“Tobacco Road” am Samstag Nachmittag

Juni 11, 2011 1 Kommentar » | Dieser Artikel wurde 38 x aufgerufen.
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“Tobacco Road” am Samstag Nachmittag

Es muss so ca. 1969/70 herum gewesen sein. Ich lebte noch bei meinen Eltern und hatte eine von der Wohnung abgeschlossene Mansarde. Zum Schlafen ging ich runter in die Wohnung. Eine privilegierte Situation, die noch dazu den Vorteil hatte, dass meine Mutter sich bei mir fast nie sehen ließ. Fürs Aufräumen und Sauberhalten war ich allein zuständig. Nun, ja.

Technisch gesehen war die Ausstattung in meinem Zimmer ausgesprochen verbesserungswürdig. Es gab es Radio und ein einfaches Tonband. Einen Plattenspieler hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Die erste Stereoanlage (von “Wega”) habe ich kurz danach gekauft. Und -zur Freude meiner Nachbarn- ein paar riesige Lautsprecher. Man lernt in diesem Alter schnell.

Zu diesem Zeitpunkt fehlten mir elementare Voraussetzungen, um eine Radiosendung mitzuschneiden. Neben der schon erwähnten Ausstattung waren das vor allem die nötigen Kenntnisse. Im Radio (SWR3) wurde angekündigt, dass zu einer bestimmten Zeit am Samstag Nachmittag  “Tobacco Road” von “Eric Burdon and War” gespielt würde – in der Langversion. Nun bin ich nicht unbedingt ein großer Bluesfan. Aber speziell dieses Stück und vielleicht noch “Spill the Wine” waren Aufnahmen dieser Band, die mir ausgesprochen gut gefielen. Eric Burdon war mir bis dahin “nur” als Interpret von “House of the Rising Sun” ein Begriff.

Ich hatte mir vorgenommen, “Tobacco Road” direkt vom Radio mit einem Mikrophon aufzunehmen. So ein Ding war Teil meines übersichtlichen Equipments. Mit meinem Freund hatte ich den Spleen entwickelt, Hörspiele aufzunehmen. Genau deshalb hatten sowohl er als auch ich Tonband und Mikrophon. Wir waren beide ausgesprochen kreativ, wenn es darum ging, die nötigen Geräusche zu machen. Je lauter, desto besser. Die Texte für ein Hörspiel hätten wir uns allerdings klauen müssen. Blöd, dass es noch kein Internet gab. So ist es bei einigen wenigen Salonszenen geblieben.

Der Zeitpunkt der Übertragung rückte näher. Ich hatte vorsichtshalber ein Schild gemalt und von außen an die Tür gepappt: “Bitte nicht stören – Radioaufnahme!” Oder so ähnlich. Es war jedenfalls nicht zu übersehen. Ich startete die Aufnahme und bemühte mich, trotz der intensiven Musik, still zu sein. Eine Weile ging das gut. Ich allein mit mir, dem Sender und “Eric Burdon and War

Natürlich hörte ich die Musik nicht gerade in Zimmerlautstärke, denn das hätte den Genuss dieser Wahnsinnshymne stark herabgesetzt. Deshalb hörte ich wohl erst den zweiten (oder dritten?) und sicher schon etwas energischeren Versuch meines Vaters, sich durch Klopfen an die Tür bemerkbar zu machen.

Da bin ich aber so etwas von ausgerastet. Mein Vater wartete jedenfalls nicht länger, öffnete die Tür und stand unvermittelt zusammen mit seinem Bruder in der Tür. Denen habe ich einen heißen Empfang bereitet. Sie waren im Moment einfach sprachlos und beiden machten auf dem Absatz kehrt. Es gab allerdings zwei Ansagen meines Vaters:

1.) Du entschuldigst dich bei Onkel Theo und

2.) Das wird sich nicht noch einmal wiederholen.

Dazu muss ich erwähnen, dass mein Onkel, von Beruf Anstreicher, nur mitgekommen war, um sich mein Zimmer anzusehen. Ich wollte nämlich, dass es renoviert wird. Daran war ich kläglich gescheitert. Zu viele Schrägen…

Ja, Horst. Das war echt daneben. Ich hätte mich entschuldigt, wenn mein Vater nicht -die Gründe habe ich nie erfahren- am gleichen Nachmittag noch einen Streit mit seinem Bruder gehabt hätte. Deshalb brauchte ich den Gang nach Canossa nicht anzutreten. Mein Vater war jedenfalls ordentlich sauer auf mich. Zum Glück hielt das aber nie lange an.

Übrigens habe ich mir auch später die Platte von Eric Burdon and War nie gekauft. Obwohl ich das Stück auch heute noch toll finde.

http://youtu.be/rCQ41XoA8t0

Um die Version ging es.

Das war die Version mit Eric Burdon and the Animals – Ein richtiger Blues

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Ein Kommentar

  1. Spill The Wein 16. Juni 2011 at 15:04 - Antworten

    Toll – einer der besten Songs von Eric Burdon – halte die LP Spill the Wine für eine der ganz großen Highlights der späten 60er Jahre!

    Danke für das Video :-)

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