntergeschrieben worden wäre. Und wenn wir uns dann anschauen, welche Präferenzen die massivsten Westerwelle-Kritiker vertreten, dann fällt es einem schwer, nicht den Vorwurf der Heuchelei zu äußern. Das ist übrigens ähnlich wie bei Merkel, die sich von Seiten angeblich aufgeklärter und fortschrittlicher Kräfte die übelsten frauenfeindlichsten Sprüche gefallen lassen muss. Es gibt offensichtlich Frauen und Schwule, die von den allgemein für diese Gruppen eingeforderten Rechten ausgeschlossen sind, weil sie nicht die richtige Ideologie vertreten.

    Dass es in der FDP hauptsächlich so gesehen wurde, dass er zu wenig FDP umsetzen konnte, ist in meinen Augen ein eher vorgeschobenes Argument. Wie schwer das nämlich ist, wird auch Rösler wissen und das wird auch für die Öffentlichkeit schnell erkennbar werden.

    Das ist so, aber deswegen ist das Argument nicht vorgeschoben. Es ist schon ein Unterschied, ob man eine Position nach zähem Kampf in einem Kompromiss teilweise aufgeben muss, oder ob man einfach für das reibungslose Funktionieren sich bis zur Unkenntlichkeit anpasst.

    Es müssen mehr Themen besetzt werden.

    Das ist der allgemeine Tenor. Und natürlich ist Liberalismus nichts, was nur die Art betrifft, wie wir mit knappen Ressourcen umgehen (“Wirtschaft”). Aber die Antworten sind eigentlich schon längst da. Sie wurden und werden nur nicht kommuniziert, was zum Teil an der FDP selbst liegt, aber nicht nur an ihr.

  4. Horst Schulte 15. Mai 2011 at 11:30 - Antworten

    Rayson,

    Gut, dass ich mit diesem Verdacht zumindest nicht ganz allein bin. Ich habe ihn schon einmal geäußert. Es wurde rundweg abgestritten. Ehrlich gesagt wäre mir das sogar lieber. Und mit Merkel hast du m.E. auch recht. Es ist leider immer noch etwas anderes, ob eine Frau oder ein Mann an der Position steht. Kein gutes Zeichen. Aber immerhin können wir heute vergleichen. Ein Fazit, das ich bei Merkel schon ziehen würde, wäre, dass sie sich in Machtfragen keineswegs anderes als Männer verhalten hat. Vielleicht marginal geschickter aber in erster Linie waren die Methoden doch sehr ähnlich. Gut finde ich, dass sie nicht dazu neigt, voreilig zu entscheiden. Ich weiß, dass andere das genau anders herum sehen. Aber ihre moderierende Art finde ich besser als die Haudrauf-Methoden etwa eines Gerhard Schröder.

    Aber die Antworten sind eigentlich schon längst da. Sie wurden und werden nur nicht kommuniziert, was zum Teil an der FDP selbst liegt, aber nicht nur an ihr.

    Der Satz klingt (Entschuldigung) ein bisschen larmoyant. So ganz nach dem Motto: Die verstehen uns einfach nicht. Doch, doch. “Die” verstehen schon. Nur haben viele ein Problem mit dieser Art von Gesellschaft. Dabei schließe ich nicht aus, dass das Misstrauen dabei eine zu große Rolle spielt. Aber Vertrauen kann man zurückgewinnen. Auch wenn es schwer ist.

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