Brutalstmöglich

Mai 28, 2011 8 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 73 x aufgerufen.
Beitrag versenden | Beitrag drucken
Brutalstmöglich
 

Ehrlich gesagt, mich haben diese Bilder erschüttert. Ich hätte nicht gedacht, dass die Verantwortlichen in Spanien so dumm sein können. Damit ist zu erwarten, dass die Lage in Spanien, vielleicht auch anderswo, eine Entwicklung nehmen wird, an die vor wenigen Wochen keiner gedacht hat.

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

8 Kommentare

  1. franz.wanner 28. Mai 2011 at 15:06 - Antworten

    gut, dass du das verbreiten hilfst, ich danke dir. einfach unvorstellbar.
    Aber folgerichtig. Ich habe auch keine Illusionen für den Rest der Welt oder für Deutschland.
    Da kombinieren sich die Hilflosigkeit eines agonischen Systems mit der Hilflosigkeit der Beteiligten, die tun müssen glauben, eigentlich nicht wollen und dann das doch mit Frust durchziehen.
    abends gehen dann ie Schläger heim zur Familie, sind liebevolle eltern und kümmern sich um den Abwasch. Davor, das war der Job und funktionale Begrenztheit in Ziel und Mittel. Verblendung als Ausweg. man denke zurück an die explosivkraft im ehemaligen Jugoslawien als plötzlich ethnische pfade begehbar schienen. Jetzt sind es eben andere. Die Problemwurzeln sind aber andere.

    das sich stetig verbilligende Wachstum mit Effiziensgewinnen sortiert zunehmend Teilnehmer an der Produktion aus, egal welche Qualifikation die haben. Sie verbleiben als dringend notwendige Konsumenten des Wachstums, ohne dass sie mit den Mitteln zur Konsumtion ausgestattet werden können. Die Auswahlsiebe sind gnadenlos, aber auch zufällig. Da gibts keine Verschwörung oder so, das ist systembedingter Elitarismus.
    Da unterscheiden sich die Studenten Kairos eben nicht von denen Spaniens. Die Jugend der arabischen Welt nur marginal von der Europas. Die besten 20 Prozent werden als “Leistungsträger” dringend gebraucht und der Rest ist überzählig. Die kommen in die Reserve.
    Und da wir auch zunehmend alle sozialen Belange einer wachstumsorientierten Effiziens und einem Nachfragemarkt unterwerfen, werden die eben auch unbezahlbar teuer.
    Ein neleuchtendes Beispiel dafür: eine Zeitung!
    hat Grundkosten. Egal, wieviele Abonnenten es gibt. Wenige Käufer zahlen einen hohen Preis, viele Käufer drücken den Kreis. Um viele Käufer zu bekommen, variiert man die Themen (und verflacht das Einzelthema) oder macht aus den Grundkosten eben mehr (wie kürzlich in der Zusammenlegung der Redaktionen verschiedener Zeitungen) Ergebnis ist immer eine wachstumsorientierte einbahnstraße. früher nannte man dass Degeneraion und Inzucht ohne auffrischende Korrektur im vergleich.
    Wir sind festgelegt auf den Preis!
    Nach dem Wert fragt niemand.
    Und die sich permanent nur selbst befriedigende intellektuelle elite ist schon längst als schmückendes Alibi im Schutzraum des panoptikums.
    Und wir jammern nur deshalb um sinkende Geburtenraten, weil die benötigten 20 Prozent der Besten der Besten vielleicht bald nur 10 % sein werden und weil bei einer breiten Basis die Pyramidenspitze eben höher ist als bei kleinerem Modell. Als ob vor 100 Jahren 40 Millionen Deutsche mehr Angst hatten auszusterben als heute 80 Millionen! die kannten diese Angst nicht mal….
    Aber klar ist, dass vor 100 Jahren 30 % aussortierte “Reserve” von 40 Millionen eben entschieden weniger waren als heute 80 % von 80 Millionen. Und je mehr Leute man disziplinieren muß, je brutaler die Methoden!
    Und Kriege werden ja heute von Maschinen geführt, auch da braucht man keine Menschen mehr…

  2. Horst Schulte 28. Mai 2011 at 18:41 - Antworten

    Sehr guter Kommentar, Franz. Wenn wir uns den auch von dir so kritisch hinterfragten Mechanismen stellen wollen und diese endlich beiseite räumen möchten, muss uns klar sein, was wir damit tun. Wir stellen unsere Welt auf den Kopf. Nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht kämpfen wir sogar ein bisschen gegen unsere menschliche Natur?! Jedenfalls glaube ich persönlich auch daran, dass die Art von menschenverachtender Ideologie ihr Ende vor Augen hat.

