40 Tage und kein Happy End

Mai 31, 2011 3 Kommentare » | Dieser Artikel wurde 63 x aufgerufen.
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Foto: Tilo 2006 @ flickr.com

Kachelmann und seine ehemalige Freundin, die ihn der Vergewaltigung beschuldigt hat, werden sich nicht gut fühlen. Und zwar nicht erst seit heute, sondern wohl schon eine ganze Weile. Seit ein paar Tagen wurde darüber spekuliert, dass Kachelmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen würde.

In den Medien kann man im Wesentlichen davon lesen, wer die Verlierer dieses Prozesses sind. Von der Staatsanwaltschaft, den Verteidigern und sogar vom Rechtssystem ist die Rede. Die beherrschende Rolle aber spielen eindeutig die Medien.

Vor allen Dingen sie waren es, die diese Verhandlung zur Farce geraten ließen. Das Gericht wurde durch gewisse Medien in eine Lage gebracht, die ein ordnungsgemäßes Verfahren schier unmöglich machten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Interviews, die direkt prozessbeteiligte ehemalige Freundinnen Kachelmanns der Boulevardpresse verkauft haben – für 5 stellige Geldbeträge. Man konnte also deren “Aussagen” schon in der Zeitung lesen, bevor sie dem Gericht überhaupt bekannt waren.

Eine andere, in meinen Augen, sehr unangemessene Rolle spielte Alice Schwarzer. Frau Schwarzer ist eine meinungsstarke Frau, die es immer wieder versteht, ihre persönlichen Positionen so in der Öffentlichkeit zu platzieren, dass diese sehr nachhaltig wirken – immer im Sinn des Feminismus. Sie polarisiert und das kann sie tun – aber nicht in einem Gerichtsverfahren!

In meinen Augen ist sie deshalb zu weit gegangen, weil sie bei ihren Bewertungen weniger den konkreten Fall, sondern ihre Hauptintentionen als Feministin verfolgt hat. Kachelmann als Repräsentant des männlichen Geschlechts? Doch, so kommt es mir manchmal vor.

Vergewaltigung ist ein schweres Delikt, das leider -und das sagen alle Fachleute- in sehr vielen Fällen dem mutmaßlichen Täter nicht nachzuweisen ist. Mit diesem Dilemma werden wir vielleicht leben müssen. Ein mutmaßlicher Täter ist unschuldig bis zum Beweis des Gegenteiles. Dieser Grundsatz gilt. Es sei denn, wir wären bereit, verbriefte Grundrechte aufzugeben.

Ich bin unbedingt der Meinung, dass die Persönlichkeitsrechte aller an solchen Prozessen Beteiligten besser geschützt werden müssen. Wir gehen morgen zur Tagesordnung über und unserer normalen Arbeit nach. Kachelmann wird dies wahrscheinlich nie mehr tun können. Ich erinnere an andere Verhandlungen gegen angebliche Vergewaltiger. Die Angeklagten wurden nicht verurteilt. Das war unter diesem Aspekt auch nicht erforderlich. Die Karriere, die berufliche Zukunft war zerstört.

Mein Fazit ist, dass im Ranking der Institutionen, die in diesem Fall versagt haben, einmal mehr die Medien an der Top-Position stehen.

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3 Kommentare

  1. Franz Wanner 1. Juni 2011 at 10:35 - Antworten

    Vergewaltigung, gerade weil es so abscheulich ist, ist ein Thema, über das man sich nicht äussern kann, ohne selber sofort als Bratkartoffel in der Pfanne zu liegen.
    Einerseits kommen mir manche sexuelle Gepflogenheiten schlimmer vor, als es eine Vergewaltigung sein könnte, andererseits ist der VORWURF der Vergewaltigung so stigmatisierend, daß man den für eine ganze Menge Angelegenheiten gewinnbringend einsetzen kann, nicht so erfolgversprechend dafür in der Wirkung nachhaltiger als die sexuelle Belästigung.

    Aber zur Rolle von Frau Schwarzer:  Sinngemäß hat sie in einem Fernsehkommentar zum Besten gegeben, daß man natürlich nie genau wissen könne, ob Kachelmann nun schuldig sei, darauf käme es aber nicht an, denn so ein Typ, der frauenverachtend so viele Frauen parallel händchenhaltend hinters Licht führe, sei in jedem Fall verurteilenswert – und wenn er nicht verurteilt werden sollte, wre das eine Schande für die gesamte Gesellschaft.

    Mir waren da zwei Dinge klar: Die Frau selber ist verantwortungslos bis kriminell verblendet. Und jede Frau, die sich mit dem Frauenbild von Frau Schwarzer, als das eines hilflosen, einfältigen und
    verführbaren Dummchens, identifizieren kann, bedarf tatsächlich eines besonderen Schutzes.

