[W:Josef Joffe] weist [W:Alfred Grosser] in die Schranken. Sinngemäß: “Nicht die Medien sind verantwortlich für die Probleme Europas, speziell des Euros, sondern die Realität.” Quelle: Presseclub. Die Reaktionen der Finanzmärkte und die sich hieraus ergebenden Währungsturbulenzen sind also allein der desolaten Situation der betreffenden Länder geschuldet (Griechenland, Irland, Portugal)?
Ich finde, wer glaubt, allein die hohe Verschuldung dieser Länder sei für die Probleme des Euro verantwortlich, der macht es sich zu leicht. Das Zusammenwirken von Medienberichten, kapitalistischer Gewinnphantasien sowie der sich wiederum hieraus ergebenden interessengesteuerten und existenzbedrohenden Zinsentwicklung, ist evident, wird nichtsdestotrotz aber gern ignoriert. Es war nie so, dass die Medien über politische oder ökonomische Prozesse “nur” berichteten, vielmehr prägten sie immer schon deren Entwicklung maßgeblich mit. Heute natürlich mehr denn je.
Die Wirkungsweise ist hochkomplex und damit für normale Menschen kaum mehr transparent zu machen.
Man kann nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben.
Vielleicht ist dieser einfache Satz das Einzige, an das wir uns halten können. Es hilft nur leider nicht bei der Bewältigung der Probleme, die sich aus der Vergangenheit ergeben haben. Das Beispiel Griechenland führt uns vor Augen, wie verrückt das ist, was sich die europäischen Staaten als Lösung vorgestellt haben. Sparen? Kaputtsparen müsste es heißen. Der griechische Staat ist offensichtlich mit dem Spardiktat aus Brüssel überfordert. Und das war von Beginn an klar.
Die Menschen empfinden dieses Vorgehen als ungerecht und gehen auf die Straße. Die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Gleichzeitig, vielleicht auch deswegen kollabiert die dortige Wirtschaft. Unternehmenszusammenbrüche, Zunahme der Arbeitslosigkeit sind mit Sicherheit kontraproduktiv. Das hätte man wissen können. Deutsche Politiker erklären die Radikalität der Sparzwänge damit, dass man den Finanztransfer dem deutschen Steuerzahler sonst nicht hätte erklären können. Wir sind trotzdem dagegen. Gegen die Unterstützung Griechenlands und der anderen Länder. Unser schönes Geld geben wir her für nichts und wieder nichts. So ist doch in etwa unsere Stimmungslage?!
Nicht wenige stellen sich vor, dass die Probleme dadurch zu lösen wären, dass Griechenland die alte Währung wieder einführt. Oder wir die Mark. Es gibt Aussagen von Experten, wonach wir in Deutschland Millionen von Arbeitsplätzen verlieren könnten, weil durch die damit zu erwartende Aufwertung der neuen alten Währung unsere Wettbewerbschancen im Export gravierend verschlechtern würden.
Die Schweiz hat mit ihrem Franken angeblich genau dieses Problem. Ich kanns nicht nachvollziehen und will diese Wirkung natürlich deshalb nicht infrage stellen. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass es den Schweizern und der schweizerischen Wirtschaft auch fast 10 Jahre nach der Einführung des Euro durchaus gut geht. Interessant finde ich dabei, dass gerade die Schweiz ganz ähnliche Probleme hat wie Deutschland. Ob man das Rentensystem anschaut, das Gesundheitswesen, den Arbeitsmarkt oder die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt. Die Themen kommen einem bekannt vor, wenn man die dortigen Medien ein bisschen verfolgt.
Im Moment müssten wir doch frohen Mutes sein. Die wirtschaftliche Entwicklung ist sehr gut. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zufriedenstellend – allen Unkenrufen professioneller Schwarzmaler zum Trotz. Irgendwie schaffen wir es aber nicht, eine positive Einstellung zu finden. Vielleicht, weil man weite Teile der Bevölkerung von der Teilhabe abgeschnitten hat? Vielleicht ahnen wir, dass die Turbulenzen um die Gemeinschaftswährung uns auch weiterhin beschäftigen und dass der Euro eine unsichere Währung bleiben wird. Noch schlimmer ist vielleicht, dass wir gegen unser mulmiges Gefühl nicht viel tun können.
Zuerst mussten wir erleben, wie rapide sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern können und dann, wie sich diese Entwicklung ebenso schnell wieder ins Positive umkehrte. Obwohl ich die Medien einigermaßen gründlich und regelmäßig verfolge könnte ich nicht von mir behaupten, dass ich die Gründe für dieses auf und ab wirklich begriffen hätte. Es ist kompliziert, offensichtlich fragil aber vor allem intransparent und wird von mir grundsätzlich mit großem Misstrauen verfolgt.
Nur in einem bin ich mir ganz sicher: Am Ende gewinnt immer die Bank. Warum bringen unsere Politiker nicht den Mut und die Kraft dazu auf, das Primat der Politik zurückzuerobern?