    Manche belächeln die, die davor warnen, dass es zu solchen grundsätzlichen Auseinandersetzungen kommen könnte. Die Ereignisse in Spanien könnten den Beweis dafür liefern, dass tatsächlich eine Revolution bevorsteht. Was würde an die Stelle des jetzigen Systems treten? Was ist wahre Demokratie und wo sehen wir die, die die Führung übernehmen könnten? Oder brauchen wir auch diese Führung nicht?

  3. franz.wanner 28. Mai 2011 at 19:42 - Antworten

    (Mist, ich halte hier nur drähte zusammen und hab keinen PC…)

    doch. wir brauchen Führung. Unbedingt sogar.
    Nichts ist schlimmer als der dumme selbstregulierende Schwarm.

    Andererseits wird der erst einmal kommen. Ist so. Bleibt nur, den Widerstand wachhalten. Erst wieder ausder Agonie des Schwarms wird individuelles Aufbegehren erwachsen. Das ist dann der Kern, der in der Auster die Perle hervorbringt. Wir leben in einer Zwischenzeit, die es ja schon oft in der Geschichte gab. wie lang die dauert, liegt auch an uns.

    Was läuft falsch?
    Die Abschaffung von Verantwortlichkeit, von Verantwortung. Verantwortung wird so lange kleingeteilt und breit verteilt, bis keiner mehr welche hat. Jedenfalls eine, die wirksam werden kann. Dann klammert man sich an Prinzipien, wird Prinzipienwächter und verweist auf die kleine, zu kleine eigene Stellschraube, mit der man sowieso nichts ändern könne… aber die Prinzipienfahne wird hoch gehalten – und drunter gemauschelt.
    zuerst ist daran der “real existierende sozialismus” zerbrochen und nun verdämmert der “demokratische Kapitalismus”. “Markt” ist längst kein Interessenausgleich mehr, sondern schon der manipulierte Schwarm. Das “prinzip” Wirtschaft ist längst am Geld erstickt. Man tanzt gar nicht mehr um das “Goldene Kalb”, sondern läßt sich mit dem spiegelbild davon fotografieren. Kann man nicht mal mehr anfassen. Im Zentrum des Roulettetisches unseres Lebens liegt ein Geldschein, was immer der noch wert sein sollte.
    Und zudem fehlt heute der Mut zur Ungerechtigkeit. Statt bei Gegensätzen den einen mit Füßen zu treten um den andern zu fördern, suchen wir den ausgleichenden Kompromiß. Sind eben alle gekniffen.
    usw usw
    Unsere Ziele sind entweder utopisch fern oder direkt auf der Nasenspitze. Verfehlt werden beide. Zur Entschuldigung wird von “machbarkeit” und “mehrheit” gesprochen.

    Auf jedwedem Gebiet ist die Mehrheit aber einfach dumm und ohne Kenntnis. Das ist objektiv so und niemals zu ändern. Über den Mehrheitsweg gibt es keine Lösung. Und Gleichmacherei ist de Schwarm. Und Schwarm ist die Unterdrückung von Intelligenz und Individualität.
    Heute äussert sich das Aufbegehren dagegen in amokläufen, Gewaltorgien, Sektierertum und Snobismus, VIPstatus und geschlossene Gesellschaft.

  4. Markus 30. Mai 2011 at 12:17 - Antworten

    Ich finde ja immer, man muss vieleicht dabei gewesen sein, um es wirklich zu verstehen. Im Video versteht man nicht wirklich viel, was a) die Polizei und b) die Demonstranten sagen.

    Ich “durfte” auch mal bei einer größeren Polizeiaktion “zusehen” (Zaungast) und habe eben mitbekommen, wie die Polizei erst nach mehrfacher Ermahnung und aussprache von Platzverweisen tätig wurde. Dann aber eben auch mit härte!

