Schon vor fast 1 1/2 Jahren hat Rainer Brüderle, FDP, einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Zerschlagung des Mineralölkartells in Deutschland vorsah. Dazu hätte schon der bloße Verdacht ausgereicht, es sei eine marktbeherrschenden Position entstanden.
Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass der Entwurf deshalb im Kabinett hängenblieb, weil die Kassenlage nicht danach ist. Denn schließlich kassiert unser Staat bei jeder Preiserhöhung der Mineralölkonzerne. Wenn sich Politiker also gar so entrüsten über unverschämte Preiserhöhung, sollte man diesen Gedanken nicht ganz vernachlässigen.
Das Bundeskartellamt hat festgestellt, dass der Wettbewerb an unseren Tankstellen nicht funktioniert. Oha. Is’ ja ‘n Ding. Dafür bedarf es einer Studie? Warum hatte Brüderle unter diesen Voraussetzungen denn schon vor langer Zeit einen Gesetzesentwurf bei der Hand, der genau darauf reagierte?
Was der Automobilclub ADAC schon lange kritisiert, hat das Bundeskartellamt jetzt bestätigt. (Quelle)
Das Kartellamt findet keine Möglichkeit, die Vorgehensweise der Mineralölkonzerne auf anderem Weg zu unterbinden. Trotz vieler Versuche gelang es bisher nicht, unerlaubte Preisabsprachen der Konzerne zu beweisen. Mit anderen Worten: Was wir Verbraucher erleben und mit eigenen Augen sehen, reicht juristisch nicht aus, um denen das Handwerk zu legen, die uns jahraus jahrein über den Tisch ziehen. Aber es gilt eben auch das, was ich bereits oben geschrieben habe: Es gibt noch eine Instanz, die durchaus ein eigenes Interesse in diesem miesen Spiel verfolgt.
Weder die Energiekonzerne noch diese werden zerschlagen. Wir werden ausgenommen wie die Weihnachtsgänse, aber die Politik schaut dabei seelenruhig zu. Aber auch das ist eine Form der Marktwirtschaft.












Mal ne Frage an den Experten: Woran sehen wir Verbraucher denn, dass es Preisabsprachen gibt?
Weil seltsamerweise immer von allen zur gleichen Zeit die Preise raufgesetzt werden. Vorzugsweise vor den Ferien – und zwar unabhängig davon, welche Voraussetzungen in der Beschaffung gerade aktuell sind. Aber natürlich ist das der pure Zufall. Und der Markt funktioniert bei diesem Beispiel auch nicht. Geht der der Preis für das Barrel rauf steigt der Preis, geht er runter steigt der Preis auch. Und zwar wiederum bei allen Gesellschaften gleichzeitig. Ich finde das verdächtig.
Hm, Du meinst also, dass der Preis bei steigender Nachfrage steigt, müsste zwingend an illegalen Absprachen liegen?
Aber selbst wenn dem so wäre: Weder diese noch irgendeine andere Regierung hat ein Interesse an sinkenden Spritpreisen. Schließlich werden ja Milliarden an Subventionen in die “Elektromobilität” gepumpt und zum Beispiel nicht mit Steuersenkungen auf die tendenziell natürlich so oder so steigenden Ölpreise reagiert. Wer Autofährt soll geschröpft werden, bis er sich endlich ein anderes Verkehrsmittel sucht. Das ist nunmal die offizielle Doktrin sämtlicher Parteien.
Danke dafür, dass du mich wieder mal als jemanden entlarvt hast, der von den Grundregeln des Marktes keine Ahnung hat. Es ist ein Kreuz, sich mit Genies auszutauschen. Gääähn.
Zur Sache: Ich habe nicht darüber lamentiert, dass der Preis bei steigender Nachfrage erhöht wird, sondern darüber, dass genau dies auch dann geschieht, wenn die Nachfrage sinkt. Aber das hast du geflissentlich überlesen. Sonst würde der Joke ja auch nicht so gut kommen.
Und dass diese Regierung kein Interesse an sinkenden Preisen hat, habe ich wohl auch in meinem Beitrag geschrieben.
Ihr könntet auch mal einräumen, dass in diesem Fall der Markt (wieder einmal) nicht funktioniert. Aber das liegt hier wohl vor allem daran, dass es nicht genügend Teilnehmer gibt.
Das die Spritpreis-Story reine Preistreiberei ist die immer nur mit dem schwankenden Ölpreis “entschuldigt” wurde liegt doch schon länger auf der Hand. Schon merkwürdig, dass das Kartellamt dafür so lange gebraucht hat dies herauszufinden.
Jetzt liegt es daran etwas zu tun um wieder auf den Teppich zurückzukehren. Ich bin mal gespannt.
