Da erscheint es wieder: Das Bild von der Hängematte

Mai 16, 2011 5 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 86 x aufgerufen.
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Was ist der Grund für die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit bei uns?

Haderthauer: Laut OECD das hohe Niveau der Hartz-IV-Unterstützung in Deutschland. Ich fordere nun aber nicht, die Hartz-IV-Sätze zu senken. Aber ich will die Gegenleistung der Betroffenen, sich anzustrengen, wieder in Arbeit zu kommen, viel kräftiger einfordern, als das gegenwärtig geschieht. Durch die hohe soziale Absicherung bei uns ist offensichtlich zu wenig Leidensdruck vorhanden.

Quelle

Weniger Arbeitslose heißt auch immer sofort, dass einige Politiker es einfach nicht lassen können, ihre Klientel mit Stammstischparolen zu bedienen. So, wie es nun die bayerische Arbeitsministerin Frau Haderthauer, getan hat.

Schämen sollte sie sich. Natürlich macht sie das nicht, sondern kriegt vermutlich Lob von ihresgleichen, jedenfalls aus der CSU und nicht zuletzt von den eigentlichen Adressaten ihres geistigen Dünnschisses. Denen nämlich, die sich bei solchen Parolen auf die Krachledernen schlagen.

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5 Kommentare

  1. Rayson 17. Mai 2011 at 01:17 - Antworten

    Wenn doch die OECD. die bei Armuts- und Reichtumsberichten so gerne zitiert wird, das sagt!

    Meine Meinung dazu sieht einfach aus. Ich entnehme den entsprechenden Statistiken, dass es genau drei Problemgruppen gibt: Ungelernte, Alleinerziehende, Kranke. Das erfordert genau drei verschiedene Ansätze: Bildung, Kitas/Kindergärten/Ganztagsschulen, maßgeschneiderte Angebote.

    Sicher gibt es einen erheblichen Prozentsatz von Leuten, die es sich im Sozialsystem behaglich eingerichtet haben, vor allem, wenn sie Zusatzeinkommen beziehen, z.B. durch gewöhnliche Kriminalität oder durch Schwarzarbeit.

    Aber darüber hinaus müsste man im Sinn der o.g. Maßnahmen etwas tun.

  2. franz wanner 17. Mai 2011 at 10:11 - Antworten

    Also der Witz ist doch der, dass uns am Berg unerledigter Arbeiten die Puste ausgeht.
    Diese Arbeiten bleiben dauerhaft unerledigt, weil die Erledigung zu teuer käme, würde sie angemessen bezahlt. Unangemessen bezahlt, will sie niemand erledigen.

    Schön, wenn es eine erpressbare Gruppe gibt, die man zwingen kann, unangemessen bezahlt, solche Sachen zu erledigen…
    Blöd, dass solche erzwungenen Dienste, niemand abruft, weil wenig hilfreich in der Sache.
    Und jene, die es ungezwungen aber unterbezahlt trotzdem tun, sollen sich gefälligst ranhalten, das Maul halten und eine große Kleinigkeit effizienter werden.

    Und nun fallen auch noch die Zivi-stellen weg!

    da wundern solche Töne nicht mehr

  3. Daniel 17. Mai 2011 at 10:39 - Antworten

    Also ich muss ehrlich sagen, dass doch einiges an Wahrheit in der Aussage steckt. Es gibt viel zu viele Menschen, die unseren Sozialstaat nur ausnutzen. Wieso soll man heutezutage einen schlecht bezahlten Job annehmen, wenn man fürs Nichtstuen das gleiche Geld erhält. Da muss der Staat etwas tuen und die Arbeitslosigkeit weiter differenzieren.

  4. franz wanner 17. Mai 2011 at 11:54 - Antworten

    Ach Daniel…
    du hast ja Recht, nassauer gibt es immer und überall.
    Nur an den Kürzungen der Sozialleistungen gibt es eine Untergrenze, eben das absolute Minimum. Ein Anreiz zum Arbeiten könnte aber auch im besseren Entgelt liegen oder in der gesellschaftlichen Anerkennung.

    Ob ich viel arbeite und der Verdienst reicht nicht zum Leben oder nix arbeite und die Stütze reicht auch nicht zum Leben, macht eben einen Unterschied – einen moralischen aber nur.
    Moral ist aber keine individuelle, sondern eine gesellschaftliche Angelegenheit.
    Heute funktioniert die nur noch als Trotz und verbissenen Gegenentwurf zur vorherrschenden Gleichgültigkeit und findet höchstens Anerkennung aus marketingtechnischen Gründen…

    Wenn ich arbeite, tue ich dies mit dem Ziel einer Verbesserung zur Ausgangslage.
    Kürzt man mir das Minimum, um mich zur Arbeit zu zwingen, obwohl sich dadurch meine Lage nicht verbessern würde… könnten mir Alternativen einfallen, um auch ohne Arbeit doch noch zum Minimum zu kommen…