  2. Horst 1. Juni 2011 at 10:49 - Antworten

    Frau Schwarzer spricht in meinen Augen an den Realitäten vorbei. Sie tut gerade so, als hätte es die Emanzipation der Frau nicht gegeben. Trotzdem bleibt es bedenklich, wie unsere Gesellschaft auf den Verdacht einer Vergewaltigung reagiert. Frauen befinden sich in diesen Fällen in der eindeutig unterlegenden Position. Aber niemand weiß, wie man das ändern soll.

  3. Franz Wanner 1. Juni 2011 at 15:49 - Antworten

    “Aber niemand weiß, wie man das ändern soll.”  Aber dann ist doch alles in Ordnung. Lieber ein schlechter Kompromiss als gar keine Idee. richtig?
    wozu dann Bedenklichkeit?

    Wer immer sich da zu Wort meldet, sollte sich sicher sein, dass er nicht selbstheulerisch dem Kitzel des Anstands erliegt. Und dabei mit wohligem Schauer eine Redeposition auf Augenhöhe es Schlüssellochs einnimmt. Was macht Vergewaltigung so besonders verrucht? Das Sexuelle?
    Eindeutig!
    Was ist dagegen schon ein harmloser Mord? Erniedrigung, Folter, Körperverletzung, seelische Grausamkeit?
    Schrecklich, aber alltägliche Banalität.
    Bei Vergewaltigung wird ein Urtrieb im Verhältnis der Geschlechter angesprochen. Und der ist auch noch moralisch überfrachtet, mit dem Makel der Sünde versehen und kennzeichnet die Grenzlinie zwischen zivilisiertem Verstand und das ethisch Gute im Menschen – dahinter liegen blinde hormonelle Urgewalten, das Böse schlechthin, die Wiederauferstehung der Erbsünde, die Urgewalt der chaotischen Natur.
    Bei Vergewaltigung geht es nicht allein darum, dass einem anderen Menschen Gewalt angetan wurde, sondern darum, dass ein moralisches Tabu gebrochen wurde. Der Täter hat sich nicht nur am Opfer vergangen, nein, er hat auch alle anderen, auch die Unbeteiligten betrogen. Die bezwingen Ihre Triebe, zivilisieren, sublimieren und kanalisieren ihre Triebe und müssen erleben: die Strafe der Tugend liegt in Hr selbst. Der Täter pfeift drauf, der let seine Gier aus. Der macht es einfach! Und der macht es, weil er es kann!
    Rücksichtslos, egoistisch, ohne jede Bedenken.
    (Ist das unterdrückter Täterneid?)
    Und das Opfer? Das Opfer ist nicht einfach nur das Opfer von Gewalt und Missbrauch. Nein, auch das Opfer hat die Genze des Tabu überflogen, war jenseits des erlaubten zivilisatorischen Anstands. Gut, nicht freiwillig, aber immerhin hat auch das Opfer enen Blick hinter den züchtigen Vorhang des Anstands getan!
    Verlogene Welt.

    Nein. Ich widerspreche.
    Es stimmt nicht, dass Frauen sich eindeutig in unterlegener Position befinden. Aber sie fordern diese Position für sich ein. Sie reklamieren Angst und Hilflosigkeit für sich ein. Sie benutzen den Opferstatus. Das Opferdasein gibt Ihnen Macht. Macht , die sie zu gebrauchen wissen.

    Natürlich nicht die konkreten Opfer einer konkreten Gewalttat. Die waren im Widerstand unterlegen, sind traumatisiert, haben gelitten und leiden noch lange Zeit daran, Hilflosigkeit über die Grenzen ihrer Kraft hinaus tatsächlich und real erlebt zu haben. Das gibt nicht unbedingt Selbstvertrauen für die Zukunft. Ihre Identität ist angeknackst.

    Mein scheinbarer Zynismus bezog sich auf die Meute drumrum, auf die wohlmeinenden Neugierigen, die quängelnden Pressekonsumenten, mit der gnadenlosen Sucht nach mehr und mehr Informationen, die doch nur details in eigener magischer “Miterlebenswelt” sein sollen. Nicht belastbare Fakten sind gefragt, sondern Zier und Auschmückungselemente für die Phantasie.
    Diese Meute machen die Opfer wieder und wieder zum Opfer eines neuen Mißbrauchs. Sie machen die Gepeinigten zu einem Besichtigungsobjekt der Erniedrigung, an der sich auch noch blassestem Gemüter befriedigen können.

    Wenn also niemand weis, was man tun könne, könnte es ja nicht schaden, etwas zu tun, von dem noch nicht zu sagen wäre, ob es nutzt.
    Zum Beispiel könnte man den Mißbrauch von Informationen von Verbrechen oder von Anzeigen für Verbrechen für eigene Belange unter Strafe stellen. Die Befriedigung von Sensationsgier zur eigenen Umsatzsteigerung wäre z.B. so ein Mibrauchsfakt.

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