Schon irgendwie seltsam was da so läuft, ich denke es würde schon helfen wenn man die Aufsichtsbehörden dazu verdonnern würde ihre Kontrollprozesse transparenter zu gestalten… meiner Erfahrung nach werden Abläufe auf einmal wesentlich schneller & effektiver wenn sie für dritte nachvollziehbar sind…
Das Problem liegt ja eher im Oligopol. Es gibt nur wenige Anbieter & Tankstelle X kann ganz leicht die Preise aller anderen Tankstellen einsehen. Einfach ausm Fenster gucken und dann Preis rauf.
Wo da die Preisabsprache sein soll, verstehe ich einfach nicht.
Das mit den Preisen ist aber auch so eine Sache. Auch wenn der Preis 20 Cent höher wäre, würden die Leute doch immer noch tanken. Ist doch ganz klar, dass man da Gewinne abschöpft. Würde doch jedes normale Unternehmen auch machen.
Horst Schulte,
“Zur Sache: Ich habe nicht darüber lamentiert, dass der Preis bei steigender Nachfrage erhöht wird, sondern darüber, dass genau dies auch dann geschieht, wenn die Nachfrage sinkt. Aber das hast du geflissentlich überlesen. Sonst würde der Joke ja auch nicht so gut kommen.”
Und ich finde die Stelle immer noch nicht, wenn ich ehrlich bin…
“Ihr könntet auch mal einräumen, dass in diesem Fall der Markt (wieder einmal) nicht funktioniert. Aber das liegt hier wohl vor allem daran, dass es nicht genügend Teilnehmer gibt.”
Gestehe ich gerne zu – aber mit dem Hinweis, dass es sich aus mindestens zwei Gründen um keinen freien Markt handelt. Zum einen, weil es zweifellos ein Oligopol gibt, das sich ebenso zweifellos auch auf Preise auswirken wird. Zum anderen Bestimmt aber dieses Oligopol nur 40% des Preises, während für den weitaus größeren Teil des Preises nunmal der Staat verantwortlich ist.
Horst Schulte,
Na ja. Kfz-Treibstoff ist nun einmal ein homogenes Gut, bei dem Preisdifferenzierung innerhalb der festgelegten Klassen so gut wie gar nicht funktioniert. Und jeder möchte möglichst viel verdienen. Das mal vorausgesetzt.
Jetzt schauen wir uns mal einen lokalen Tankstellenmarkt an. Ich habe in Karlsruhe in einer Entfernung von (Luftlinie) ca. 2-3km deutliche Preisunterschiede feststellen können. Aber die Tankstellen, die auf einer Strecke ziemlich nah beieinander liegen, weisen gewöhnlicherweise auch dieselben Preise aus. Will sagen: Lokal haben wir praktisch *immer* Oligopole. Bei der Dichte des heutigen Tankstellennetzes sind in einem Einzugsgebiet kaum mehr als drei, maximal vier Tankstellen. Und dass die sich gegenseitig beäugen, dürfte klar sein. Dazu bedarf es keiner Absprachen. Wenn Tankstelle A am Montag um 5 ct. erhöht, kann sich Tankstelle B nebenan überlegen, ob es die Erhöhung mitgeht. Tut sie es nicht, wird Tankstelle A auch wieder heruntergehen, und die vielleicht mit der Nichterhöhung verbundene Hoffnung auf Marktanteilsgewinne ist dahin. Tut sie es, verdient sie bei zu erwartender gleicher Verteilung der Absatzmenge mehr pro Liter. Und bei jeder Erhöhung trifft man irgendwann die Schmerzgrenze. Sei es, dass irgendwo doch ein Billiganbieter präsent ist, z.B. ein Einzelhandelsunternehmen mit Quersubventionierung, sei es, dass die Autofahrer jetzt auch längere Wege in Kauf nehmen, um zu den Regionen zu gelangen, in denen die Preise niedriger liegen. Und die braucht eben nur zwei Kilometer entfernt zu sein.
Nicht vergessen sollten wir auch, dass die Preise nicht nur steigen, sondern zwischendurch auch sinken. Gäbe es tatsächlich wirkungsvolle Absprachen, wären solche Senkungen ausgeschlossen.
Kurzum: Mir scheint die übliche Betrachtungsweise des empörten Bürgers, die auch hier im Blogeintrag durchscheint, deutlich unterkomplex zu sein. Die wichtigeren Einwände des Kartellamts sehe ich eher in der Doppelfunktion der großen Konzerne als Lieferanten für die anderen Tankstellen. Da müsste man mal genauer hinsehen. Aber das taugt nicht für “Abzocke”-Schlagzeilen.
Einen Nachschlag habe ich noch – Heike Göbel:
http://www.faz.net/artikel/C30106/tankstellen-preise-gucken-30376651.html