    Später wurden dann Videoaufnahmen gezeigt, die nur die Härte gezeigt hat, ohne die Vorgeschichte. Somit ist und war die Polizei dann wieder der Fiese Mob!

    Ich denke, bei erwachsenen Menschen sollten 3 Verwarnungen reichen! Ansonsten muss man halt mit den Konsequenzen rechnen!

  5. Horst Schulte 30. Mai 2011 at 12:28 - Antworten

    Markus: Natürlich kann ich dir da nur zustimmen. Bilder prägen sich ein und sie vermitteln oft auch ein sehr subjektives Bild. Insofern ist unbedingt Vorsicht geboten. Übrigens beneide ich die Polizisten bei solchen Einsatz ganz und gar nicht. Ich frage mich allerdings, ob die Politiker klug beraten waren, solche Befehle zu geben. Oder glaubst du, dass die Polizei in dieser Lage ganz autonom entschieden hat, “notfalls” Gewalt anzuwenden?

  6. Markus 30. Mai 2011 at 13:58 - Antworten

    Oder glaubst du, dass die Polizei in dieser Lage ganz autonom entschieden hat, “notfalls” Gewalt anzuwenden?

    Auf keinen Fall! Die machen ja auch nur das, was man Ihnen sagt! Und es gibt bei solchen Demos ja immer auch Polizisten mit Cams, damit man a) die gewalttätigen Demonstranten rausfiltern kann und b) auch die gewaltbereiten Cops mal zur Rechenschaft ziehen kann!

  7. franz wanner 30. Mai 2011 at 18:38 - Antworten

    Markus:
    stimmt. Irgendwann ist es lächerlich, Regeleinhaltung einzufordern, die man nicht auch durchsetzen könnte. Dann wären die Forderungen nur eine Bitte.

    Warum aber eigentlich nicht? Wenn es im einzelfall nicht gar so existentiell wäre…

    Wer vertritt wo und in welcher Situation das grundlegendere Recht?

    In sachen Stuttgart 21 hatte mal ein Rechtsgelehrte vor einem halben Jahr in der FAZ oder Süddeutschen darüber sinniert, dass eine Volksabstimmung ein Rechtsbruch wäre. hat erauch begründet.

    Ich habe da gegrübelt, welches Recht (und sei es Verfassungsrecht) da einen “Volkswillen” zum “Unrecht” deklassieren könnte? hat mich sehr verstört.

  8. Jan 30. Mai 2011 at 20:03 - Antworten

    Also ich bin vor zwei Jahren selber mal von einer spanischen Polizei geprügelt worden. Weil ich bei einer ihrer “Maßnahmen” zugesehen habe. Nur zugesehen – ich wollte diese “Maßnahme” eigentlich filmen, was ich dann nach deutlichem Hinweis des einen Polizisten lieber sein gelassen habe. Dass ich verschwinden soll, hatte er mir aber nicht gesagt und da mir doch sehr merkwürdig vor kam, was die da gemacht haben, wollte ich nicht einfach weggehen. Woraufhin er eben ohne Vorwarnung mit dem Schlagstock auf mich losgegangen ist. Später habe ich dann erfahren, dass es sich nicht wirklich um die Polizei gehandelt hat sondern eher mit einer mit der SS vergleichbaren paramilitärischen Truppe mit polizeilichen Aufgaben.

    Die obige Einheit ist zwar eine andere Behörde aber auch nicht die spanische Polizei, sondern die Kataloniens. Nach meinen grandiosen Erfahrungen traue ich zwar eigentlich jeder spanischen Behörde alles Mögliche zu aber gerade diese Einheit scheint bekannt zu sein für derartiges Vorgehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Mossos_d%E2%80%99Esquadra

    Es ist also durchaus möglich, dass nur uns diese Bilder so sehr schockieren, Spanier ihre Polizei aber tatsächlich nicht anders kennen. Vielleicht erleben wir aber tatsächlich wie sich ein Staat verhält, wenn ihm der Arsch auf Grundeis geht. In dem Fall können wir uns wohl darauf einstellen, früher oder später sowas ähnliches auch hier zu sehen zu bekommen. Die Nerven liegen zunehmend blank und was sich so alles “politische Elite” schimpft scheint mehr und mehr wahrzunehmen, dass sie sich und uns alle auf fürchterlich gefährliche Holzwege geführt hat.

Dein Kommentar