In Köln wird an einer U-Bahnstation ein Obdachloser bei einer Schlägerei getötet. Mancher dürfte erwartet haben, dass längst generell an diesen Stellen Videokameras installiert sind. Damit wären uns wieder Bilder frei Haus ins Wohnzimmer geliefert worden, wie wir sie erst kürzlich “gezwungen” waren anzusehen. In Berlin wurde ein junger Mann von zwei halbstarken Schlägern brutal attackiert. Wir waren wieder mal entsetzt.
Vergangene Woche wurde in Köln ein Mann getötet. Angeblich sollten von diesem Vorfall keine Videoaufzeichnungen existieren. Die KVB erklärte dies damit, dass dies aus datenschutzrechtlichen Bedenken nicht erlaubt sei.
Inzwischen hat man sich besonnen und wohl auch herausgefunden, dass es solche datenschutzrechtlichen Hindernisse nicht gab. Nun gibt plötzlich solche Aufnahmen doch. Die dünne Erklärung: Einige Techniker hätten an der Stelle Videokameras ausprobieren wollen.
Ich denke, viele wissen, dass ihre Taten aufgezeichnet werden und sie deshalb mithilfe der Videos leicht überführt werden werden. Trotzdem hat man das Gefühl, dass solche Delikte zunehmen. Aber vermutlich liegt das nur daran, dass wir diese Dinge nur dann realisieren, wenn wir in den Nachrichten und im Internet entsprechende Bildaufzeichnungen gezeigt bekommen. Je brutaler, desto besser für die Quote und desto besser für die Law-and-Order-Politiker, denen die Argumente für den Ausbau von mehr “Sicherheit” geliefert werden. Richtig, mehr Sicherheit bedeutet in diesem Sinne auch immer weniger Freiheit.













Machen wir und doch nix vor.
(Mir wird schon speiübel, wenn ich nur an meinen und mir ja doch vertrauten Zynismus denke,)
Der Mensch ist eben so!
Was heute Rummel oder Event ist, war früher das Volksfest einer öffentlichen Hinrichtung. Auch mal einen Spaß haben dürfen. Und wenn der Delinquent erst mal auf den Brettern stand, gehörte der ehemalige Nachbar ja nicht mehr dazu, dann war das in der hierarchischen Welt eine göttliche Aussortierung, die dem Zuschauer nicht anstand, überhaupt zu bezweifeln. Und man wollte Schmerz und Pein sehen mit glückseligem Schauder! Dann fand man seinen Platz wieder o.k. und das Gesamtgefüge stimmte wieder.
War gestern.
Heute sind wir eben zivilisierter.
Die Opfer haben ja ihr Fett schon weg, da kann man nix mehr machen. An den Tätern kann noch klein wenig gedoktert werden und die arme Kreatur Mensch mit seinen Schwächen restig gerettet. Je großmütiger die Nachsicht, je edler komme ich mir ja vor und vielleicht raste ich selber ja auch mal aus…
Vorerst sind wir jedenfalls stark. Stark genug, um den Täter zu ertragen. Und wir würden den Täter auch in der Wiederholungsschleife ertragen, so stark sind wir!
Die Opfer waren einfach zu schwach oder unvernünftig, sonst wären ja nicht opfer geworden! Wegsperren soll man die. Erstens wahrscheinlich kein schöner Anblick mehr und zweitens zu schwach um die Härte der Welt zu ertragen. Menschenskind da wird immer vor Gefahren gewarnt und die Hanseln haben einfach keinen Biß!
Aber die Täter! Grauenvoll wie die Bestien im Zoo – nur irgendwie lebendiger. eigentlich bewundernswert. Die sind wie du und ich, nur bedingungsloser und mehr sie selber. Nicht gefesselt und gehemmt von Konventionen oder Anstand, die sind wirklich frei. Die Pfeiffen auf das Laufrad der Sklavenseelen, den langweiligen, biederen Mob, die sind einzigartig, Solitäre…
Dies nur nebenbei. Tatsache ist jedoch, im kosmosweiten Wettstreit der vernunftbegabten Intelligenz bekommen wir jedoch den Ehrenpunkt, dass wir das Leben achten und das Recht des einzelnen sowieso. Wir schützen nicht nur die Zellkultur im Spermienschrank und ungeborenes Leben, sondern auch Gottes Schöpfung im Verbrecher.
Eine Plage ist schließlich dazu da, diese zu ertragen, sich selber im Leid zu testen.
Opfer sind bedauerlich, aber nicht vermeidbar. Die bieten sich ja an!
Klar gibt es unsühnbare Verbrechen. Da muß man einen Schlußpunkt setzen, die können durch keine Strafe gesühnt werden. Es macht keinen Sinn, dann Sühne und Strafe den Verbrechern abzuverlangen. Das wäre unlogisch und gegen die Vernunft.
Wahre Größe erkennt dies, reicht den Unholden die Hand und führt sie mit Güte und Erziehung in eine glücklichere Zukunft, ganz selbstlos.
Und während der Hohepriester der Menschlichkeit unter der sich selbst auferlegten Strafe ächzt, Verbrecher ertragen zu können, muß er die ungehemmte und egoistische Lebensgier des Zöglings bewundern, diese Schrankenlosigkeit des Eigenwerts – und dann scheint ihm die wieder so anders einzigartig, dass er niemals sich vergehen würde und dieses Individualbewußtsein in die Knechtschaft der Allgemeinheit zu führen.
Da hat man eben auch seinen Stolz. Deswegen ja der Datenschutz. Ein Allgemeinplatz, den niemand braucht und dem man sich selber nicht unterwirft.
Aber:
Wenn man die Daten schützt, braucht man sich um die Opfer aus dem Mißbrauch der Daten nicht kümmern. Quatsch, die Opfer sind egal.
Eigentlich sind die Täter des Datenmißbrauchs ja nur selber Opfer und Verführte, weil die Gesellschaft den Schutz der Daten vernachlässigt hat.
Der Mißbrauchswunsch ist ja eigentlich normal, wie bei allen normalen Menschen und deshalb die Tat selber verzeihlich, aber das zugelassen zu haben, das ist strafbar.
Es gilt seit altersher: Gelegenheit macht Diebe.
Da ist es doch logisch, sich eher um die Gelegenheiten zu kümmern!