    Was ich sagen will, wenn Arbeit sich lohnen soll, muß dies sinnvolle Verbesserungen geben, um zu motivieren. Unterhalb des Minimums bleibt jede Differenzierung völlig sinnlos.
    Wenn ich also durch Vollzeitstelle und nach Anrechnungsprocedere dann doch tatsächlich 30 Euro mehr im Monat habe (2x Kino oder 10 kaffee oder 10x Bus),
    also netto 17 Cent je Arbeitsstunde, erfahre ich als reale Anerkennung unter Freunden nur, dass ich “bescheuert” bin.
    Wenn mir als Arbeitsunwilliger Sozialleistungen gekürzt werden (auch unter das Minimum), fühle ich mich doch nur ermutigt, als Leibeigener allen Verpflichtungen zu entsagen und nur noch zu nassauern.

    Dieses Pseudoproblem wäre übrigens ganz einfach zu lösen, wenn das denn gewünscht wäre, was es nicht wirklich ist. Würde man am Unmöglichkeitsdisput und den Argumenten erkennen…

    Die Lösung besteht darin, dass es niemals (nur in Ausnahmefällen nach endlichem Katalog) eine Zuwendung ohne Gegenleistung gibt, niemals. Dann wäre die Gegenleistung nicht eingeforderte Zusatzbelastung, sondern normale Grundvoraussetzung. Bar- und Sachleistungen werden nicht getrennt, sondern im Normalfall immer bar geleistet. Dann bleibt der Empfänger mündig.
    Die eingeforderte Gegenleistung kann ganz unterschiedlich sein, als Arbeit, als Qualifizierungserfolg, als Selbst- und Nachbarschaftshilfe, als sozialer Dienst als irgendwas…
    Übrigens könnte dann die Leistungshöhe als Zuwendung und als Gegenwert den jeweils lokalen Bedingungen angepaßt werden und würden nicht völlig wirklichkeitsfremd deutschlandweit einheitlich sein…
    Und wenn ich sowieso “arbeiten” müsste, wäre doch meine Motivation erheblich höher, eine “bessere” Arbeit zu finden… sinnvoller vielleicht nicht, aber eben eine besser entlohnte.
    Und “solidarischer” wäre dieses Prinzip allemal.

  5. Horst Schulte 19. Mai 2011 at 11:56 - Antworten

    Rayson: Das kann ich voll und ganz unterschreiben. Was hat die OECD zu dem Thema denn genau gesagt? Hat sie wirklich von zu niedrigem Leidensdruck geredet?

    franz wanner: Für nicht wenige Arbeiten gibt es keine Nachfrage mehr. Jedenfalls keine, für die ausreichende Löhne gezahlt werden. Das ist ja der Ansatz für Kombilohn-Modelle. Wieder eine Aufgabenstellung, für die ich keine vernünftige Antwort finde. Einerseits verurteile ich es, dass die Praxis zu “Mitnahmeeffekten” führt, andererseits stimmt es ja auch, dass wir alle für manche Arbeiten nichts bezahlen wollen. Einerseits sollen die Arbeiten ausgeführt werden (auch weil sie wichtig sind), andererseits gibt es Probleme mit einem auskömmlichen Lohn.

    Daniel: Das wird keiner bestreiten. Es gibt Leute, die das System ausnutzen. Unten und oben. Dreimal darfst du raten, welche Gruppe uns teurer zu stehen kommt. Das so genannte Lohnabstandsgebot, das du in deinem Kommentar beschreibst, ist leider außer Kraft gesetzt. Und zwar durch die Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf absoluten Niedriglöhnen basieren. Stichwort: Post- und Paketsektor. Ich bin der Meinung, man darf sich mit dieser Form von Ausbeutung nicht einfach abfinden.

    franz wanner: Vielleicht ist fehlende gesellschaftliche Anerkennung in diesem Zusammenhang ein Schlüsselbegriff. Mir fällt der gesamte Sozialbereich ein. Krankenschwestern- /Pfleger werden immer noch unterbezahlt, obwohl darüber seit Jahren gejammert wird, dass sie zu wenig Geld für ihre Arbeit bekommen. Welche Schizophrenie doch in diesem Thema liegt, wenn man bedenkt, dass wir immer älter werden und damit die Wahrscheinlich steigt, selbst unmittelbar von der Qualität, dem Anspruch und der Motivation dieser Menschen dereinst abhängig zu sein. Wir werden das, was wir unter Arbeit verstehen, neu organisieren müssen. Ich meine damit nicht so etwas wie die 35Stunden-Woche, sondern das gesamte Feld dessen, was wir heute unter Arbeit verstehen, muss neu aufgerollt werden.

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